Bits & Bäume ist eine Konferenz, die sich mit einem breiten Spektrum an Fragen rund um Digitalisierung und Nachhaltigkeit befasst. Nach der ersten Auflage im Jahr 2018 fand die Veranstaltung Anfang Oktober 2022 das zweite Mal an der Technischen Universität in Berlin statt. Auf der Konferenz wurden erneut vielfältige Themen rund um den Energie- und Ressourcenverbrauch digitaler Lösungen und sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Geschäftsmodelle diskutiert. Dabei wurde besonders deutlich: Eine nachhaltige Digitalisierung ist nur mit Open Source Software möglich.

Der Begriff der digitalen Souveränität ist inzwischen sehr populär geworden. Allerdings kursieren unterschiedlichste Vorstellungen davon, was genau der Begriff umfasst und was unter digitaler Souveränität verstanden werden soll. Und obwohl sich viele politische Akteure darauf einigen können, dass die digitale Souveränität gestärkt werden muss, ist oftmals unklar, wie dies erreicht oder nachgewiesen werden soll. Aus diesem Grund haben die OSB Alliance und das Weizenbaum-Institut ein gemeinsames Projekt ins Leben gerufen, um digitale Souveränität messbar zu machen.

Um Open Source und digitale Souveränität voranzubringen, müssen wir Allianzen über verschiedene Branchen hinweg schmieden und gemeinsam an einem Strang ziehen. Daher ging es beim diesjährigen Open Source Day unter der Überschrift „Die Zukunft Europas entscheidet sich im Digitalen – warum digitale Souveränität so wichtig ist“ in zwei Impulsvorträgen, einer Podiumsdiskussion und dem Austausch mit dem Publikum immer wieder um die Kooperation verschiedener Akteure und den gemeinsamen Aufbau von Kompetenzen.

Unser Open Source Day verbunden mit der Mitgliederversammlung ist immer das Highlight unseres Vereinsjahres. In diesem Jahr erlebten wir außer dem freudigem Wiedersehen der Vereinskolleginnen und -kollegen wieder spannende Vorträge und Diskussionen und wir haben unseren neuen Vorstand für die nächsten beiden Jahre gewählt. Das bestehende Team des geschäftsführenden Vorstandes wurde mit Timo Levi ergänzt. Der erweiterte Vorstand wurde mit Uwe Pressler, Torsten Frenzel, Michael Leibfried, Birgit Becker und Mario Behling verstärkt.

EVB-IT Vertragsvorlagen gehen derzeit stets von proprietärer Software aus und adressieren bisher nicht die Beschaffung von Open Source Software. Vertreterinnen und Vertretern der AG EVB-IT aus Bund, Ländern und Kommunen, der OSB Alliance und dem BITKOM haben eine Workshopreihe durchgeführt, um vor der Novellierung der EVB-IT zunächst ein gemeinsames Verständnis zu verschiedenen Aspekten von Open Source Software und den vergaberechtlichen Anforderungen herzustellen, die bei öffentlichen Auftragsvergaben eingehalten werden müssen.

Miriam Seyffarth leitet seit Februar 2022 die politische Kommunikation der OSB Alliance. Die Islamwissenschaftlerin engagiert sich seit 2011 für netzpolitische Themen und arbeitete mehrere Jahre für eine Bundestagsabgeordnete an Digitalthemen. Im Interview erzählt sie über Ihre Begeisterung für Open Source und digitale Souveränität, ihre Erfahrungen in der Politik und ihre Aufgaben und Ziele in der Rolle als politische Sprecherin der OSB Alliance.

Software bestimmt immer mehr auch Industrieprodukte. Die darüber generierten (Meta-)Daten sowie deren Skalierung über die 5G-Mobilfunkeinführung gewinnen schnell an Bedeutung. Damit nimmt auch für alle Beteiligten die Notwendigkeit zur souveränen Nutzung und Verarbeitung zu. Ein Lock-In und damit die Abhängigkeit von einem proprietären IT-Anbieter kann zudem auch ein Wirtschaftsunternehmen in starke Bedrängnis bis hin zum Ausfall des Geschäftsmodells führen. Deswegen sind die neu formulierten Leitlinien der OSB Alliance als Bundesverband für Digitale Souveränität auch für die Wirtschaft und Industrie so wichtig.

Aktuelle geopolitische Krisen zeigen deutlich, wie verwundbar wir als Staat, als Wirtschaft und als Gesellschaft sind, wenn wir uns in zu großen Abhängigkeiten befinden. Daher muss die Ablösung von heute in höchstem Maß vorhandenen digitalen Abhängigkeiten von einzelnen Technologieanbietern, insbesondere in der öffentlichen Verwaltung, jetzt mit höchster Priorität angegangen werden. Die wichtigen Vorhaben zur Stärkung der digitalen Souveränität müssen deshalb mit ausreichenden finanziellen Mitteln mit eigenen Haushaltstiteln im Bundeshaushalt 2023 verankert werden.

Der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Sovereign Cloud Stack (SCS) erscheint am 21. September 2022 in der vierten Version R3.

Die in einem offenen Prozess von einer Gemeinschaft aus über 20 Unternehmen entwickelte Referenzimplementierung des Sovereign Cloud Stack bietet mit der neuesten Version neben der Aktualisierung der eingesetzten Open-Source-Komponenten unter anderem die Möglichkeit der netzwerkbasierten Festplattenverschlüsselung, eine verbesserte Testabdeckung sowie ein vereinfachtes Management von Kubernetes-Clustern.

Die Nutzung von Cloud-Angeboten erlaubt es, Teile digitaler Infrastruktur zuverlässig „aus der Steckdose“ zu beziehen und verbrauchsabhängig zu bezahlen, ohne sich beispielsweise um Fragen der Skalierung kümmern zu müssen. Die öffentliche Hand ist deswegen grundsätzlich gut beraten, Cloud-Angebote zu nutzen, wo immer es sinnvoll möglich ist. Allerdings bestehen dabei in besonderem Maße Anforderungen an den Schutz von Daten sowie an die nachhaltige Sicherstellung von Betriebs- und Gestaltungsfähigkeit digitaler Infrastrukturen.