Das Berliner Abgeordnetenhaus befasste sich im Februar 2025 im Rahmen einer Sachverständigenanhörung damit, wie sich das Open Source Kompetenzzentrum Berlin seit seiner Gründung entwickelt hat. Peer Heinlein, Open-Source-Unternehmer aus Berlin sowie Vorstandsmitglied und Berliner Landesvertreter für die Open Source Business Alliance war als Sachverständiger geladen und vertrat die Perspektive der OSBA und der Berliner Open-Source-Unternehmen.
Das Open Source Kompetenzzentrum Berlin
Im Oktober 2022 hat das Abgeordnetenhaus Berlin die Erarbeitung einer Open-Source-Strategie beschlossen. In dem Antrag wird u.a. der Grundsatz „Public Money for Public Code“ sowie ein Vorrang für Open-Source-Lösungen bei der Beschaffung verankert, außerdem soll die Vernetzung zwischen der Open-Source-Community und der Verwaltung vorangetrieben und ein Open Source Kompetenzzentrum gegründet werden.
Das Open Source Kompetenzzentrum (OSK) ist beim ITDZ Berlin angesiedelt und wurde im November 2023 gegründet. Das OSK soll die Berliner Verwaltung beim Einsatz von Open-Source-Lösungen unterstützen und beraten. Das OSK steht somit in einer Reihe mit Open-Source-Initiativen von Bund, Ländern und Kommunen wie dem Zentrum für die Digitale Souveränitiät der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS).
Peer Heinlein betonte in der Sachverständigenanhörung, dass das Berliner OSK als Brücke zu dem bundesweit aktiven Zentrum für Digitale Souveränität fungieren kann.
„Mit seiner Erfahrung und Kooperation wird das OSK die Umsetzung der Berliner Verwaltungsdigitalisierung beschleunigen – oder in Teilen überhaupt erst ermöglichen. Die Aufklärung und Fachberatung durch das OSK schafft einen sehr wichtigen Wissenstransfer in die Verwaltung, IT-Planungsstäbe und Beschaffer, um das eigentliche Potential einer Open Source-Strategie tatsächlich wirksam heben zu können. Und das bedeutet gleichzeitig auch eine extrem wichtige Stärkung der lokalen Digitalunternehmen und ist so auch Motor einer innovativen Startup-Szene“, so Heinlein.
Internationale Anerkennung für deutsche Open-Source-Initiativen
Das Open Source Kompetenzzentrum Berlin erfüllt die Rolle eines Open Source Program Office (OSPO). Solche OSPOs werden inzwischen überall auf der Welt in Kommunen und Unternehmen gegründet, um den Einsatz von Open Source Software zu unterstützen und voranzubringen. OSPOs sind auch für die Umsetzung von Open-Source-Strategien zuständig und tragen zur Erreichung einer nachhaltigen digitalen Souveränität bei.
Peer Heinlein berichtete dem Ausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus davon, dass er bei seinen Reisen im vergangenen Jahr überall auf der Welt positives Feedback zu den deutschen Open-Source-Initativen bekommen hat. Heinlein war 2024 u.a. mit dem Regierenden Berliner Bürgermeister Kai Wegener in Japan, dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) in Kenia, bei einer Open-Source-Konferenz der Vereinten Nationen in New York, auf Konferenzen in Paris und beim Open Source Policy Summit in Brüssel.
„Überall schlug mir nicht nur Zustimmung, sondern echte Bewunderung und Begeisterung für Deutschlands klare Ausrichtung auf Open Source und digitale Souveränität entgegen. Bei den Vereinten Nationen wurde Deutschland stets als Vorbild zitiert“, erläuterte Heinlein den Berliner Abgeordneten.
Ein erfolgreiches OSK braucht Planungssicherheit und politischen Rückenwind
Peer Heinlein betonte, dass Berlin vor diesem Hintergrund eine wichtige Chance hat, sich mit seinen zahlreichen Start-Ups im Bereich Open Source und KI in Kombination mit einem starken Open Source Kompetenzzentrum international zu positionieren. So könnten existierende Start-Ups und etablierte Unternehmen gestärkt werden und auch für eine Neuansiedlung dieser Firmen in Berlin geworben werden.
Hierfür braucht es aber klare und verlässliche Signale und Kontinuität aus der Politik. Die Berliner Open-Source-Wirtschaft hat der Politik bereits deutlich gemacht, wie wichtig das OSK aus ihrer Sicht für eine erfolgreiche Digitalisierung ist. Die Gründung des OSK hatte eine breite Zustimmung erfahren. Berliner IHK, OSK und OSBA hatten zudem im Juni 2024 einen Berliner Open Source Tag organisiert, bei dem sich Verwaltung, Unternehmen und das OSK miteinander vernetzen konnten.
Aber aus Heinleins Sicht geht es beim OSK immer noch viel zu langsam voran:
„Die Personalausstattung des OSK verläuft schleppend, echte Arbeitsergebnisse stehen in meiner Wahrnehmung bis heute aus. Umgesetzte echte Projekte in der Open Source- oder auch Cloud-Strategie – völlige Fehlanzeige. Andere Bundesländer sind da bereits auf einem ganz anderen Level unterwegs: Thüringen betreibt sein eigenes souveränes Cloud-Rechenzentrum – natürlich mit Open Source. Schleswig-Holstein hat sich in die Position versetzt, zukünftig Microsoft Office-Lizenzen im Volumen von 10 Millionen Euro einsparen zu können und hat auf Basis von LibreOffice übrigens eine speziell an die Bedürfnisse der Verwaltung angepasste eigene Office-Lösung geschaffen – und steht somit besser da, als zuvor.“
Der Erfolg des OSK hängt also auch vom politischen Willen ab sowie von dem Rückenwind, den das OSK vom Berliner Senat bekommt.
Die immer noch ausstehende Berliner Open-Source-Strategie
Ein wichtiger Grund, warum beim OSK bisher noch nicht mehr passiert ist, ist aus Heinleins Sicht die immer noch fehlende aber seit 2022 angekündigte Berliner Open-Source-Strategie:
„Wir wurden auf unbestimmte Zeit vertröstet. Wie all die Jahre zuvor. Das ist Gift für die weitere Entwicklung Berlins als Startup-Hauptstadt in Europa, aber auch mit Blick auf etablierte Unternehmen mit Hunderten von Mitarbeitern, wie bei mir.
Berlin braucht für seine Startup- und KI-Szene eine echte langfristige Open-Source-Strategie, die auch verfolgt und umgesetzt wird und dann auch international die Unternehmen nach Berlin zieht und die lokale Wirtschaft stärkt. Gerade mit Blick auf die aktuellen globalen politischen Entwicklungen ist ein schnelles Handeln für die Stärkung der digitalen Souveränität unabdingbar – und eilig.“
Heinlein wandte sich zum Schluss noch einmal eindringlich an die Abgeordneten und den Berliner Senat: „Ich möchte und muss hier sehr deutlich an den Senat appellieren, die weitere Entwicklung unserer Stadt und dieses international geachteten Standorts mit einer klaren Positionierung durch eine echte Strategie, mit zügig sichtbaren Ergebnissen und mit einer kraftvollen Umsetzung zu fördern. Wir möchten weitere Ansiedlungen in der Region – und nicht etwa Abwanderungen – mit Steuergeld und Wertschöpfung hier vor Ort. Und auch als Bürger, das sei hier noch ergänzt, wünschen wir alle uns eine moderne, digitale effiziente Verwaltung.“


