Das Open Source Observatory (OSOR) wurde 2008 als Plattform der Europäischen Union gegründet, um den Einsatz von Open Source Software im öffentlichen Sektor zu unterstützen. Im Rahmen dieser Aufgabe veröffentlicht das OSOR regelmäßig Länderberichte und Studien, um aufzuzeigen, wie weit der Einsatz von Open Source in den Verwaltungen in europäischen und außereuropäischen Ländern bereits ist. Die Sammlung dieser Länderreports und Factsheets bildet zusammen mit Interviews und zusätzlichen Recherchen die Grundlage für den aktuellsten Ende 2024 erschienenen Bericht „Progress and trends in the national open source policies and legal Frameworks“. Dieser Bericht bildet den aktuellen Stand und die Trends der Open-Source-Politik in 15 europäischen und außereuropäischen Ländern ab.

Der Bericht bestätigt die wachsende politische Bedeutung von digitaler Souveränität in den untersuchten Ländern und zeigt gleichzeitig, dass Open Source in der Politik immer mehr als das entscheidende Mittel betrachtet wird, sich auf nationaler Ebene aus den bestehenden Abhängigkeiten von proprietären Konzernen zu befreien, Transparenzziele zu erreichen und gleichzeitig das Recht der Bürgerinnen und Bürger auf Datenschutz zu gewährleisten.

Motivation für den Einsatz von Open Source: Souveränität, Transparenz und Krisenbewältigung

Die Motivation, Open Source verstärkt in der öffentlichen Verwaltung einzusetzen, ist je nach untersuchtem Land ein wenig unterschiedlich. Während in Ländern wie Deutschland und Frankreich vor allem die Vorteile von Open Source in Bezug auf digitale Souveränität und Datenschutz im Vordergrund stehen, geht es Ländern wie etwa den Niederlanden oder Belgien eher darum, mit Open Source die politisch angestrebten Transparenzziele zu erreichen. Einige Staaten wollen Open Source auch gezielt nutzen, um ihre nationalen Aktionspläne im Rahmen der OpenGovernment Partnership (OGP) umzusetzen. Die OpenGovernment Partnership ist eine internationale Initiative, an der sich 70 Nationen einschließlich Deutschlands beteiligen. Zusammen mit der Zivilgesellschaft entwickeln die Teilnehmerländer nationale Aktionspläne, die zu einem besseren Regierungs- und Verwaltungshandeln führen, Open Government fördern und beispielsweise auch Korruption bekämpfen sollen.

Die multiplen Krisen der letzten Jahre haben in Europa auch das Bewusstsein dafür geschärft, dass digitale Souveränität bei gleichzeitiger grenzübergreifender Kooperation ein wichtiges strategisches Ziel auch mit Blick auf Resilienz darstellt, das nur mit Open Source erreicht werden kann. Das wurde etwa am Beispiel der Ukraine sichtbar, wo 2022 zu Beginn des russischen Überfalls Open-Source-Entwicklerinnen und -Entwickler aus den Nachbarländern halfen, so schnell wie möglich notwendige digitale Dienste bereitzustellen. Open-Source-Lösungen erwiesen sich hier als wichtige Ergänzung zu den Aktivitäten der nationalen Regierungen der EU-Staaten, die zum Teil nicht so schnell reagieren und unterstützen konnten, wie die Open-Source-Community.

Wie die Open-Source-Transformation gelingt

Obwohl inzwischen besser bekannt ist, wie wichtig Open Source Software für Unabhängigkeit, Transparenz und Innovationsfähigkeit ist, und in den EU-Mitgliedsstaaten immer mehr Gesetze, Regelungen und die Einrichtung von Open-Source-Büros beschlossen werden, um den Einsatz von Open Source in der Verwaltung zu fördern, ist die Open-Source-Transformation für die zuständigen Regierungen immer noch voller Herausforderungen. Viele Behörden setzen sich gerade erst damit auseinander, überhaupt ihre grundlegenden Verwaltungstätigkeiten zu digitalisieren, auch in Deutschland ist das immer noch ein großes Thema. Die gleichzeitige Umstellung auf Open Source wird dann von den jeweiligen Ländern manchmal als zusätzliche Schwierigkeit empfunden. Dabei bietet gerade Open Source große Chancen bei der Verwaltungsdigitalisierung, da die Software an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst und kollaborativ weiter entwickelt werden kann und Behörden auch Lösungen einfach nachnutzen können, die andere Behörden bereits entwickelt haben.

Damit die Open-Source-Umstellung ein Erfolg wird, gilt es auf verschiedene Aspekte zu achten. Den geringsten Erfolg bei der Transformation verspricht laut OSOR-Bericht eine rigide Top-Down-Gesetzgebung ohne begleitende Hilfestellungen für die Verwaltung. So wurde etwa in Bulgarien der Einsatz von Open Source Software in der öffentlichen Verwaltung unter der Androhung von Strafen verlangt, ohne dass ein spürbarer Effekt in der Praxis zu verzeichnen war. Nicht zuletzt der Mangel an Schulungen und Anleitungen verhinderte hier die erfolgreiche Durchsetzung der gesetzlichen Vorgabe.

Wegen dem dezentralen und kollaborativen Charakter von Open Source Software sind es oft vor allem lokale oder regionale Initiativen, die am meisten Erfolg beim Einsatz von Open Source in der Verwaltung erzielen. Der OSOR-Bericht erwähnt Beispiele aus Tschechien und Frankreich, wo die Zivilgesellschaft in Form von Bürgerinitiativen und Vereinen aktiv an der Gestaltung der öffentlichen Digitalisierung mitwirkt. Häufig sind es die Städte und Gemeinden, in denen innovative Wege beschritten werden und mutig Neues ausprobiert wird. Um diese Projekte und Initiativen bekannt zu machen und die Akteure miteinander zu vernetzen, bewähren sich nationale Open Source Program Offices (OSPOs).

OSPOs sind Kompetenzzentren für Open Source Software und unterstützen Verwaltungen bei der Entwicklung von Strategien, der Einführung und Nutzung von Open Source und der Weitergabe von Code. Zugleich vernetzen sie die Verwaltungen mit externen Open-Source-Akteuren und unterstützen mit Open-Source-Schulungen und -Ausbildungen. In Deutschland übernimmt z.B. das Zentrum für digitale Souveränität der öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) diese Aufgabe.

Kooperation ist der Schlüssel zum Erfolg

Natürlich enden die Möglichkeiten der Zusammenarbeit bei Open Source nicht an den nationalen Grenzen. Auch auf internationaler Ebene bemühen sich Institutionen wie die Vereinten Nationen um den Austausch von Wissen und Softwarecode. So können auch globale Herausforderungen wirksam angegangen werden, wie der OSOR-Bericht am Beispiel von OSGeo aufzeigt. Diese von den Vereinten Nationen und nationalen Regierungen unterstützte internationale Plattform bündelt die Anstrengungen von Open-Source-Communities aus der Geoinformatik und bietet Zugang zu vielfältigen Open-Source-Projekten und -Tools.

Der OSOR-Bericht benennt die verstärkte Zusammenarbeit verschiedener Akteure wie Regierungsstellen, Verbänden, internationalen Organisationen und Open-Source-Communities als den wichtigsten Faktor für eine effektive Umstellung auf Open Source in der öffentlichen Verwaltung. Während sich die Open-Source-Politik bisher vor allem auf rechtliche Aspekte wie etwa die öffentliche Beschaffung fokussiert hat, geht der Trend nun hin zu umfassenderen Ökosystem-Ansätzen, die Souveränität, Transparenz und kooperative Umsetzungsstrategien auf verschiedenen Verwaltungsebenen sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene berücksichtigen.

Der OSOR-Bericht kann auf der Website des Open Source Observatory (OSOR) abgerufen werden, die Berichte und Reports der einzelnen Länder finden Sie hier.

Auf der FOSS BACKSTAGE Konferenz im März 2025 wurde der Bericht in kompakter Form vorgestellt, die Aufzeichnung finden Sie hier.