Das war unser 2023

2023 war ein Wachstumsjahr für die OSB Alliance. Wie schon im Vorjahr sind wir in vielen Bereichen größer geworden: Wir durften 20 neue Mitglieder in unseren Reihen begrüßen und haben 9 wertvolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Arbeit in unserem Verband und seinen Projekten gefunden.

Die Working Groups haben phantastische Arbeit geleistet und es ist sogar eine neue Working Group „Cloud“ dazu gekommen. Unsere Themen wurden vielfältiger und unsere Publikationen wurden häufiger in Medien aufgegriffen.

Wir wurden für viele Vorträge angefragt, waren auf Podien eingeladen und haben mehr Veranstaltungen ausgerichtet als je zuvor. Weil wir mit immer größerer Regelmäßigkeit um Kommentare bei politischen Entscheidungsprozessen gebeten werden, haben wir mehr für Open Source in Deutschland bewegen können. Und wir haben uns in diesem Jahr auch erstmalig über Deutschland hinaus in die Politik auf Europa-Ebene eingebracht.

Wir haben ein sehr aktives Jahr für die OSB Alliance hinter uns, in dem wir vieles bewegen und lernen durften. Aber wir sind nicht nur gewachsen. Durch die viele Arbeit haben wir uns als Verband im Innen besser verbunden und nach Außen noch besser vernetzt.

Unsere neuen Mitglieder

Wir freuen uns, dass wir 2023 diese Mitgliedsunternehmen in den Verband aufnehmen durften:

  • Auctores GmbH
  • camptocamp Germany GmbH
  • Computatec AG & Co. OHG
  • DATA Egret GmbH
  • Denotation UG
  • dNation s.r.o
  • ESCRA GmbH
  • Ferrous Systems GmbH
  • Files per Hour GmbH & Co. KG
  • FGTCLB GmbH
  • France Labs
  • Iat/Ion GmbH
  • Kieselstein ERP eG
  • Menzel IT GmbH
  • Raynet GmbH
  • ScaleUp Technologies GmbH & Co. KG
  • Schwarz IT KG
  • Sodge IT GmbH
  • Technische Hochschule Köln
  • Zukunft digitale und offene Verwaltung GmbH

Die Details zu den neuen Mitgliedsunternehmen finden Sie hier.

Damit ist unser Verband auf 225 Mitglieder angewachsen und jeden Monat kommen weitere Unternehmen auf uns zu und entschließen sich für eine Mitgliedschaft. Mehr neue Mitglieder bedeutet auch mehr aktive Beteiligung in den Working Groups, mehr Handlungsfähigkeit, mehr Kompetenz in noch mehr Themen und Bereichen. Wir möchten auch im nächsten Jahr diesen positiven Trend beibehalten und noch aktiver dabei sein, spannende Open-Source-Experten zur Mitgliedschaft einzuladen.

Unsere Projekte

Das OSBA-Projekt Sovereign Cloud Stack (SCS) hat 2023 weitere wichtige Meilensteine gemeistert. Inzwischen konnten auch die letzten offenen Stellen besetzt werden, so dass das Team ab 2024 in voller Besetzung arbeiten kann. Im Mai 2023 hat das Projekt-Team den ersten SCS-Summit in Berlin ausgerichtet. Für einige Open-Source-Begeisterte war der SCS-Summit mit seinem hochkarätigen Programm zu den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Open-Source-Cloud-Stacks das beste Open-Source-Event des Jahres. Und seit 2023 ist der Sovereign Cloud Stack in vielen zusätzlichen Umgebungen im produktiven Einsatz. So ermöglicht er etwa bayerischen Schülerinnen und Schülern ein digital souveränes schulisches Umfeld, das diesen Namen verdient hat. Das bayerische Kultusministerium stellt Schulen die BayernCloud (ByCS) zur Verfügung. Sie wurde mit der SCS Technologie entwickelt und integriert zahlreiche Open-Source-Komponenten. Ein Erfolgskonzept: In Bayern nutzen bereits 4.000 Schulen mit 850.000 aktiven Nutzerinnen und Nutzern die BayernCloud.

Ende 2024 wird der Sovereign Cloud Stack nicht länger ein Projekt der OSB Alliance sein, sondern vollständig auf eigenen Beinen stehen. Das war von Anfang an klar und in den Bedingungen für die Förderung so definiert. Wie gute Eltern genießen wir 2024 das letzte Jahr mit „unserer Tochter“ und entlassen sie dann frohen Herzens in ihr erwachsenes Leben.

2023 sind auch weitere Projektpartnerschaften entstanden. Das Projekt „Enabling green Computing and DIGItal Transformation“ (ECO:DIGIT) startete im Juni 2023 und wird im Rahmen des GreenTech Innovationswettbewerbs des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert. Das übergeordnete Ziel des Projekts ist die Schaffung von Transparenz, Objektivität und Standardisierung bei der Bewertung des Ressourcenverbrauchs beim Einsatz von Softwarelösungen. ECO:DIGIT strebt eine objektive Vermessung und Vergleichbarkeit unterschiedlicher Technologien und Betriebsmodelle an, indem der Ressourcenverbrauch von verteilten Softwaresystemen sowie der gesamten beteiligten digitalen Infrastruktur ganzheitlich erhoben und transparent gemacht wird. Genauso wie mit dem SCS treibt die OSB Alliance hier die Entwicklung neuer Open-Source-Grundlagentechnologien voran und leistet damit einen wichtigen Beitrag für die ganze Open-Source-Branche.

Unsere Themen

Es wäre an dieser Stelle zu umfangreich, alle Publikationen, Stellungnahmen und Studien aufzuzählen, die 2023 von der OSB Alliance veröffentlicht wurden. Sie finden sie in chronologischer Reihenfolge hier. Aber einige Highlights möchten wir hier gerne erwähnen:

Gutachten zur vorrangigen Beschaffung und Entwicklung von Open Source Software in der Bundesverwaltung

Prof. Dr. Andreas Wiebe von der Georg-August-Universität Göttingen hat sich in dem juristischen Gutachten „Gutachten zur vorrangigen Beschaffung und Entwicklung von Open Source Software in der Bundesverwaltung“ mit der Fragestellung beschäftigt, wie das im Koalitionsvertrag formulierte Ziel der Bundesregierung, zur Stärkung der digitalen Souveränität auf Open Source Software und offene Standards zu setzen, mit Blick auf Vergabe-, Wettbewerbs-, Kartell- und Verfassungsrecht rechtssicher umgesetzt und in Gesetzesform gegossen werden kann. Er untersucht eingehend mehrere Lösungsansätze und macht sogar einen konkreten Formulierungsvorschlag für eine gesetzliche Regelung. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse finden Sie hier.

Studie zum Vergleich der Sicherheit von Open-Source-Software und Proprietärer Software

Mitglieder der OSB Alliance haben unter der Federführung der Working Group Security die „Studie zum Vergleich der Sicherheit von Open-Source-Software und Proprietärer Software“ beauftragt. Dr. Marc Ohm vom Institut für Informatik IV an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn kam zu dem Ergebnis, dass Quelloffenheit und kollaborative Entwicklungsmodelle dabei helfen, Software sicherer zu machen, weil der Entwicklungsprozess und die Qualität von Open Source Software transparent und unabhängig überprüfbar sind. Zusammen mit professionell, vertrauenswürdig und rechtssicher angebotener Pflege und Support der Systeme erhalten Anwenderinnen und Anwender das bestmögliche Ergebnis an Sicherheit und vermeiden zudem die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern. Die Zusammenfassung der Ergebnisse finden Sie hier.

Positionspapier zu den Mindestanforderungen an die Nutzung von Cloud-Angeboten durch die öffentliche Hand

Bereits im Herbst 2022 hatte eine Gruppe von Vertretern von namhaften deutschen Cloud-Anbietern das Positionspapier „Mindestanforderungen an die Nutzung von Cloud-Angeboten durch die öffentliche Hand“ entwickelt. Die konkreten, praktischen Handlungsempfehlungen zur Erreichung digitaler Souveränität im öffentlichen Sektor erregten große Aufmerksamkeit und haben zu zahlreichen Gesprächen mit Politik und Verwaltung geführt. Dieser Prozess hat gezeigt, dass ein kontinuierlicher Bedarf an technischem und politischem Austausch zu dem Thema besteht. Deshalb wurde 2023 die Working Group Cloud gegründet, die das Positionspapier in der Folge weiter präzisiert und in einer aktualisierten Version veröffentlicht hat.

Statements und offene Briefe

Das Jahr 2023 war von wichtigen politischen Entscheidungen in der Digitalpolitik geprägt, zu denen wir oft im engen Austausch mit anderen Verbänden aus dem Open-Source-Umfeld in der Form von Statements und offenen Briefen Position bezogen haben. Besonders herausfordernd war dabei der Cyber Resiliance Act (CRA), bei dem wir uns auf europäischer Ebene noch enger mit dem OpenForum Europe vernetzt haben, um ihn in seiner Komplexität verstehen und kommentieren zu können. Aus dem regen Austausch ist im August 2023 unsere „Stellungnahme zum Cyber Resilience Act“ entstanden. Es war uns sehr wichtig, dass im CRA die Besonderheiten der Open-Source-Community differenziert berücksichtigt werden. Viele in der europäischen Open-Source-Community trieb die Sorge um, dass der CRA der Todesstoß für das lebendige europäische Open-Source-Ökosystem sein könnte. Die gemeinsamen Anstrengungen, insbesondere die ehrenamtlichen Open-Source-Communities durch bessere und konkretere Formulierungen im CRA zu schützen, waren schlussendlich erfolgreich. In der neuen Fassung wurde präziser zwischen kommerziellen und nicht-kommerziellen Software-Produkten unterschieden.

OSB Alliance als gefragter Ansprechpartner für Open Source

Wir wurden in diesem Jahr stärker als je zuvor als die politische Stimme für Open Source wahrgenommen. Auf Bundes- und Länderebene wurden wir vielfach im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren um unsere Expertise gebeten. Konkrete Vorschläge, die wir in politische Debatten eingebracht haben, wurden aufgegriffen, breit diskutiert und häufig auch übernommen. In unserer größten Working Group „Public Affairs“ stehen seit diesem Jahr für 12 Bundesländer Landesbeauftragte zur Verfügung, die sich mit Anfragen aus Fraktionen und Ausschüssen der Landesparlamente oder Fachabteilungen von Ministerien und Landesverwaltungen befassen. Zusätzlich war die OSB Alliance auf vielen Veranstaltungen für Vorträge und Podiumsdiskussionen gefragt. Die vollständige Liste wäre an dieser Stelle zu umfangreich, aber wir haben alle Veranstaltungen, von denen Aufzeichnungen existieren, an dieser Stelle zusammen gestellt.

Blick nach vorn

Wir wurden dieses Jahr vielfach von der öffentlichen Verwaltung um Unterstützung beim Einsatz von Open Source gebeten. Viele Behörden und Kommunen sind interessiert an Open Source, haben aber noch viele Fragen, wenn es um die konkrete Umsetzung geht. Wir werden deshalb weiterhin Konzepte entwickeln, wie wir die öffentliche Verwaltung bei der Umstellung auf Open Source unterstützen können. Auch die Unterstützung der Industrie ist uns ein Anliegen. 2024 wollen wir uns noch intensiver mit der Rolle von Open Source in Wirtschaft und Industrie beschäftigen und uns mit der Entwicklung und Sicherung von Open-Source-Geschäftsmodellen auseinander setzen.

Wir haben 2023 viel geschafft und uns für die Zukunft viel vorgenommen. Wir haben die nächsten dicken Bretter schon im Blick, die wir bohren wollen.

Wir danken allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern für ihre großartige Unterstützung und freuen uns auf die kommenden spannenden Aufgaben, die wir wieder gemeinsam anpacken wollen.