OSB Alliance entwickelt Sovereign Cloud Stack (SCS) für das GAIA-X Projekt

Das SCS-Projekt wurde im November 2019 von Peter Ganten, Kurt Garloff, Rafael Laguna und Oliver Mauss initiiert. Es wurde zunächst mit Mitteln der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND anfinanziert und erhält nun vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Fördergelder für die Entwicklung und den Aufbau des Sovereign Cloud Stack.

Unternehmen, Bürger und Staat speichern und verarbeiten teils sehr sensible Daten in Clouds, deren Funktionsweise sie nicht überprüfen oder an ihre Bedürfnisse anpassen können. Daraus ergeben sich Kontrollverluste und starke technologische Abhängigkeiten von einzelnen, großen Anbietern. Die Open Source Business Alliance (OSB Alliance) entwickelt nun mit dem Sovereign Cloud Stack (SCS) einen technischen Unterbau für GAIA-X, der vollständige digitale Souveränität ermöglicht.

Die Open Source Business Alliance baut dazu ein weiter wachsendes Team auf, welches die Standardisierung, die Softwareintegration und den Aufbau des Netzwerks steuert und koordiniert. Um dieses Team ist bereits jetzt eine Community aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beteiligter und interessierter Firmen entstanden, welche insbesondere an den Zielen mitarbeiten, die für ihre eigenen Umgebungen wichtig sind. Wichtige Bausteine sollen außerdem über Ausschreibungen an Unternehmen vergeben werden. Zusätzlich wird die OSB Alliance eine eigene Test-, Demo- und Entwicklungsplattform aufbauen und betreiben.

Die Mitarbeit an SCS ist nicht auf Mitglieder der OSB Alliance begrenzt. Denn nur eine Vielzahl von Anbietern innerhalb und außerhalb der OSB Alliance erlaubt es der Industrie, ohne die strategischen, ökonomischen und rechtlichen Risiken, die sich durch die Nutzung der Hyperscaler aus den USA und China ergeben, moderne und agile IT-Infrastukturen zu nutzen, welche den Entwicklungsteams eine entsprechende Flexibilität, Geschwindigkeit und letztlich Produktivität ermöglicht.

Statements:

Peter Ganten, Vorstandsvorsitzender der OSB Alliance und Geschäftsführer von Univention:

„Im Mittelpunkt der ersten Welle der Digitalisierung standen zentralistische Plattformen mit gravierend negativen Konsequenzen für Datensicherheit, Innovationsfähigkeit und Unabhängigkeit ihrer Anwender. Das Sovereign Cloud Stack Projekt leistet einen entscheidenden Beitrag als Grundlage für die nun folgende zweite Welle der Digitalisierung mit offenen, föderierbaren und ohne Genehmigung einsetzbare Technologien. Anwenderorganisationen können damit frei zwischen Anbietern wechseln oder auch entscheiden, Teile ihrer IT unter eigener Kontrolle zu produzieren. So entsteht einen offene Plattform für innovative Anwendungen und Dienste, die Wettbewerb ermöglicht, Innovationen fördert und Probleme wie den CLOUD Act nicht hat.“

Thomas Jarzombek (MdB), Beauftragter des BMWi für die Digitale Wirtschaft und Start-Ups:

„Mit dem Sovereign Cloud Stack füllt sich das Projekt GAIA-X immer mehr mit Leben. Als Beitrag zu einer europäischen digitalen Souveränität soll der technische Unterbau, der Cloud Stack, als Open Source Projekt umgesetzt werden. Damit setzt das BMWi an dieser Stelle auf Wettbewerb, um zukünftig auch den Wechsel zwischen Anbietern zu ermöglichen. Es wird mittelständischen Unternehmen, aber auch der öffentlichen Verwaltung erleichtern, die Vorteile von GAIA-X in konkreten Projekten zu nutzen. Der Sovereign Cloud Stack wird dabei eng mit den Kernkomponenten von GAIA-X, den so genannten Federation Services verbunden, deren Erstellung ebenfalls vom BMWi gefördert wird und weit fortgeschritten ist. Zusammen mit weiteren Fördermaßnahmen wie dem GAIA-X-Förderwettbewerb oder für Zukunftsinvestitionen in die Fahrzeugindustrie (KoPa35c) verleiht das BMWi der Umsetzung von GAIA-X erheblichen Schwung.“

Kurt Garloff, Projektleiter SCS:

Wir haben alle Bausteine für einen leistungsfähigen Cloud- und Containerstack als Open Source-Software in vernünftiger Qualität vorliegen. Diese konsistent zusammenzubauen und die Qualität und Sicherheit des Ergebnisses mit kontinuierlichen Testprozessen abzusichern, ist aber eine Menge Arbeit, die viel Spezialwissen benötigt. Und danach kommt noch die größere Hälfte der Arbeit: Die Plattformen müssen im Betrieb durch Automatisierung und ausgereifte Prozesse abgesichert werden. Integration, kontinuierliches Testen, Betriebsauto­mati­sierung und Ent­wicklung der Betriebsprozesse erfolgt heute in vielen Unternehmen und bei Cloud­betreibern unabhängig voneinander. Mit SCS vernetzen wir diese Anstrengungen, so dass viel weniger Arbeit mehrfach durchgeführt wird. Neben der Zusammenarbeit bei der Entwicklung als Open Source etablieren wir so auch Zusammenarbeit im Betrieb, Open Operations. Im Ergebnis erreichen wir einen viel leistungsfähigeren Stack mit höherer Qualität und höherer Standardi­sierung. Letzteres ist gerade für Nutzerinnen und Nutzer wichtig, die Anwendungen auf mehreren Clouds betreiben oder auf eine Mischung selbst betriebener SCS Clouds und öffentlicher SCS Angebote setzen.“

Rafael Laguna de la Vera, Direktor der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND:

Der Sovereign Cloud Stack ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie staatliches Eingreifen einen nicht mehr funktionierenden Markt reparieren kann. Denn obwohl die dominanten Cloud-Anbieter aus den USA allesamt sehr viel Open Source in ihren proprietären Cloud Stacks verwenden, gibt es heute keinen fairen Wettbewerb, weil ein Wechsel zwischen verschiedenen Anbietern aufwendig und teuer ist. SCS entfernt den ´Lock-in-Effekt´ und sorgt dafür, dass auch kleinere Anbieter mit innovativen Lösungen eine Chance haben.“

Alexander Wallner, CEO, plusserver

„Mit dem Sovereign Cloud Stack bündeln wir die Kräfte vieler Open Source-Projekte, um einen leistungsfähigen und ganzheitlichen Cloud Stack zu schaffen. So schaffen wir eine Technologie-Plattform, die hoffentlich rasch zu einem neuen Cloud-Standard werden wird. Für Cloud-Anbieter, wie plusserver, ist der SCS ein wichtiger Baustein für technologische und wirtschaftliche Unab­hängigkeit. Für Unternehmen und andere Anwender stellt der SCS sicher, dass sie ihre Dienste frei zwischen den Plattformen verschiedener Anbieter verschieben können. So fördern wir den Wettbewerb im europäischen Cloud-Markt.“

Marius Feldmann, COO, Cloud&Heat Technologies GmbH:
„Der Sovereign Cloud Stack leistet einen signifikanten Beitrag, dass sich Cloud-Anbieter in Europa nicht in Konkurrenzkämpfen aufreiben, sondern ihre Kräfte in Kooperationen vereinen. Wir erhoffen uns dabei ein Ökosystem, in dem Cloud-Angebote gemeinsam entwickelt und betrieben werden. Als Anbieter nachhaltiger und sicherer digitaler Infrastrukturen stehen wir derzeit vor der Herausforderung, ein hochskalierbares Betriebsmodell für unseren Technologiestack zu schaffen. Um die Betriebskompetenz anderer Anbieter kooperativ einbinden zu können, bedarf es für die eingesetzte Cloud-Plattform eines gemeinsamen Technologie- und Betriebsstandards, wie er im Rahmen des SCS-Projektes entwickelt wird.“

Sovereign Cloud Stack (SCS) hat das Ziel, einen vollständig freien Softwarestack für eine freie, föderierte Cloud- und Containerinfrastruktur zu definieren, umzusetzen und ein Ökosystem von vernetzten Anbietern aufzubauen.

GAIA-X [link] will ein Ökosystem für Daten und Datendienste und andererseits für Infrastruktur aufbauen, indem es:

  • in Europa innovative datenbasierte Geschäftsmodelle ermöglicht,
  • europäische Werte und Datenschutzregeln berücksichtigt und
  • souveräne Ökosysteme fördert, die unter der Kontrolle der Nutzer und europäischer Anbieter stehen.

Ohne souveräne Infrastruktur ist digitale Souveränität nur sehr eingeschränkt möglich. SCS stellt diese als Unterbau bereit, indem es die Entwicklung von Standards, aber auch Koordination von Software und Anbietern übernimmt.

Sovereign Cloud Stack ist die digital souveräne, nachvollziehbare und freie Cloud-Infrastruktur unter Gaia-X, die es Anwendern erlaubt, ohne fremden Vendor-Lock-In Daten und Rechenpower sicher in eine Cloud made in Europe, mit europäischem Datenschutz auszulagern.

Alle wichtigen Komponenten für die Bereitstellung einer modernen Cloud- und Containerplattform sind verfügbar, als Open Source Software und meistens auch in ausreichender Qualität. Selbst die großen Cloudanbieter, sogenannte Hyperscaler nutzen freie Software ausgiebig. Keiner der Erfolge der heutigen Internet-Monopolisten wäre ohne OSS möglich gewesen.

Der Markt an Cloud-Angeboten ist stark fragmentiert, weil sich die Anbieter der Cloud-Plattformen nicht ausreichend vernetzen. Entwicklern und Nutzern stehen deshalb keine kompatiblen und integrierbaren Lösungen zur Verfügung.

SCS möchte das ändern und arbeitet intensiv mit Anbietern zusammen, um einheitliche, zertifizierbare und jederzeit nachvollziehbare Standards zu definieren.

Die Umsetzung erfolgt ausschließlich mit freier Software, so dass Anbieter und Nutzer frei von Rechten Dritter arbeiten können. SCS stellt sicher, dass nur wirklich offene Software zum Einsatz kommt, die nicht nur mit freien Software Lizenzen glänzen, sondern auch durch diverse, offene und lebendige Communities in offenen Prozessen und offenem Design entwickelt werden.

Auch die Pflege und der zuverlässige Betrieb einer solchen Plattform stellen große Herausforderungen, die sich nur durch Vernetzung, Automatisierung, moderne Tools sowie bewährte Best Practices lösen lassen. SCS arbeitet darum nicht nur an der Bereitstellung von Werkzeugen zur Automatisierung von Betriebsprozessen (wie Überwachung oder Updates), sondern vernetzt auch die Anbieter bei der Dokumentation von bewährten Vorgehensweisen und Strukturen im Betrieb.

„Open Operations“ ergänzt Open Source: SCS kombiniert Transparenz im betrieblichen Bereich mit der Offenheit der eingesetzten Software.

Ziele des Förderprojektes SCS sind:

  • Ein Netzwerk von Anbietern, die mit Hilfe von SCS erfolgreich intern oder extern souveräne und föderierbare Cloud- und Containerinfrastruktur bereitstellen ist aufzubauen.
  • Entwickler und Nutzer sollen überprüfbare und kompatible Angebote erhalten können
  • SCS soll Nutzern einerseits eine relevante und leistungsfähige Plattform darstellen, andererseits ihnen auch Wahl, Kontrolle und Transparenz bieten (kein Vendor-Lock-In).
  • Die OSB Alliance ist der Förderungsempfänger und baut ein Team auf, das die Standardisierung, die Softwareintegration und den Aufbau des Netzwerks steuert und koordiniert.
  • Um dieses zentrale Team entstehen Communities aus Mitarbeitern beteiligter und interessierter Firmen, die sich in Themenbereiche einbringen, die für ihre eigenen Umgebungen wichtig sind.
  • Aus dem Förderprojekt stehen Mittel bereit, an Unternehmen Entwicklungs­arbeiten zu vergeben, so dass die Pflege und Weiterentwicklung wichtiger Komponenten gesichert ist.

Während des Projekts sollen eine Vielzahl von SCS-basierten Plattformen entstehen, – Bei Cloudanbietern, in Unternehmen, der öffentlichen Verwaltung und Forschung. Langfristig sollen diese Plattformen zu einer nachhaltigen, dezentralen Infrastruktur führen – beispielsweise auf der Basis von Föderationen. Die zentrale Koordination davon kann jenseits des Förderprojekts durch genossenschaftliche Strukturen oder auch eine Stiftung getragen werden.

Die gewünschte Vielzahl von SCS-Anbietern erlaubt es der Industrie, moderne agile IT Infrastuktur zu nutzen, ohne strategische, öknomische und rechtliche Risiken, die sich durch die Nutzung der Hyperscaler aus den USA und China ergeben.

Freiheit, Flexibilität, Geschwindigkeit und Produktivität

Am Ende ist es ein wesentlicher Beitrag, die Digitalisierung der Industrie voran zu bringen, ohne dabei gleichzeitig die Kontrolle über die Daten zu verlieren. Somit verbleibt die Wertschöpfung in Europa und wir können europäische Werte wie z.B. den Datenschutz auch tatsächlich umsetzen.

  • Im Förderprojekt enthalten sind Mittel, die es der OSB Alliance erlauben, eine eigene Test-, Demo- und Entwicklungsplattform aufzubauen und zu betreiben.
  • Die OSB Alliance hat durch das Projekt eine sehr hohe Sichtbarkeit und kann ihre Ziele somit wirksamer vertreten.
  • Mitglieder können am Projekt mitarbeiten, SCS einsetzen, SCS-basierte Dienste nutzen oder Dienstleistungsangebote rund um SCS anbieten.

Wir machen wöchentliche Team-Meetings, in denen Highlights aus den einzelnen Bereichen sowie Updates kommuniziert und diskutiert werden.

Die technische Arbeit in drei Bereiche unterteilt:

  • Infrastruktur und IaaS,
  • Containerplatform und Containerservices,
  • Betriebsautomatisierung und Nutzermanagement.

Diese Teams haben wöchentliche Sprints und Meetings, die die Ergebnisse festhalten und die kommenden Sprints vorbereiten, Aufgaben werden auf Kanban Boards in Nextcloud visualisiert und dokumentiert.

Interessenten sollten sich einfach an die Projektleitung wenden – Kurt Garloff, Dirk Loßack, Manuela Urban und alle, die noch dazu stoßen werden. Wir machen dann einen Termin, in dem wir gemeinsam diskutieren, wie ein Unternehmen seine spezifische Expertise am besten einbringen kann. In vielen Fällen wird SCS Mitarbeiter in eines (oder mehrere) der drei Teams aufnehmen.

Kontakt Projektleitung:

project@scs.sovereignit.de
https://scs.community
+49-711-90715-390

Das SCS-Projekt wird größere Aufgaben öffentlich ausschreiben und sie umgehend auch auf den Seiten der OSBA sichtbar machen.

Projektleiter Kurt Garloff: „Wir wünschen uns hier viele Bewerbungen, vor allem von potentiellen Auftragnehmern mit relevanten Kompetenzen. Gut wäre es, wenn diese über die Vergütung der wahrgenommenen Aufgaben hinaus Interesse an den Ergebnissen von SCS haben, aber auch Erfahrung in Open-Source-Projekten, der Open-Source-Kultur mitbringen, um zu unserem OpenOps-Ansatz beizutragen.“

Community: Für kleinere, spezielle Aufgaben geht SCS auch gezielt auf Experten zu. Mitarbeit in Entwicklungsteams ist hier eine hervorragende Möglichkeit, Kompetenz in einem Bereich sichtbar zu machen und sich einzubringen.

  • Expertenwissen (Linux, SDN, SDS, Virtualization, OpenStack, Kubernetes, CI/CD, DevOps, zuul, Prometheus, zabbix, ELK, keycloak, OIDC, istio, OSB, OPA, harbor, …)
  • Open Source und Open Ops Mindset, idealerweise durch erfolgreiche Mitarbeit an entsprechenden Projekten belegt
  • Interesse am nachhaltigen Erfolg von SCS
  • Teilnahme an regelmäßiger Abstimmung
    (Alle Kommunikation findet weitgehend in englischer Sprache statt)