Bits & Bäume ist eine Konferenz, die sich mit einem breiten Spektrum an Fragen rund um Digitalisierung und Nachhaltigkeit befasst. Nach der ersten Auflage im Jahr 2018 fand die Veranstaltung Anfang Oktober 2022 das zweite Mal an der Technischen Universität in Berlin statt. Auf der Konferenz wurden erneut vielfältige Themen rund um den Energie- und Ressourcenverbrauch digitaler Lösungen und sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Geschäftsmodelle diskutiert. Dabei wurde besonders deutlich: Eine nachhaltige Digitalisierung ist nur mit Open Source Software möglich.

Das erste vergebene Zertifikat „Blauer Engel für Software“ geht an eine Open Source Lösung

Unser OSB-Alliance-Mitglied Torsten Frenzel von der AKDB war bei der diesjährigen Bits & Bäume-Konferenz vor Ort. Besonders beeindruckt hat ihn der Vortrag „Was wir durch den Blauen Engel über nachhaltiges Software-Design gelernt haben“ von Cornelius Schumacher. 2022 wurde erstmalig das neue Zertifikat „Blauer Engel für Software“ vergeben, das bestätigt, dass die verwendete Software besonders sparsam mit den Hardwareressourcen umgeht und in ihrer Nutzung energiesparsam ist. In den Kriterien des Zertifikats ist außerdem zentral verankert, dass das Softwareprodukt die Autonomie des Nutzenden nicht einschränken darf. Das erste Zertifikat ging an Okular, einen Open Source-Dokumentenbetrachter von KDE. Die KDE-Community plant im Rahmen ihrer Eco-Initiative auch, andere offene Softwareprodukte dabei zu unterstützen, gemessen und mit dem Blauen Engel zertifiziert zu werden.

Torsten Frenzel, Sprecher der Working Group Public Affairs: „Es freut mich sehr, dass Bestrebungen für mehr Klimaschutz und ressourcenschonende Software ausgerechnet aus der Open Source-Community kommen. Uns eint u.a. der Wunsch, Wissen zu teilen und mit unserer Software und unseren Innovationen auch zu einer besseren und nachhaltigen Gesellschaft beizutragen. Außerdem ist es bei Open Source üblich, modular zu entwickeln und sich die Funktionalitäten zusammenzustellen, die man braucht, statt ein großes ressourcenhungriges Programm laufen zu lassen, von dem man dann vielleicht gerade nur einen kleinen Teil der Funktionalitäten nutzt. Ich hoffe, dass wir in den kommenden Jahren das ökologische Potenzial von Open Source noch weiter ausschöpfen und noch mehr Open Source Software-Lösungen mit dem Blauen Engel ausgezeichnet werden.“

Ressourcensparende Software als Wettbewerbsvorteil

In dem Vortrag wurde deutlich, dass die Zertifizierung mit dem Blauen Engel für Okular zu einem breiteren Umdenken in der KDE-Community geführt hat. Denn inzwischen gehen bei den KDE-Maintainern immer mehr Bug Reports und Pull-Requests ein, die sich explizit mit Vorschlägen befassen, wie die Software noch energieeffizienter gestaltet werden kann. Dies könnte auch für andere Communities als Vorbild dienen.

Open Source Software hat dank der Gestaltungsfreiheit, die Open-Source-Lizenzen bieten, besonders gute Voraussetzungen, die drei zentralen Vergabekriterien für die Zertifizierung mit dem Blauen Engel zu erfüllen (Ressourcen- und Energieeffizienz, Potentielle Hardware-Nutzungsdauer, Nutzungsautonomie). Open Source Software könnte so zukünftig einen weiteren Vorteil gegenüber proprietärer Software gewinnen. Denn sowohl Hersteller als auch Nutzende werden in Zukunft wohl immer mehr auf den Energieverbrauch von Softwareprodukten schauen, nicht nur um Rechenzentren umweltfreundlicher zu betreiben. Eine energiesparende und die Nutzungsautonomie garantierende und dementsprechend zertifizierte Lösung könnte somit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber einem ressourcenhungrigen Programm haben.

Digitalisierung zukunftsfähig und nachhaltig gestalten

Im Rahmen der diesjährigen Konferenz präsentierte ein Bündnis aus 13 Organisationen aus Umwelt- und Naturschutz, Digitalpolitik, Entwicklungszusammenarbeit und Wissenschaft eine Reihe von Forderungen an die Politik für eine nachhaltige und zukunftsfähige Digitalisierung.

Bei vielen der Forderungen stehen Open Source Software und offene Standards im Zentrum. So wird betont, dass offene Standards zur Langlebigkeit von Hardware und dem Recht auf Reparatur sowie zu einer verbesserten Interoperabilität beitragen können. Öffentlich finanzierte digitale Güter sowie Software sollen unter Open Source Lizenzen veröffentlicht werden (Public Money, Public Code) und insbesondere im öffentlichen Beschaffungs- und Vergabewesen soll noch stärker auf Open Source Software gesetzt werden, um die öffentliche Verwaltung unabhängiger und auch nachhaltiger aufzustellen.

Die OSB Alliance unterstützt die Forderungen der Bits & Bäume-Konferenz

Die Forderungen der Bits & Bäume-Konferenz entsprechen in diesen Punkten auch den Werten und Zielen der Open Source Business Alliance, wie sie in den 2022 überarbeiteten Leitlinien festgehalten sind. Die OSB Alliance unterstützt daher die Forderungen der Bits & Bäume-Konferenz und setzt sich im Sinne der formulierten Ziele gemeinsam mit dem Bündnis für eine zukunftsfähige und nachhaltige Digitalisierung ein.