Die Leitlinien als PDF

Die Open Source Business Alliance – Bundesverband für Digitale Souveränität hat sich die folgenden Leitlinien gegeben:

Digitale Souveränität

Freie Handlungsfähigkeit und Selbstbestimmtheit sind Grundsäulen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und umfassen die Souveränität des Einzelnen genauso wie der Gesellschaft als Ganzes. Im Zeitalter der Digitalisierung aller Lebensbereiche ist die digitale Souveränität ein wesentlicher Bestandteil dieses Anspruchs. Sie bezieht sich sowohl auf informationelle Selbstbestimmung als auch auf Innovations- und Gestaltungsfähigkeit von Staat und Wirtschaft. Hierzu gehört die Möglichkeit, IT-Systeme und Algorithmen frei zu beurteilen und auszuwählen, auf öffentliche Daten frei zuzugreifen und die Weiterentwicklung der verwendeten Systeme mitzugestalten. Solch eine Ermächtigung der Nutzerinnen und Nutzer ist nur mit Software möglich, deren Programmcode öffentlich zugänglich und anpassbar ist. Deshalb sind Open Source, offene Standards und der Datenschutz wesentliche Voraussetzungen für digitale Souveränität.

Open Source

Offener Quellcode schafft maximale Transparenz und bietet höchste Flexibilität durch Anpassungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Dadurch bilden sich auch Kooperationsräume, durch die wertvolles Wissen mit enormem Innovationspotenzial entsteht. Diese Eigenschaften machen Open Source zu einer unverzichtbaren Basis nachhaltiger Wertschöpfung – nicht nur im Bereich Software. Die Vernetzung verschiedener Anwendungen, Cloud Computing, IoT und die Anbindung der Zukunft an das Heute, also ein Miteinander von etablierten und neuen Lösungen, all dies erfordert Interoperabilität, wie sie vorwiegend durch Open Source gewährleistet wird.

Die OSB Alliance folgt in der Definition des Begriffes „Open Source“ der Definition der Open Source Initiative (OSI).

Reduzierung von Abhängigkeiten

Die Reduzierung von nicht oder nur schwer auflösbaren Abhängigkeiten von bestimmter Software, Cloud-Diensten und IT-Plattformen verbessert grundsätzlich die Möglichkeit, flexibel und innovativ auf veränderte Situationen zu reagieren und erhöht somit Handlungsfähigkeit, Krisensicherheit und Resilienz von Staat, Wirtschaft und Einzelpersonen. Sie stärkt darüber hinaus insbesondere Innovations- und Handlungsfähigkeit von Staat und Wirtschaft. Gleichzeitig führt die Möglichkeit, Leistungen von unterschiedlichen Anbietern beziehen oder sie selber produzieren zu können, zu höherer Wirtschaftlichkeit und damit zu verbesserter Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und effektiverem Einsatz von Steuermitteln durch den Staat.
Wir setzen uns deswegen für die Nutzung von Software ein, die von unterschiedlichen Anbietern unabhängig weiterentwickelt, gepflegt und mit Dienstleistungen unterstützt werden kann. Cloud-Dienste bieten ein Höchstmaß an Unabhängigkeit, wenn sie auf solcher Software basieren und im Zweifel auch durch Anwender selbst oder durch Dritte betrieben werden können. Durch die Verwendung offener Standards und die Möglichkeit zur Föderation werden Abhängigkeiten durch Plattformeffekte reduziert. In wenigen Fällen werden Plattformeffekte durch Regulierung reduziert werden müssen.

Offene Standards

Offene Standards sind eine wichtige Voraussetzung zur Sicherstellung von Interoperabilität und zur Vermeidung von Herstellerabhängigkeiten. Sie ermöglichen einen freien Fluss von Informationen und sind daher stets zu fordern und zu fördern. Kompatibilität und Interoperabilität werden mit Open-Source-Hard- und -Software gewährleistet, so dass dadurch ein souveräner Umgang mit Technologien ermöglicht wird.

Innovationsfähigkeit

Die breite Verfügbarkeit von Open Source Software reduziert rechtliche Risiken sowie Markteintrittsbarrieren und fördert die Innovationsfähigkeit. Durch Open Source werden mehr Menschen und Organisationen in die Lage versetzt, unabhängig Innovationen zu schaffen. Je mehr dies geschieht, desto wettbewerbsfähiger sind Gesellschaften und Volkswirtschaften. Für Wissenschaft und Bildung sind Open Data, Open Access und, Open Source Software unabdingbare Voraussetzungen für den freien Austausch von Wissen und Information.

Resilienz

Der Einsatz digitaler Technologien muss einen zentralen Beitrag zur Resilienz, also zu Flexibilität, Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft leisten und darf diese nicht gefährden. Resilienz, digitale Souveränität und Nachhaltigkeit bedingen und befördern sich gegenseitig. Digitale Souveränität lässt sich nur mit resilienten Infrastrukturen aufrechterhalten, zugleich ermöglicht digital souveränes Handeln den Aufbau widerstandsfähiger digitaler Infrastrukturen. Open Source spielt hierbei eine entscheidende Rolle z. B. in den Kontextfaktoren flexible Anpassbarkeit, Bildung, Nachprüfbarkeit, Kontrollierbarkeit und Innovationsfähigkeit. Die mittels Digitalisierung gewonnene Leistungsfähigkeit und Flexibilität müssen dauerhaft gesichert, weiter ausgebaut und zugleich auch die Sicherheit der gesamten digitalen Infrastruktur gewährleistet werden.

Nachhaltigkeit und Energieeffizienz

Open Source Software ermöglicht allen Parteien die dringend notwendige Verbesserung der Energieeffizienz von IT-Systemen. Sie fördert Verbreitung und verringert dadurch Parallelentwicklungen und inkompatible Individuallösungen. Die rechtlich sichere, dauerhafte Möglichkeit zur Nutzung existierender Lösungen vermeidet eine Vielzahl ähnlicher Software-Projekte ohne eigene Innovation. Eine Harmonisierung der IT-Landschaft ist die Folge, was dazu führt, dass viele Arbeitsprozesse effizienter, einfacher und weniger fehleranfällig werden.
Bei Open Source Hardware haben die Unabhängigkeit und die dadurch verlängerte Lebensdauer der physischen Produkte erhebliche positive Auswirkungen auf die Gesamtnachhaltigkeitsbilanz, da die Beschaffung neuer Hardware lange hinausgezögert werden kann, was anfallenden Elektroschrott deutlich reduziert. Vorsätzliche Schwachstellen oder Mechanismen zur geplanten Obsoleszenz fallen durch Open Source schneller auf und können von der Community behoben werden.

Offene Zusammenarbeit

Die OSB Alliance unterstützt Prinzipien der Offenheit in allen Bereichen: Open Design, Open Development, Open Community, Open Access, Open Data, etc. Open Source lebt vom Engagement vieler und kann nur durch eine offene Zusammenarbeit seine maximalen Anpassungs- und Gestaltungsmöglichkeiten entfalten. Offene Design- und Entwicklungsprozesse sowie offene Kooperationsräume ermöglichen es Verwaltung, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Zivilgesellschaft, Einfluss auf Technologie zu nehmen und diese gemeinsam zu gestalten. Hierfür ist es entscheidend, dass Verbesserungen an Open-Source-Projekten willkommen sind und durch partizipative Prozesse innerhalb einer offenen Gemeinschaft in das ursprüngliche Projekt zurückfließen können.

Bildung

Menschen für die Chancen der Digitalisierung zu begeistern und gleichzeitig auch für die Herausforderungen zu sensibilisieren, ist für die globale Anschlussfähigkeit Deutschlands und Europas immanent wichtig. Die Entwicklung der Gestaltungsfähigkeit einer ganzen Gesellschaft setzt Menschen voraus, die gestalten können und wollen, die sich dabei auch ihrer Verantwortung bewusst sind und möglichst viele andere erreichen.

Es müssen beständig Möglichkeiten geschaffen und ausgebaut werden, offene Zugänge zu Informationen bereitzustellen und digitale Kompetenzen zu erwerben und lebenslang weiterzuentwickeln, die für eine aufgeklärte, souveräne Nutzung und Gestaltung von digitalen Technologien und dadurch zur Teilnahme am gesamten gesellschaftlichen Leben erforderlich sind.

Transparenz und Auditierbarkeit

Open Source Software ist eine zentrale Voraussetzung für von allen Interessierten nachvollziehbare IT-Systeme. Ein transparenter Einblick in Software durch dauerhafte, öffentliche Verfügbarkeit der Quellen kann Qualität und Sicherheit entscheidend befördern. Das Verhalten von Software wird so ersichtlich. Dies gilt für Softwaresysteme und Algorithmen ebenso wie für Daten, besonders dort, wo diese im Kontext sogenannter künstlicher Intelligenz eingesetzt werden. Nachvollziehbarkeit kann Sicherheitsrisiken verringern und Diskriminierung vermeiden. Deswegen setzen wir uns für offene Algorithmen und offene Daten ein.

Netzneutralität

Wir befürworten die Verpflichtung der Internet-Anbieter zur Durchsetzung der Netzneutralität, alle Datenströme im Netz gleich zu behandeln. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Nutzer auf alle Informationen und Inhalte gleichberechtigt und ohne Wettbewerbsvorteile zugreifen können und somit die digitale Souveränität gewährleistet wird. Dies ist ein entscheidender Faktor für Chancengleichheit im Wettbewerb und damit eine Grundvoraussetzung für die individuelle und selbstbestimmte Zusammenarbeit in der Open-Source-Community sowie den uneingeschränkten Zugang zu Informationsquellen.

Public Money, Public Code

Die Ergebnisse öffentlich finanzierter Entwicklungen, etwa von Verwaltung, Behörden, Forschungseinrichtungen und Hochschulen, müssen der Gemeinschaft frei zur Verfügung gestellt werden. Im Fall von Software bedeutet das eine Verbreitung und Lizenzierung als Open Source Software.

Open Source als Standard

In der öffentlichen Beschaffung von Software muss Open Source zum Standard werden. Durch entsprechende Vergaberichtlinien ist sicherzustellen, dass bei vergleichbarer Eignung und Wirtschaftlichkeit Open Source bevorzugt werden muss.

Über uns

Die Open Source Business Alliance (OSB Alliance) ist der Verband der Open-Source-Industrie in Deutschland. Dabei vertreten wir über 190 Mitgliedsunternehmen, die in Deutschland ca. 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen und jährlich mehr als 1,7 Milliarden Euro erwirtschaften. Gemeinsam mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Anwenderorganisationen setzen wir uns dafür ein, die zentrale Bedeutung von Open Source Software und offenen Standards für einen erfolgreichen digitalen Wandel im öffentlichen Bewusstsein nachhaltig zu verankern. Dieser digitale Wandel soll Unternehmen, Staat und Gesellschaft gleicherweise zugutekommen. Zudem sollen Innovationen im Bereich Open Source vorangetrieben werden.

Die OSB Alliance unterstützt die Politik bei einer konstruktiven Gesetzgebung für eine erfolgreiche, souveräne und nachhaltige digitale Transformation unter Berücksichtigung der oben aufgeführten Punkte. Die Förderung dieser offenen Ansätze führt zur Stärkung der digitalen Wirtschaftskraft und zu Unabhängigkeit und Resilienz der öffentlichen und privatwirtschaftlichen Informationstechnologie.

Anhang

Zum Abschnitt „Digitale Souveränität“:

Manifest für digitale Souveränität der OSB Alliance
(OSB Alliance, veröffentlicht am 19.12.21)

Zum Abschnitt „Open Source“:

Open-Source-Definition der Open Source Initiative
https://opensource.org/osd

The Open Source Definition

Introduction

Open source doesn’t just mean access to the source code. The distribution terms of open-source software must comply with the following criteria:

1. Free Redistribution

The license shall not restrict any party from selling or giving away the software as a component of an aggregate software distribution containing programs from several different sources. The license shall not require a royalty or other fee for such sale.

2. Source Code

The program must include source code, and must allow distribution in source code as well as compiled form. Where some form of a product is not distributed with source code, there must be a well-publicized means of obtaining the source code for no more than a reasonable reproduction cost, preferably downloading via the Internet without charge. The source code must be the preferred form in which a programmer would modify the program. Deliberately obfuscated source code is not allowed. Intermediate forms such as the output of a preprocessor or translator are not allowed.

3. Derived Works

The license must allow modifications and derived works, and must allow them to be distributed under the same terms as the license of the original software.

4. Integrity of The Author’s Source Code

The license may restrict source-code from being distributed in modified form only if the license allows the distribution of „patch files“ with the source code for the purpose of modifying the program at build time. The license must explicitly permit distribution of software built from modified source code. The license may require derived works to carry a different name or version number from the original software.

5. No Discrimination Against Persons or Groups

The license must not discriminate against any person or group of persons.

6. No Discrimination Against Fields of Endeavor

The license must not restrict anyone from making use of the program in a specific field of endeavor. For example, it may not restrict the program from being used in a business, or from being used for genetic research.

7. Distribution of License

The rights attached to the program must apply to all to whom the program is redistributed without the need for execution of an additional license by those parties.

8. License Must Not Be Specific to a Product

The rights attached to the program must not depend on the program’s being part of a particular software distribution. If the program is extracted from that distribution and used or distributed within the terms of the program’s license, all parties to whom the program is redistributed should have the same rights as those that are granted in conjunction with the original software distribution.

9. License Must Not Restrict Other Software

The license must not place restrictions on other software that is distributed along with the licensed software. For example, the license must not insist that all other programs distributed on the same medium must be open-source software.

10. License Must Be Technology-Neutral

No provision of the license may be predicated on any individual technology or style of interface.

The Open Source Definition was originally derived from the Debian Free Software Guidelines (DFSG).
Version 1.9, last modified, 2007-03-22

Zum Abschnitt „Resilienz“:

Digitale Souveränität und Resilienz: Voraussetzungen, Treiber und Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit
(Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Digital-Gipfel-Plattform 2 „Innovative Digitalisierung der Wirtschaft“ der Fokusgruppe Digitale Souveränität vom Digital-Gipfel 2020)

Zum Abschnitt „Nachhaltigkeit und Energieeffizienz“:

Blauer Engel für Ressourcen- und energieeffiziente Softwareprodukte DE-UZ 215

Zum Abschnitt „Offene Standards“:

Ein offener Standard bezieht sich auf ein Format oder Protokoll, das:
• Öffentlich zugänglich ist, zur öffentlichen Bewertung und Verwendung, ohne Einschränkungen und für alle beteiligten Teilnehmer gleichwertig
• Ohne Bestandteile oder Erweiterungen ist, deren Abhängigkeiten wiederum selbst nicht der Definition eines offenen Standards entsprechen
• Frei von rechtlichen oder technischen Bestimmungen ist, die die Verwendung von irgendeinem Beteiligten oder Geschäftsmodell einschränken
• Unabhängig von einem einzigen Anbieter in einem Prozess weiterentwickelt wird, der offen für eine gleichberechtigte Beteiligung von Wettbewerbern und Drittanbietern ist
• Verfügbar als vollständige OpenSource-Referenzimplementierung ist, die gleichberechtigt für alle Beteiligten ist.