Bremen, 13. Oktober 2026 – Wenige Monate nach Veröffentlichung des „Technological Sovereignty Package“ der Europäischen Kommission legt das European Open-Source Consortium (EOSC) den EOS-Bericht zum alternativen Arbeitsplatz vor.

Im Mittelpunkt stehen die wirtschaftlichen und operativen Ergebnisse entsprechender Umstellungen. Der Bericht zeigt, wie Organisationen ihre Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern verringern und zugleich die volle Kontrolle über ihre Daten, digitalen Identitäten und technologische Weiterentwicklung behalten.

Auf Grundlage exklusiver Interviews mit politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern sowie Technologieverantwortlichen aus sieben Organisationen in Deutschland, Frankreich und Schweden zeigt der Bericht anhand konkreter Kennzahlen, dass offene, souveräne digitale Arbeitsplätze in Europa bereits im großen Maßstab betriebliche Realität sind. Zu Wort kommen unter anderem Dirk Schrödter, Minister für Digitalisierung und Medienpolitik in Schleswig-Holstein, Julie Ripa von der französischen Interministeriellen Behörde für Digitales (DINUM) sowie Verantwortliche für Produkte, IT und Infrastruktur aus öffentlicher Verwaltung, Bildung und Forschung.

Der Bericht bietet CIOs, CTOs, IT-Verantwortlichen und Führungskräften in öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen sowie Fachmedien Praxisbeispiele und konkrete Orientierung für schrittweise und erfolgreiche Migrationen.

Von der Vision zur Umsetzung: Praxisbeispiele aus Deutschland, Frankreich und Schweden

Deutschland – Schleswig-Holstein

Durch seinen schrittweisen Umstieg auf Open Source spart Schleswig-Holstein mehr als 15 Millionen Euro an laufenden Softwarelizenzkosten. Dem stehen einmalige Umstellungsinvestitionen in Höhe von neun Millionen Euro für technische Anpassungen, die Migration bestehender Datenbestände und umfassende Schulungsmaßnahmen gegenüber.

Die Migration umfasst inzwischen 100 öffentliche Einrichtungen des Landes – darunter Behörden, Gerichte, Finanzämter und Strafverfolgungsbehörden – mit rund 62.000 Beschäftigten und mehr als aktiven 40.000 Postfächern.

„Digitale Souveränität ist längst keine philosophische Präferenz mehr – sie ist eine Frage der nationalen Sicherheit“, sagt Dirk Schrödter, Minister für Digitalisierung und Medienpolitik in Schleswig-Holstein.

Frankreich – DINUM und Tchap

In Frankreich belegen die Nutzungszahlen die wachsende Verbreitung von Tchap, der staatlich betriebenen, verschlüsselten Messenger-Plattform, die Teil von La Suite Numérique ist. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzerinnen und Nutzer stieg von 100.000 Ende 2023 auf mehr als 400.000 Mitte 2026. Während der Olympischen Spiele 2024 in Paris diente Tchap als Rückgrat der Krisenkommunikation zwischen staatlichen Stellen und Einsatzkräften.

Dieses Wachstum folgte sowohl auf die gemeinsame Weiterentwicklung mit Ministerien nach einem Bottom-up-Ansatz als auch auf ein offizielles Rundschreiben des Premierministers vom Juli 2025, das Tchap als offizielle Kommunikationsplattform des französischen Staates festlegte. Die Betriebskosten liegen bei weniger als 0,50 Euro pro aktivem Nutzerkonto und Monat.

„Ein politisches Mandat allein nützt nichts, wenn man nicht vor Ort ist und das Produkt gemeinsam auf der Grundlage praktischer Arbeitsabläufe entwickelt“, sagt Julie Ripa von der DINUM.

Schweden – Elsäkerhetsverket

Als der proprietäre Anbieter für Video- und Messaging-Dienste StarLeaf 2022 insolvent wurde und seinen Dienst abrupt einstellte, musste die schwedische Behörde für elektrische Sicherheit sofort handeln. Gemeinsam mit Redpill Linpro nahm sie Rocket.Chat und Jitsi innerhalb von nur 48 Stunden auf einer DSGVO-konformen Infrastruktur in Schweden in Betrieb – ohne Ausfallzeit. Drei Jahre später waren lediglich eine Handvoll kleinerer Supportanfragen erforderlich.

„Mit Rocket.Chat haben wir ein Kommunikationstool, das für unsere hybride Belegschaft äußerst intuitiv ist und gleichzeitig unsere strengen gesetzlichen Compliance-Anforderungen standardmäßig erfüllt“, sagt Jenny Nilsson, IT-Operations-Managerin bei Elsäkerhetsverket.

Der Bericht ordnet diese Migrationen zugleich in einen größeren Risikokontext ein: extraterritoriale Gesetze wie den US-amerikanischen CLOUD Act, wachsende Cyberbedrohungen und die Anfälligkeit für Sanktionen. Letzteres veranschaulicht der Internationale Strafgerichtshof, der in der Vergangenheit Ziel politischer Sanktionen der USA war.

Im Bereich künstlicher Intelligenz stellt der Bericht F13 vor, eine vom Kultusministerium Baden-Württemberg für Lehrkräfte entwickelte KI-Assistenz, deren gesamter Quellcode im Sommer 2025 als Open Source freigegeben wurde. F13 zeigt konkret, wie Organisationen KI integrieren können, ohne die Kontrolle über ihre Modelle aufzugeben.

Schritt für Schritt zum souveränen digitalen Arbeitsplatz: Praktische Werkzeuge und bewährte Erfolgsfaktoren

Über alle Fallstudien hinweg identifiziert der Bericht wiederkehrende Erfolgsfaktoren: eine modulare Architektur, eine starke Governance für Cybersicherheit, den schrittweisen Austausch einzelner Komponenten, die frühzeitige Einbindung der Nutzerinnen und Nutzer, ausreichend internes Fachwissen sowie die Möglichkeit, Alt- und Neusysteme während der Migration parallel zu betreiben.

Um Organisationen von der Strategie in die Umsetzung zu führen, kombiniert der Bericht die Marktanalyse offener Alternativen für digitale Autonomie mit einer kurzen Selbsteinschätzung zur digitalen Resilienz. So können Führungskräfte ihre Ausgangslage bewerten, bevor sie sich auf eine Roadmap festlegen.

Eine Migrationscheckliste in fünf Phasen begleitet den Übergang von der ersten Risikobewertung über Pilotierung und Skalierung bis zur langfristigen Governance. Das abschließende Kapitel zeigt, wie Organisationen diese souveräne Grundlage auf KI ausweiten und Sprachmodelle integrieren können, ohne die Kontrolle über ihre Daten aufzugeben.

„Als Univention vor fast 25 Jahren gegründet wurde, war die Umstellung einer Landesverwaltung auf Open Source kaum vorstellbar. Heute belegen Projekte wie in Schleswig-Holstein, dass offene Arbeitsplatzlösungen im großen Maßstab eingesetzt werden können“, sagt Peter Ganten, CEO der Univention GmbH. „Der Report zeigt anhand konkreter Beispiele, wie Organisationen diesen Weg kontrolliert und schrittweise gehen können.“

Der Bericht steht ab sofort unter https://www.univention.de/loesungen/eos-workplace-report/ kostenfrei zur Verfügung.