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Die Open Source Business Alliance (OSBA), der deutsche Bundesverband für digitale Souveränität, begrüßt die neue Open Source Software-Strategie 2020-2023 der Europäischen Kommission ¹. Mit dieser bereits mit Spannung erwarteten Mitteilung positioniert sich die Kommission an der Spitze der Transformation zur digitalen öffentlichen Verwaltung, indem sie die Offenheit als Motor für Innovation, digitale Autonomie und den Fokus auf Bürger und Nutzer klar hervorhebt. Es wird deutlich, dass die Kommission versteht, dass der Sinn und Zweck von Open-Source-Software über die Einsicht in den Code hinausgeht. Vielmehr ermöglicht der Open-Source-Ansatz ein offenes Paradigma, durch das ganze Organisationen transformiert werden können, um sich „nahtlos über organisatorische Trennungen und Grenzen hinweg miteinander verbinden (zu) lassen“.

Unter dem Schlagwort „Offen Denken“ verfolgt die Kommission einen mutigen Ansatz für Open Source. Sie legt eine Zielvorstellung fest, um die „transformative, innovative und kollaborative Wirkungskraft von Open-Source-Lösungen“ zu fördern und zu nutzen. Die in der Strategie eingegangenen Verpflichtungen zeigen deutlich, dass das Denken in Bezug auf Open Source über die Kosteneinsparungen in der IT hinaus gereift ist, um es vielmehr als strategischen Katalysator zu verstehen.

Die OSB Alliance freut sich darauf, zusammen mit ihren europäischen Schwester-organisationen sowie dem Dachverband APELL (Association Professionelle Européenne du Logiciel Libre, Brüssel), deren Gründungsmitglied die OSBA ist, einen aktiven Beitrag zur Vertiefung des Wissens und des Verständnisses von Open Source innerhalb der Europäischen Kommission und darüber hinaus zu leisten.

Lothar Becker, Sprecher der WG Public Affairs der OSBA sagt: „Die OSB Alliance setzt große Hoffnungen auf die Initiative der Kommission, da sie eine hervorragende Gelegenheit bietet, den Mitgliedstaaten ein vorbildliches Beispiel zu geben.“ Nach Überzeugung der OSBA sind die wichtigsten Eckpunkte dieser Strategie, auf die sich die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung Deutschlands wie auch die der übrigen Mitgliedstaaten konzentrieren sollten, wie folgt:

  • Dass „Quelloffene Lösungen bevorzugt werden, wenn sie in Bezug auf Funktionsumfang, Gesamtkosten und Cybersicherheit gleichwertig sind“. Beschaffung und Betrieb von Open-Source-Software muss in der öffentlichen Verwaltung auch strategisch gedacht werden. Die Kommission setzt damit erfreulicherweise eine Grundforderung der OSBA an öffentliche Verwaltungen um.
  • In Bezug auf die digitale Souveränität stellt der Text der Kommission fest, dass sich „Quelloffenheit auf die digitale Autonomie Europas auswirkt“. Der Ansatz „Offen denken“ hat das Potenzial, Europa die Möglichkeit zu geben, einen eigenen digitalen Ansatz zu entwickeln und die Kontrolle über seine Prozesse, Informationen und Technologien zu behalten. Open Source ist notwendiger Bestandteil einer digital souveränen Gesellschaft in Deutschland wie in Europa.
  • Die Eigenverpflichtung der Kommission, ein Open-Source-Program-Office (OSPO) einzurichten, um „den Wandel kommissionsweit zu lenken, zu fördern und voranzubringen“ sollte Vorbild sein. Dieses Programmbüro für Open Source ist von grundlegender Bedeutung für die Weiterentwicklung der internen Arbeitskultur in Richtung „Open“. Es sollte jedoch auch eine externe, vernetzende Komponente verfolgen, um mit anderen (nationalen) OSPOs, dem privaten Sektor, Open-Source-Stiftungen und NGOs zusammenzuarbeiten, die Software für den öffentlichen Sektor produzieren. Die OSBA fordert und unterstützt seit längerem die Einrichtung einer zentralen Verwaltungsorganisation für digitale Souveränität auf Bundesebene.

Das Statement des Verbands können Sie hier herunterladen.

¹ https://ec.europa.eu/info/news/european-commission-adopts-new-open-source-software-strategy-2020-2023-2020-oct-20_de