Bei der jährlichen Mitgliederversammlung der Open Source Business Alliance und dem anschließenden Open Source Day geht es immer auch um die Frage, welche Themen für den Verband im kommenden Jahr eine wichtige Rolle spielen werden, welche Schwerpunkte wir in unserer politischen Arbeit setzen und wie wir uns als Verband dafür aufstellen wollen. Daher haben wir dieses Jahr mit dem Konferenzprogramm unter dem Motto „Hinterm Horizont geht‘s weiter: Digitale Souveränität und Open Source vorwärts denken“ die Themen aufgegriffen, in denen aktuell neue Ideen und Konzepte entstehen und in denen wir als Verband neue Herausforderungen angehen wollen.
Bei der gut besuchten Veranstaltung kamen auf der Bühne, im Publikum und beim abendlichen Netzwerken wie jedes Jahr Open-Source-Begeisterte aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung zusammen, um zu diskutieren, sich auszutauschen, voneinander zu lernen und um Ideen, Wissen und Erfahrungen zu teilen.
Ein Index für digitale Souveränität für Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik
Die Open Source Business Alliance und das Weizenbaum-Institut hatten bereits 2022 das gemeinsame Projekt „Ein Index für digitale Souveränität“ ins Leben gerufen. Auf dem Open Source Day stellten Robert Peter, Referent politischer Dialog und Public Affairs beim Weizenbaum-Institut, und Miriam Seyffarth, Leiterin Politische Kommunikation bei der OSB Alliance das Konzept und den aktuellen Stand des wissenschaftlichen Projektes vor. Der Index soll die verschiedenen Perspektiven auf den schillernden Begriff „digitale Souveränität“ zusammen bringen, Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Sektoren aufzeigen und wissenschaftlich messbar machen und der Politik in der Folge als Steuerungsinstrument dienen.
Beim Publikum stieß die Vorstellung des Konzeptes auf große Resonanz. Aus dem Kreis der Mitglieder wurde direkt Unterstützung für das Vorhaben angeboten und Astor Nummelín Carlberg freute sich: „Offenbar sind wir beim OpenForum Europe nicht die einzigen, die im Rahmen unserer politischen Arbeit versuchen, abstrakte Dinge messbar und zählbar zu machen“.
Warum jeder im Open-Source-Ökosystem von der EU-Politik betroffen ist
Nachdem die Mitglieder der OSB Alliance 2023 mit großer Aufmerksamkeit die politischen Diskussionen rund um den Cyber Resilience Act verfolgt haben, wurde bereits im Vorfeld des diesjährigen Open Source Days aus dem Mitgliederkreis der Wunsch nach einem Impuls zum Thema EU-Politik und Open Source laut.
Astor Nummelín Carlberg, Executive Director des OpenForum Europe, erläuterte in seinem Vortrag, wie verschiedene EU-Initiativen wie der AI Act, der Cyber Resilience Act, die Product Liability Directive und andere Vorhaben miteinander verknüpft sind und in welcher Hinsicht diese europäischen Gesetzgebungsinitiativen für die Open-Source-Industrie nützlich oder gefährlich sein können. Er ging auch darauf ein, wie Interessenvertretung in Brüssel funktioniert und wie die Open-Source-Community sich in der Zukunft noch besser Gehör verschaffen kann. Dabei scheute er sichnicht, in großen Schritten zu denken: „Wir wollen Politik mitgestalten. Unser nächstes Ziel ist es, nicht nur bei den wichtigen politischen Gesprächen dabei zu sein, sondern die politischen Stakeholder zu uns an den Tisch zu Gesprächen einzuladen.“
Auf die Frage aus dem Publikum, was Astor der deutschen Open-Source-Industrie und insbesondere der OSB Alliance für das kommende Jahr mitgeben würde, gab er den Rat: „Investiert in Humankapital, sorgt dafür, dass junge Leute in Euren Organisationen in der politischen Arbeit geschult werden und tragfähige Netzwerke mit den politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern knüpfen. Denn nur so können wir langfristig mehr Einfluss nehmen und unsere Positionen erfolgreich vertreten.“ Der „Faktor Mensch“ müsse also in der politischen Arbeit und beim Organisationsaufbau eine deutlich zentralere Rolle als bisher einnehmen.
Auf zu neuen Ufern: Die Zukunft des Sovereign Cloud Stack
Zum Einstieg in das Thema hatte das Publikum vor Beginn des Vortrags die Gelegenheit, im Rahmen eines kleinen Multiple-Choice-Quiz sein Wissen zum Sovereign Cloud Stack (SCS) zu testen. Dabei stellte sich heraus, dass die Teilnehmenden bereits erstaunlich gut über SCS informiert sind und recht genaue Vorstellungen davon haben, was der Sovereign Cloud Stack genau ist, welche Organisationen und Unternehmen SCS bereits einsetzen und wie groß das SCS-Team aktuell ist.
Kurt Garloff, CTO beim SCS, und Manuela Urban, COO beim SCS, gaben anschließend gemeinsam einen Überblick auf erreichte Meilensteine des erfolgreichen Projekts, auf überwundene Hürden und auf die um SCS herum entstandene vielfältige Community. Da 2024 die Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz ausläuft, wurden verschiedene Varianten vorgestellt, wie und in welcher Form das Cloud-Projekt im Anschluss weiterlaufen könnte.
Die Vortragenden machten deutlich: Wie auch immer SCS sich weiter entwickeln wird, die SCS-Community hat ein großes Interesse, dass es mit SCS weiter geht, und den Beteiligten ist es besonders wichtig, dass hierbei der Grundgedanke von Offenheit und Transparenz bestehen bleibt. In der anschließenden Diskussion wurde klar, dass auch die OSBA-Mitglieder sich wünschen, SCS weiter zu begleiten und zu unterstützen.
Zusammen ist man weniger allein: Wie die “Open Source Big 3” gemeinsam Open Source in der Verwaltung voranbringen wollen
Anfang 2023 haben sich die Städte Berlin, München und Dortmund zur Initiative „Open Source Big 3“ zusammen geschlossen, um gemeinsam den Einsatz von Open-Source-Lösungen in der Verwaltung voranzutreiben. Für diese Podiumsdiskussion hatten wir daher Vertreterinnen und Vertreter der drei Kommunen eingeladen, aktuelle Initiativen sowie geplante Projekte aus den beteiligten Städten vorzustellen und die Möglichkeiten zur weitergehenden Kooperation zu diskutieren.
Laura Dornheim, IT-Referentin und CDO aus dem IT-Referat der Landeshauptstadt München war wegen des Bahnstreiks leider verhindert. Allerdings sendete sie Grüße und ließ ausrichten, dass die neue Webseite mit der Vorstellung der Münchner Open-Source-Projekte gerade live geschaltet wurde. Christian Nähle, Geschäftsführer von Do-FOSS, der Dortmunder Initiative für Freie und Open Source Software, stellte den Hintergrund zu der aktuell von der Stadt ausgeschriebenen Koordinierungsstelle für Digitale Souveränität und Open Source und die Zusammenarbeit mit der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) vor. Jörg Naumann, Referent für digitale Souveränität und Open Source bei der Senatskanzlei Berlin, konnte von der jüngsten Eröffnung des Open Source Kompetenzzentrums Berlin auf der Smart Country Convention berichten.
Gemeinsam wurde auf dem Podium über den Wissenstransfer diskutiert und wie Kommunen und Verwaltung unter die Arme gegriffen werden kann, wenn sie Open Source einsetzen wollen, aber sich noch Schwierigkeiten gegenüber sehen. Auch das Thema Personal und „der Faktor Mensch“ wurde erneut aufgegriffen. Denn wenn einzelne Personen ausfallen, die den Einsatz von Open Source in einer Kommune oder Verwaltung maßgeblich vorangetrieben haben, kann dies den laufenden Vorhaben einen empfindlichen Dämpfer versetzen. Umso wichtiger sei es, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen und sich viele Mitstreiter zu suchen und Allianzen zu schmieden. Zusammen mit dem Publikum wurden weitere Ansätze und Ideen diskutiert, wie den Einsatz von Open Source in den Kommunen unterstützt und vorangetrieben werden kann. Nach dem offiziellen Ende des Programms wurden diese Diskussionen dann beim Netzwerken noch bis spät in den Abend weiter fortgeführt.
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