Zehn Jahre Open Source Business Alliance – eine Erfolgsgeschichte

Am Anfang stand eine Fusion: Die Linux Solutions Group e.V. (Lisog) und der LIVE Linux-Verband e.V. beschlossen im Juli 2011, ihre Kräfte zu bündeln und eine Allianz für Open Source im deutschsprachigen Raum zu gründen. Gemeinsames Ziel sollte sein, das Vertrauen der Industrie und der Verwaltung in Open-Source-Software zu stärken. Rückwirkend zum markanten Datum 1.1.11 entstand so die „Open Source Business Alliance“, die sich in fortan auf die Themenfelder Interoperabilität, Offene Standards, Open-Source-Software, heterogene Lösungen, Business Development, Open Stack und Open Cloud konzentrierte.

Autor: Markus Feilner

2011 gründeten Open-Source-Experten rund um Karl-Heinz Strassemeyer, Thomas Uhl, Peter Ganten, Holger Dyroff, Elmar Geese und Rico Barth die OSBA als eine Fusion der beiden führenden deutschsprachigen Linux Verbände Lisog und Live!.

Zehn Jahre später hat sich die OSB Alliance zu einem Erfolgsmodell entwickelt, das nicht nur Open-Source-Firmen, KMUs und führende IT-Konzerne, sondern auch mehr und mehr Vertreter aus der öffentlichen Verwaltung, der Wissenschaft, dem Bildungssektor, aber auch Anwender anzieht. Rund 170 Mitglieder wirken aktiv mit in dem Verein, der seit dem Jahr 2019 unter dem Namen „OSB Alliance — Bundesverband für digitale Souveränität e.V.“ firmiert. Expertise zu Open Source und Digitaler Souveränität in DACH – keine andere Organisation steht heute so dafür wie die Open Source Business Alliance.

Seit den Visionen der Gründer hat sich die OSB Alliance stetig weiterentwickelt: In gemeinsamer Open-Source-Arbeit organisierten die Mitglieder nicht weniger als 14 Konferenzen, im Münchner Rathaus, Hamburger Bürgerschaft, in Bundesministerien, der C-Base des Chaos Computer Clubs und dem Berliner Spionagemuseum. Die Liste der Konferenzen ist lang, wie schön die Veranstaltungen waren, zeigt die Historie der OSB Alliance in Bildern.

Das Engagement dieses Vereins, dessen Aktive überwiegend ehrenamtlich tätig sind, hatte großen Anteil daran, dass sich der Stellenwert von Open Source in Deutschland gewaltig geändert hat. Wo in den Neunzigern und Zweitausender Jahren noch Fragen nach der Enterprise-Tauglichkeit freier Software im Vordergrund standen, steht diese heute außer Frage.

Konferenzen

  • 2011 Open Source Day Stuttgart
  • 2012 Open Source Day München
  • 2013 Open IT Summit Berlin
  • 2013 Open Source Day Nürnberg
  • 2014 Offener IT-Gipfel Hamburg
  • 2014 Open Source Day Hamburg
  • 2015 Education Day
  • 2015 2. Offener IT-Gipfel Berlin
  • 2015 open! Stuttgart
  • 2015 Open Source Day Stuttgart
  • 2016 Open Source Day Berlin
  • 2016 open! Stuttgart
  • 2016 OSMEx – Open Source Marketing Exchange Stuttgart
  • 2017 Open Source Day Berlin
  • 2017 open! Stuttgart
  • 2018 Open Source Day Berlin
  • 2019 Open Source Day Berlin
  • 2020 Open Source Day Online
  • 2021 Open Source Day & 10. Geburtstagsfeier Berlin und Online

Internetkonzerne wie Google, Apple oder Microsoft setzen massiv auf Open Source Software. Für jede Firmengröße existieren passende Geschäftsmodelle, die ihre Tauglichkeit millionenfach unter Beweis gestellt haben. Konzerne und Fonds investieren Milliarden in Open-Source-Unternehmen, etwa beim erfolgreichen Börsengang von SUSE oder bei der Übernahme von Red Hat durch IBM.

Die OSBAR-Preisträger

  • 2014: Openslides, Voice over LTE, WebODF
  • 2015: FHEM, Oposso, Zugferd
  • 2016: Zammad, openATTIC, privacyIDEA
  • 2017: Rust, OWASP ModSecurity Core Rule Set Projekt, Kodi, Pretix
  • 2018: Open Projekt, Humhub, Inkscape

Fünfmal verlieh man den Open Source Business Award OSBAR, verfasste über 150 Statements und Meinungsbeiträge auf der Vereinswebseite.

Die Mitglieder – von IBM über die zum größten aus Deutschland stammenden Open Source Unternehmen, SUSE, bis zur Telekom oder auch der Document Foundation – treffen sich in Arbeitsgruppen, Task Forces und Working Groups und diskutieren Open-Source-Themen auf Mailinglisten, auch mit zahlreichen Vertretern von Behörden und Administrationen.

Aus dieser Arbeit entstanden diverse offene Briefe zu aktuellen Themen und 15 wissenschaftlich-technische Publikationen und Handreichungen. Nicht zuletzt dank dieser vielbeachteten Inhalte konnte die OSB Alliance der Open-Source-Welt Gehör in Politik und Wirtschaft verschaffen: Regelmäßig werden ihre Experten von Wirtschaft, Presse, Regierungen und Politikern in Kommissionen, Experten-Panels und Anhörungen eingeladen, die OSBA-Dokumente kursieren in Ministerien und Verwaltungen als hilfreiche, praxisrelevante und kompetente Anleitungen.

In Ihrer Geschichte hat die OSB Alliance immer wieder auch geholfen, praktische Lösungen zu erarbeiten, vom erfolgreichen Crowdfunding zu OOXML in Libre Office 2013 über Projekte im Bildungssektor, konkrete Hilfe bei Ausschreibungen (EVB-IT) oder beim Aufbau eines Open-Source-Code-Repository für die Verwaltung sowie dem Forum für digitale Souveränität.

Bald dreißig Jahre nach dem Startschuss für Linux, fast fünfzig Jahre nach den Anfängen des GNU-Projektes bekennen sich heute Bundesregierungen, Ministerien und EU-Kommissionen offen zu Open Source – ein großer Erfolg für die Branche. Gleiches gilt auch für die OSB Alliance, die den Begriff „Digitale Souveränität“ erfolgreich als Bundesverband besetzt hat, er ist in aller Munde, nicht nur in der Blase der Techniker, Datenschützer und der Informationstechnologie. Die OSB Alliance ist bekannt als kompetenter, neutraler Experte und gut vernetzter Ansprechpartner.

Nicht zuletzt deshalb hat sich auch das Bundeswirtschaftsministerium entschieden, Millionen Euro Fördermittel bereitzustellen für den Sovereign Cloud Stack (SCS), den technischen Unterbau und die Referenzimplementierung der europäischen, digital souveränen Cloud GAIA-X.

Im Sommer 2021 veröffentlicht die OSB Alliance die Version R1 des Sovereign Cloud Stack, gleichermaßen Referenzimplementierung und Unterbau von GAIA-X.

Doch auch wenn die OSB Alliance bereits Beachtliches erreicht hat, bleibt die Agenda voll. Gerade in Zeiten historischer Umbrüche und Regierungswechsel gilt es, der Politik beratend, wenn nötig auch kritisch zur Seite zu stehen. Ob Digitalisierung, Datenschutz, IT-(Aus)Bildung, Mobilität, sichere Clouds, sichere Software und erfolgreiche Geschäftsmodelle trotz größtmöglicher Offenheit und Transparenz, mit offenen Standards, offener Software und offenen Daten – dafür steht die Open Source Business Alliance. Gespräche, Studien und Handreichungen anbieten, so wie es die ersten zehn Jahre erfolgreich vormachten, wird auch in Zukunft das Markenzeichen der OSB Alliance sein.