Man nehme eine Portion Big Data, dazu Künstliche Intelligenz und noch etwas Industrie 4.0 – und fertig ist die Digitale Transformation: Nach diesem Rezept verfahren viele Unternehmen. Wer Digitalisierung allerdings nur auf Technologien reduziert, liegt falsch. Das Streben nach einer digitalen Unternehmenskultur, sie zu etablieren und zu leben, ist der Grundbaustein für Transformationsprozesse. „Natürlich ist es einfach, Geld für Technologie auszugeben. Etwas schwieriger ist es schon, einen Geschäftsprozess zu ändern. Einen Kulturwandel anzustoßen, ist aber am schwierigsten“, betont Shabnoor Shah, Open Leadership Global Lead & Coach bei den Red Hat Open Innovation Labs. „Wir bei Red Hat sind der Meinung, dass die Open-Organization-Prinzipien, also Transparenz, Anpassungsfähigkeit, Community, Inklusion und Zusammenarbeit, auch der Schlüssel für eine organisatorische und kulturelle Transformation sind − und zwar ganz unabhängig von der Branche. Indem man offene Prinzipien auf Unternehmensebene anwendet, verwandelt man Disruption in Möglichkeiten.“

Zu den Aufgaben eines „echten“ Digital-Transformation-Leaders gehören:

  • Alle Mitarbeiter für die digitale Reise abholen. Der Erfolg einer Digitalisierung hängt maßgeblich von den Mitarbeitern ab, die neue Technologien anwenden und Visionen zur Realität werden lassen. Um sich die Unterstützung aller Mitarbeiter zu sichern, müssen diese verstehen, warum die Digitale Transformation wichtig ist und wie sich das Unternehmen infolgedessen entwickeln wird. Die Mitarbeiter müssen motiviert und Unsicherheiten durch aktives Zuhören und eine klare, ehrliche Kommunikation gemindert werden.
  • Die Kontrolle auch mal aus der Hand geben. Starre Hierarchien, Kontrolle und traditionelles Herrschaftswissen stehen einer erfolgreichen Digitalen Transformation im Weg. Die Aufgabe von Führungskräften besteht darin, zu coachen, statt zu führen, zu ermöglichen, statt zu bestimmen und Prozesse statt Aufgaben zu steuern. Wie Führungspersonen das konkret gestalten, kann ganz unterschiedlich aussehen – eine Blaupause gibt es nicht.
  • Jeder Idee eine Chance geben. Digital Transformation Leaders helfen ihren Mitarbeitern, sich Gehör zu verschaffen. Dahinter verbirgt sich das Verständnis einer Meritokratie: Die besten Ideen – egal von wem und woher sie kommen – gewinnen. Das setzt zudem eine offene Fehler- und Feedbackkultur voraus, die gepflegt werden muss.
  • Abteilungsgrenzen einreißen. Genauso wichtig ist es, Silos zwischen Abteilungen, Funktionen und Berichtslinien zu entfernen, und stattdessen funktionsübergreifende Teams zu schaffen, die selbstorganisiert arbeiten und die Möglichkeit erhalten, Projekte von Anfang bis Ende durchzuführen.
  • Eine Kultur des kontinuierlichen Lernens pflegen. Unternehmen sollten in moderne Tools investieren, um so ihre Mitarbeiter in punkto Technologie, agile Methoden, Kultur, Mentalität, Verhaltensweisen, aber auch Selbstbewusstsein zu schulen. Sie können ebenso Fragerunden einführen, ein Buddy-Mentor-System realisieren oder die Teilnahme an Seminaren und Workshops fördern.
  • Den Fortschritt analysieren. Damit ein Digitalisierungsprojekt erfolgreich verläuft, ist eine regelmäßige Analyse unerlässlich. Die Definition der entsprechenden KPIs hängt vom jeweiligen Projekt ab – Erfolg sollte aber honoriert und Korrekturmaßnahmen sollten notfalls umgesetzt werden.
  • Alte Denkmuster über Bord werfen. Zu guter Letzt müssen Führungskräfte damit aufhören, nur das altmodische, oft stereotyp männliche Erfolgsmodell zu belohnen. Oder besser gesagt die Menschen, denen es gelingt, ihre Ideen zu vermitteln, weil sie in Besprechungen am lautesten sind. Hilfreich ist die Open Practice Library mit ihren Praktiken und Werkzeugen

„Führungskräfte müssen sich von ihrem klassischen Top-down-Management verabschieden und andere Meinungen sowie Ideen zulassen. Das kann zunächst einmal beängstigend sein. Aber erst wenn organisatorische Hierarchien abgeflacht und Transparenz, Verantwortlichkeit und schnelle Entscheidungsfindung gefördert werden, können Führungskräfte die Digitale Transformation vorantreiben. Dazu sollten sie bestrebt sein, ein Umfeld mit psychologischer Sicherheit zu schaffen, um Inklusion und Engagement auf allen Ebenen zu fördern“, so Shabnoor Shah weiter.