Cloud-Services sind schon längst keine Randerscheinung mehr. Aktuell nutzen etwa drei von vier Unternehmen Cloud-Technologie im täglichen Betrieb, und es werden immer mehr. Im Bereich der IT-Management-Systeme bietet jetzt auch das Chemnitzer Unternehmen cape IT eine Cloud für ihre Software-Lösung KIX an. In folgendem Interview verrät uns Torsten Thau, Mitgründer von cape IT und Product Owner des neuen KIX 18, welche Vorteile Cloud-Dienste bieten, ob die Nachfrage durch Corona gestiegen ist und welche Vorkehrungen getroffen wurden, um die Daten der Nutzer zu sichern.

Bei der neuen App KIX Field Agent waren Sie noch in geheimer Mission unterwegs, wurden Sie mit der KIX Cloud jetzt zum Wettergott befördert?

Das wäre wirklich ein interessanter Karrieresprung (lacht). Bei der Trockenheit der letzten Jahre würde es mir gut gefallen, da etwas Mitspracherecht zu haben. Aber für den Anfang begnüge ich mich damit, mit der KIX Cloud unsere eigene kleine Wolke erschaffen zu haben. Und meine Kollegen von cape IT und ich sind auch sehr stolz darauf, wie erfolgreich wir dieses Projekt auf die Beine gestellt haben.

Haben Sie sich externe Unterstützung geholt, oder ist die Cloud komplett bei cape IT entstanden?

Beim Field Agent hatten wir uns ja noch die Unterstützung und das Know-how eines externen Partners eingeholt, der uns bei der Entwicklung der App geholfen hat. Bei der Cloud arbeiten wir mit unseren langjährigen Partnern von managedhosting.de zusammen. Wir kennen sie aus dem Open Source-Umfeld und bekommen von ihnen ein sogenanntes virtuelles Rechenzentrum gestellt, damit wir nicht anbauen müssen. Durch die lange Zusammenarbeit standen sie uns schon oft zur Seite. Die Entwicklung, Einrichtung und Wartung wird aber zum weitaus größten Teil von cape IT übernommen.

Laut einer aktuellen Bitkom-Studie arbeiten bereits rund dreiviertel aller deutschen Unternehmen mit Cloud-Diensten und es kommen immer weitere hinzu. Ist das ein Trend, den Sie bestätigen können?

Auf jeden Fall, diesen Trend konnten wir auch beobachten. In der tatsächlichen Nutzung unterscheiden sich jedoch die Branchen. Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle, wie das Angebot genutzt wird. Außerdem gibt es große Differenzen in den genutzten Cloud-Technologien: Zum Beispiel bei den Server- oder Speicherressourcen in der Cloud stellen sich verschiedene Fragen. Sind es Fachanwendungen? Welche Daten werden verarbeitet? Wie sind die Systeme integriert? Insbesondere im deutschen Mittelstand und bei den Behörden stellen wir noch Vorbehalte fest, die sich oft in Unsicherheiten beim Ort der Datenspeicherung und -verarbeitung festmachen. Insbesondere, ob die Speicherung innerhalb oder außerhalb Europas stattfindet.

Die Datensicherheit ist ja immer ein heikles Thema für die Kunden. Was hat cape IT unternommen, um eine größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten?

Der Datenschutz und die Datensicherheit spielen für uns eine entscheidende Rolle. Wir bieten unseren Kunden mit zertifizierten, deutschen Rechenzentren die Sicherheit, dass ihre Daten im sicheren europäischen Rechtsraum verarbeitet und gespeichert werden. Wir nutzen aktuelle Verschlüsselungstechnologie für den Zugriff auf die Service-Systeme in der KIX Cloud. Ebenso sind die Kundensysteme hinter entsprechenden Sicherheitssystemen eingeschlossen und KIX selbst unterliegt in der Qualitätssicherung auch Software-Sicherheitstests. Durch die Open Source Technologie werden gemeldete Sicherheitslücken transparent und schnell geschlossen.

Und was würden Sie Unternehmen erzählen, die trotzdem noch nicht von Cloud-Diensten überzeugt sind?

Cloud-Services bieten im Vergleich zu – ich sage mal – traditioneller Software einige Vorteile. Eine Installation ist nicht notwendig, die User sind schnell registriert und ihre Accounts sofort aktiviert. Updates und Wartung entfallen bzw. werden von uns im Hintergrund übernommen, wodurch sich die Nutzer auf die eigentliche Arbeit konzentrieren können. Eine Cloud wächst auch immer mit der Größe eines Unternehmens oder einer Organisation mit, deshalb müssen sie nicht schon im Voraus in teure Infrastruktur oder Personal investieren. Daher kam auch unser Entschluss, ein möglichst transparentes und individuelles Abrechnungsmodell anzubieten. Schlussendlich wollten wir das Modell so einfach und nachvollziehbar wie möglich machen. Die Welt ist kompliziert genug, da muss der Service einfach sein.

Stichwort „kompliziert“: Oft wird ja einfach nur von Clouds gesprochen, dabei gibt es unterschiedliche Modelle wie Private, Public oder Hybrid Cloud. Wie ist das System bei Ihnen aufgebaut?

Die KIX Cloud ist sowohl eine Software as a Service, als auch eine Private Cloud. Die User haben vollen Zugriff auf sämtliche KIX-Funktionen, wie es auch bei einer Installation vor Ort der Fall wäre. Der Aufbau als Private Cloud bedeutet, dass jeder Kunde sein KIX über eine spezifische URL erreicht. Die verschiedenen Cloud-Instanzen kennen einander dabei nicht. Für spezielle Kundenanforderungen lassen sich jedoch immer Wege für Individualszenarien finden. Darüber muss man im konkreten Fall einfach sprechen.

Um andere Unternehmen zu unterstützen, haben Sie mit Beginn der Corona-Krise das Angebot eingeführt, die KIX Cloud einen Monat lang kostenfrei nutzen zu können, und es seitdem beibehalten. Hat Corona generell zu einer erhöhten Nachfrage geführt?

Ja, das konnten wir schon feststellen. Durch die erhöhte Homeoffice- und Remotetätigkeit sind  die Anfragen zu Cloud-Lösungen auch bei uns gestiegen. Das ist eigentlich nicht verwunderlich: Serviceteams können durch die Cloud komplett verteilt arbeiten, erhalten aber trotzdem zentral gesteuert die Arbeitsaufträge. Die Abläufe sind komplett digital und die Service-Mitarbeiter arbeiten die Serviceaufträge ganz flexibel mobil oder am PC, online oder mit unserer Field Agent App eben auch offline ab. Und die Kunden merken dabei nicht, dass die Servicetechniker alle verteilt arbeiten – der Service wird trotzdem wie aus einem Guss wahrgenommen.

Sie bieten auch Unterstützung und Support bei allen Fragen rund um die Cloud an. Nehmen Unternehmen dieses Angebot oft wahr oder ist die Anwendung für die meisten Leute selbsterklärend?

Bei Einführungs- und Migrationsprojekten nehmen unsere Berater die Kunden immer an die Hand und führen sie sicher bis zum Go Live des Systems für die Serviceteams. Der Einstieg ist aber grundsätzlich selbsterklärend, wenn man schon ein wenig im Servicegeschäft steht. Es geht um Teams, Tickets – die Serviceaufträge, Assets – das Equipment usw. Oft wird unser Supportteam gebraucht, um bei weiterführenden Nutzungsanforderungen und Konfigurationen oder ähnlichem zu helfen. Und ganz banal – manchmal gibt es auch Situationen in KIX, die im ersten Moment unerwartete Seiteneffekte hervorrufen, da müssen wir schauen, ob es womöglich ein Softwarefehler ist. Auch KIX wird trotz aller Qualitätssicherung und Tests von Menschen gemacht.