Tobias Gerlinger | Quelle: ownCloud GmbH

Ein Statement von Tobias Gerlinger, CEO bei der ownCloud GmbH

In seinem Positionspapier zur Bundestagswahl 2021 räumt der Bitkom Open-Source-Software einen hohen Stellenwert für die Digitale Souveränität der Bundesrepublik und den Softwarestandort Deutschland ein. Um die Digitalisierungs- und Softwarekompetenz insbesondere im öffentlichen Bereich zu stärken, empfiehlt der Branchenverband die Schaffung eines „National Open Source Program Office“. Aufgabe dieses Büros sei unter anderem, alle Bundesbehörden zu beraten und darüber aufzuklären, wie sie bei Ausschreibungen und dem Aufbau neuer Systemlandschaften Open-Source-Belange berücksichtigen können.

Diese Forderungen sind absolut richtig und löblich. Sie gehen aber nicht weit genug, denn es fehlen zwei entscheidende Aspekte. Erstens muss die Politik dafür sorgen, dass sich die große Bedeutung von Open-Source-Software auch ganz konkret im Einkaufsverhalten der Behörden niederschlägt. Dort, wo quelloffene Software als Alternative zur Verfügung steht, sollte sie auch beschafft werden. Dass unsere Behörden davon noch meilenweit entfernt sind, zeigen aktuelle Zahlen. Die Ausgaben des Bundes für Microsoft-Produkte haben sich seit dem Jahr 2015 fast vervierfacht. Allein im Jahr 2020 kauften die Bundesministerien für stolze 179 Millionen Euro in Redmond ein.

Damit bewegt sich die Bundesverwaltung wegen des US Cloud Act nicht nur datenschutzrechtlich auf ganz dünnem Eis und untergräbt die Digitale Souveränität Deutschlands. Sie begibt sich auch in eine gefährliche Abhängigkeit, denn bei proprietärer Software droht ganz schnell der so genannte Lock-in-Effekt. Da es mit steigender Nutzungsdauer immer aufwändiger wird, von proprietären Services und Produkten auf offene Lösungen zu wechseln, sind Organisationen immer mehr darin gefangen. Die stark steigenden Ausgaben des Bundes für Microsoft-Produkte belegen diesen Effekt eindrucksvoll und die öffentliche Verwaltung scheint das Problem bislang einfach auszublenden. Das muss sich dringend ändern.

Zweitens sollte in Zukunft für alle Neuentwicklungen, die von Behörden in Auftrag gegeben werden, die Devise „Public Money, Public Code“ gelten. Der Code von Software, die mit öffentlichen Geldern für die öffentliche Verwaltung entwickelt wird, sollte auch öffentlich sein. Aus diesem Prinzip ergeben sich zahlreiche Vorteile. Behörden, die ähnliche Anforderungen haben, können die Software wiederverwenden, die digitale Zusammenarbeit der Behörden untereinander gestaltet sich einfacher, sie sind unabhängiger von einzelnen Anbietern, sie fördern Innovationen und steigern gleichzeitig ihre Datensicherheit. Und nicht zuletzt werden auch die Geldbeutel der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler geschont. Deshalb sollte es Standard werden, dass im Auftrag von Behörden entwickelte Software als freie Software veröffentlicht wird. Open-Source-Lizenzen sind dafür der richtige Weg.