Hallo und herzlich willkommen in der OSB Alliance! Kannst Du Dich und Dein Unternehmen kurz vorstellen?
Mein Name ist Raphael Michel, ich bin Geschäftsführer und Gründer der rami.io GmbH. Mit dem Unternehmen bieten mein Team und ich seit rund 10 Jahren Produkte und Dienstleistungen an, bei denen Open Source von Anfang an immer eine Rolle spielte. Seit einigen Jahren haben wir uns stark auf Standardsoftware für die Veranstaltungsbranche spezialisiert.
Unser bekanntestes Produkt hierbei ist „pretix“, eine Komplettlösung für das Ticketing, die überall dort eingesetzt werden kann, wo Eintritt bezahlt wird, von Konferenz über Kultur bis Schwimmbad. Wir bieten rund um das AGPL-lizensierte Basissystem mit vielen frei lizensierten Erweiterungen zahlreiche Dienstleistungen und Produkte an wie Consulting und Support, proprietäre Erweiterungsmodule sowie vor allem eine SaaS-Variante des Systems, die direkt von uns betrieben wird.
Was bedeutet für Dich digitale Souveränität?
Für einen Großteil unserer Kunden in der Veranstaltungsbranche ist „Open Source“ normalerweise leider noch kein relevantes Auswahlkriterium. Denn es bringt unseren Kunden einige Vorteile. Gerade als noch sehr junges Unternehmen konnten wir oft das Vertrauen schaffen, dass die Kunden durch unseren Open-Source-Ansatz nicht zwingend darauf angewiesen sind, dass es uns als Unternehmen fünf Jahre später noch gibt: Selbst wenn wir scheitern, unsere Software kann überleben und kann vom Kunden selbst oder anderen Nachfolgern weiterentwickelt und -genutzt werden. In Zeiten, in denen große Teile der modernen Softwarewelt von Venture-Capital-finanzierten Firmen produziert wird (auch dazu gehören wir dankbarerweise nicht), die beim Nichterreichen ihrer Wachstumsziele schneller wieder verschwinden, als man zuschauen kann, ist das ein großer Gewinn an Verlässlichkeit.
Für uns, in unserem eigenen Handeln als Unternehmen, spielt Open Source eine große Rolle. Einen sehr großen Teil unserer digitale Infrastruktur betreiben wir auf Basis von freier Software selbst auf eigenen Systemen. Natürlich bindet das Ressourcen und birgt eigene Risiken. Wir wissen in der IT aber aus Erfahrung, dass immer etwas schiefgehen kann und wird. Aber wenn etwas schief geht, bedeutet digitale Souveränität für uns, dass wir selbst entscheiden können, mit wie viel Ressourcen und Priorität wir versuchen, das Problem zu beheben, und das Problem, wenn wir nur genug Kraft aufwenden, auch lösen können werden – statt zu hoffen, dass ein externer Lieferant unser Problem überhaupt wichtig genug findet, sich zeitnah damit zu befassen.
Warum bist Du Mitglied in unserem Verband geworden?
Die OSB Alliance ist uns 2017 erstmalig begegnet, als wir mit unserem Projekt pretix für den von der OSB Alliance vergebenen Award „OSBAR“ angetreten sind und zu unserer eigenen Überraschung den OSBAR in Gold gewonnen haben. In den sechs Jahren seit diesem schönen Ereignis ist bei uns sehr viel passiert: Aus einer kleinen, nebenberuflich geführten Firma mit einem Mitarbeiter ist ein 16-köpfiges Team geworden. Zu einem Wachstum dieser Art gehört auch ein „erwachsen werden“ des Unternehmens und dazu auch gesellschaftliches Engagement. Über die letzten Jahre konnten wir viele Kunden des öffentlichen Sektors für unsere Produkte gewinnen, wodurch Themen wie Behandlung von Open Source in der Beschaffung für uns zunehmend an Relevanz gewinnen. Wir freuen uns, mit der OSB Alliance unser starktes Netzwerk in der Branche weiter auszubauen und gemeinsam für mehr Open Source in der IT-Wirtschaft einzutreten.


