Die Open Source Business Alliance hat in diesem Jahr die Präsidentschaft von APELL übernommen, dem europäischen Dachverband der Open-Source-Industrie. Daher fand die diesjährige APELL-Konferenz in Berlin statt. In der Woche vor der Europawahl beschäftigte die Mitglieder der europäischen Open-Source-Business-Verbände die Frage, wie die Digitalisierung in Europa mit Open Source zu einer Success-Story werden kann.
Vertreterinnen und Vertreter der Open-Source-Branche aus Frankreich, Finnland, der Schweiz, Italien, den Niederlanden, Luxemburg, Schweden, Tschechien und Deutschland sind Anfang Juni nach Berlin gereist, um die gemeinsamen politischen Ziele für Open Source in Europa zu besprechen. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit zum Networking untereinander und um konkrete Strategien und Maßnahmen zur besseren Vernetzung und der Bündelung der gemeinsamen Interessen zu erarbeiten.
Europa sollte Vorreiter bei Open Source sein
Europa muss bei der Digitalisierung mit Open Source voran gehen. Allerdings ist Europa bei der Implementierung und Förderung von Open-Source-Technologien noch nicht so weit, wie es wünschenswert und wichtig wäre. Immense Abhängigkeiten von großen, nicht-europäischen Technologiekonzernen bestehen deswegen unnötigerweise fort, obwohl digital souveräne Alternativen längst zur Verfügung stehen. Allerdings fehlt es Entscheidungsträgern in der Verwaltung manchmal an Wissen über diese Open-Source-Alternativen. Auf der Konferenz war daher auch die Kommunikation zu Success-Stories ein wichtiges und viel diskutiertes Thema.
In den Workshops diskutierten die Mitglieder aus den verschiedenen EU-Staaten intensiv miteinander, welche konkreten politischen Ziele in der neuen EU-Wahlperiode ganz oben auf der Agenda von APELL stehen sollen.
Um Innovationen zu stimulieren, ist mehr finanzielle Unterstützung für Open-Source-Projekte notwendig. Vor allem aber ist es entscheidend für die digitale Souveränität Europas, dass bei der öffentlichen Beschaffung in den Ländern und auf europäischer Ebene mehr auf Open-Source-Lösungen und offene Standards gesetzt wird. In der europäischen öffentlichen Beschaffung sollte möglichst zeitnah das Motto „Open-Source-Only“ gelten.
Die Gründung des Europäischen Dachverbandes APELL im Jahr 2020 war ein wichtiger erster Schritt, um die Open-Source-Business-Verbände in Europa zu vernetzen und die gemeinsamen Interessen voran zu bringen. Noch sind nicht alle europäischen Länder in APELL vertreten, was oft daran liegt, dass es noch nicht überall gelungen ist, nationale Verbände zu etablieren. In den Workshops wurde deshalb unter anderem besprochen, wie die APELL-Mitglieds-Verbände bei der Gründung und dem Aufbau nationaler Open-Source-Business-Verbände unterstützen können. Auch die strukturelle und organisatorische Weiterentwicklung des europäischen Dachverbandes war Thema in den Workshops.
Open Source in der europäischen Gesetzgebung
Europäische Gesetzgebungsverfahren sind komplexe und dynamische Prozesse, die kontinuierliche Begleitung und fachkundigen Input erfordern, um sicherzustellen, dass die Interessen der Open-Source-Industrie berücksichtigt werden. Ein aktuelles Beispiel ist der Cyber Resilience Act (CRA), der darauf abzielt, die Cybersicherheit innerhalb der Europäischen Union zu stärken und gleichzeitig die digitale Souveränität Europas zu fördern. Solche Gesetzesinitiativen müssen eng begleitet und unterstützt werden, um effektive und praxisnahe Regelungen zu gewährleisten.
Die APELL-Mitglieder streben vor diesem Hintergrund die Besetzung einer Policy-Stelle an, damit die politischen Interessen der europäischen Open-Source-Industrie in Brüssel effizienter vertreten werden können. Diese Rolle soll sicherstellen, dass Expertenwissen und branchenspezifische Perspektiven im Bereich Open Source in den Gesetzgebungsprozess eingebracht werden.
Der Wert von Open Source für Wirtschaft und Gesellschaft
Am Nachmittag konnten APELL-Mitglieder wie auch externe Gäste bei einem abwechslungsreichen Konferenzprogramm Inspirationen zu aktuellen Themen gewinnen.
Geraldine de Bastion Co-Founder & CEO der Konnektiv Kollektiv GmbH zeigte in ihrer Keynote auf, welche zentrale und globale Rolle Open Source Software für die Stärkung von Demokratie, Souveränität und Klimagerechtigkeit spielt. Manuel Hoffmann von der Harvard Business School stellte die Hintergründe des wissenschaftlichen Papers „The Value of Open Source“ vor und erläuterte, mit welchen wissenschaftlichen Methoden er und sein Team errechnet haben, welche immense Bedeutung Open Source für die Weltwirtschaft hat.
Kurt Garloff, CTO Sovereign Cloud Stack, stellte auf der APELL-Konferenz den Sovereign Cloud Stack (SCS) vor. Das von der deutschen Regierung unterstützte Projekt zielt darauf ab, durch gemeinsame Standards und Open-Source-Software die Fragmentierung zu überwinden und wettbewerbsfähige Plattformen zu schaffen. Garloff betonte, dass digitale Souveränität nur durch die Gestaltung aller Software-Ebenen nach eigenen Bedürfnissen erreicht werden kann und rief zu mehr projektübergreifender Zusammenarbeit auf.
Bei der Podiumsdiskussion diskutierten Astor Nummelin Carlberg (OpenForum Europe), Peter Ganten (Open Source Business Alliance), Adriana Groh (Sovereign Tech Fund) und Philipp Ludewig (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz) miteinander über die Ziele und Herausforderungen der neuen EU-Wahlperiode.
Das Nachmittagsprogramm bot so den perfekten Anlass für weiterführende Gespräche beim anschließenden abendlichen Networking zwischen den Teilnehmenden aus den verschiedenen europäischen Mitgliedsstaaten.







