Mitglieder hautnah! Im Interview mit uns spricht Thomas Weiß von IndiScale.

Herzlich willkommen bei der OSB Alliance! Kannst Du Dich und Dein Unternehmen kurz vorstellen?

Gerne! Wir sind die IndiScale GmbH und sind eine Ausgründung aus dem Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen und haben unseren Fokus auf Forschungsdatenmanagementsoftware. Wir bieten verschiedene Dienstleistungen in diesem Bereich an und entwickeln unsere Software LinkAhead, die einen einheitlichen Zugang für ganz unterschiedliche Datensilos und Datenquellen schafft und damit Vorteile zum Beispiel in Sachen Durchsuchbarkeit, Automatisierung und Reproduzierbarkeit bringt.

Forschungsdaten sind ein unglaublicher Schatz an menschlichem Wissen, der leider in den letzten Jahrzehnten oft unzureichend zur weiteren Verwendung in der Zukunft verwaltet und erhalten wurden. Das wollen wir ändern. Denn durch eine solche Anstrengung kann Wissenschaft sehr viel mehr aus den eigenen Ressourcen machen. Zeitgemäßes Forschungsdatenmanagement ist derzeit eine größten Herausforderungen in der Wissenschaft.

Was bedeutet für Dich digitale Souveränität?

Digitale Souveränität bedeutet für mich Kontrolle über meine digitale Existenz behalten zu können. In der heutigen digitalen Welt habe ich oft keine Kontrolle darüber welche Daten über mich erhoben werden oder was damit gemacht wird. Bis hin zur Überwachung. Open Source kann hier als Gegenentwurf gesehen werden und schafft diese Kontrolle und auch Transparenz. Digitale Souveränität wird in Zeiten neuer Konflikte auf Weltebene auch öfter lokaler gedacht, und digitale Infrastrukturen, auch in der Forschung, unabhängig von bspw. Softwareanbietern oder Clouds gestaltet. Dies ist in der Forschung besonders wichtig.

Warum bist Du Mitglied in unserem Verband geworden?

Wir sehen in der OSBA eine Gelegenheit, Open Source noch fester in der Wissenschaft zu etablieren. Wir wollen Teil eines Interessenverbands sein, der Open Source fördert aber zunehmend auch fordert.

Forschung ist in Deutschland zu einem großen Teil staatlich getragen, und es muss immer öfter gefragt werden, warum dieses staatliche Geld in proprietärer Software verschwinden sollte. Es ist klarer denn je, dass digitale Infrastruktur zentraler Zukunftsbaustein in vielen Bereichen ist, und diese Infrastruktur auch im Sinne von IT-Sicherheit, Datenschutz und individueller Anpassbarkeit nicht den traditionellen großen Playern überlassen werden darf. In diesem Zeitalter vieler Herausforderungen wie z.B. geopolitischer Auseinandersetzung, Klimawandel oder Pandemie-Bekämpfung sollte die Gesellschaft selbst das Steuer in der Hand haben. Dazu muss ein Umdenken schnell und auf vielen Ebenen geschehen.