Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger (2.v.l) mit Peer Heinlein, Jutta Horstmann, Patrick Alberts und Peter Ganten. © BMDS/Sebastian Woithe
Am 18. November 2025 fand in Berlin der European Summit on Digital Sovereignty statt. In den Beiträgen, Diskussionen und Erklärungen auf dem Gipfel wurde betont, dass Open Source Software eine Schlüsselrolle spielt, um die digitale Souveränität Europas zu stärken. Die europäische Open-Source-Industrie war auf dem Gipfel mit einem eigenen Stand vertreten und konnte dadurch besondere Aufmerksamkeit auf die Vorteile von Open Source lenken.
Mangelnde digitale Souveränität ist das Problem – und Open Source die Lösung
Digitale Souveränität ist eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit – diese Erkenntnis war das Leitmotiv des „European Summit on Digital Sovereignty“. Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron betonten in ihren Impulsen, dass digitale Souveränität kein technisches Detail, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit Europas ist.
Open Source Software leistet einen zentralen Beitrag zur Stärkung der digitalen Souveränität und spielt daher bei den Initiativen der europäischen Regierungen eine wichtige Rolle. So erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz beispielsweise in seiner Rede, dass opendesk, die Open-Source-Lösung für einen souveränen Arbeitsplatz, bereits bei ihm im Kanzleramt zum Einsatz kommt.
Und auch die von Österreich initiierte und von den EU-Mitgliedstaaten unterzeichnete „Charta für Digitale Souveränität und Resilienz“ am Rande des Gipfels griff die Bedeutung quelloffener Lösungen für ein digital souveränes Europa auf.
Von der Ankündigung zur Umsetzung
Bundeskanzler Friedrich Merz hob in seiner Rede auch die wichtige Arbeit des Zentrums für digitale Souveränität (ZenDiS) hervor, das die öffentliche Verwaltung dabei unterstützt, auf digital souveräne Open-Source-Lösungen umzustellen. In den nächsten drei Jahren soll der Einsatz von openDesk auf alle Bundesbehörden ausgeweitet werden, im Bundesdigitalministerium, dem Kanzleramt und dem Robert-Koch-Institut wird der Open-Source-Arbeitsplatz schon heute im Rahmen von Pilotprojekten genutzt.
Die Bundesregierung hat gemeinsam mit Frankreich auf dem Gipfel sieben zentrale Handlungsfelder benannt, um die digitale Souveränität der EU voranzubringen. Bei zwei Bereichen steht Open Source im Vordergrund:
- In einem europäischen Konsortium (European Digital Infrastructure Consortium – EDIC) sollen digitale Gemeingüter unterstützt werden.
- Deutschland und Frankreich wollen sich für öffentliche IT-Infrastruktur und Open-Source-Werkzeuge für die öffentliche Verwaltung einsetzen, dabei geht es u.a. um openDesk und das französische Äquivalent „LaSuite“.
Peter Ganten, Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Alliance – Bundesverband für digitale Souveränität e.V.:
„Wir freuen uns, dass die Bundesregierung im Rahmen des Digitalgipfels die bestehenden Probleme klar benannt und auch wichtige Lösungsansätze wie ZenDiS und openDesk aufgegriffen hat, für die wir uns als Open-Source-Branche in der Vergangenheit bereits stark gemacht haben. Es ist ein wichtiges Signal, dass das Thema digitale Souveränität und Open Source große mediale Aufmerksamkeit und auch viel Raum auf dem Digitalgipfel bekommen hat. Das ist ein entscheidender Schritt nach vorne, kann aber natürlich nur ein erster Start sein. Jetzt müssen diese Ankündigungen in konkrete Initiativen umgesetzt werden – beim Deutschland-Stack, im Vergaberecht, im Bundeshaushalt und vielem mehr. Wir freuen uns über das Bekenntnis der Bundesregierung zu Open Source, wir werden sie aber an ihren Taten messen. Die europäische Open-Source-Industrie steht jedenfalls bereit, digital souveräne Lösungen zu liefern, damit Europa wieder Zentrum digitaler Innovationen werden kann. Das haben wir auch in einem offenen Brief gemeinsam mit zahlreichen Unterstützern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft deutlich gemacht.“
Fruchtbarer Austausch zwischen Open-Source-Industrie und Politik auf dem EU-Gipfel
Die europäische Open-Source-Industrie war auf dem Gipfel mit einem eigenen Stand vertreten. Die Open Source Business Alliance präsentierte hier gemeinsam mit APELL, dem europäischen Dachverband der Open-Source-Verbände, sowie weiteren Partnern und Unterstützern von deutschen und französischen Open-Source-Unternehmen unter dem Motto „The Magic of Open Source“ Erfolgsgeschichten von Open-Source-Migrationen in der öffentlichen Verwaltung und stand für Fragen und Austausch zur Verfügung.
Der außergewöhnlich gestaltete Stand zog viele Besucherinnen und Besucher an und bot viel Gelegenheit für Gespräche. Am Open-Source-Stand fanden sich u.a. ein
- Dr. Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung
- Roland Lescure, französischer Minister für Wirtschaft und digitale Souveränität
- Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung und Technologie
- Dirk Schrödter, Digitalminister in Schleswig-Holstein
- Ralph Brinkhaus, digitalpolitischer Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag
- Ronja Kemmer, stellv. Fraktionsvorsitzende der Unions-Fraktion im Bundestag für die Themen Digitales und Staatsmodernisierung
- Omar Mohsine, Open-Source-Koordinator der Vereinten Nationen
- Felix Zimmermann, Chief Procurement Officer im Bundesdigitalministerium
Besonders häufig kam in den Gesprächen das Beispiel Schleswig-Holstein auf, denn das Land befindet sich bereits mitten in der konsequenten Umstellung auf Open-Source-Lösungen und dient damit als Vorbild und Inspiration für viele andere Verwaltungen und Behörden.




