Der Erfolg eines Unternehmens hängt heute und in Zukunft maßgeblich von der technologischen High-Performance und nachhaltig hoher Reputation seiner Produkte und Services ab. Je nach Branche kann die Transparenz der CO2-neutralen Handlungen eines Unternehmens eine große Rolle spielen
Um die Wirtschaft hin zu Klima- und Umweltschutz zu transformieren, ist die objektive Bewertung der eingesetzten Maßnahmen zur Steigerung von Nachhaltigkeit essenziell. Zu den aktuell größten Herausforderungen in der nachhaltigen Softwareentwicklung zählt die Bewertung des tatsächlichen CO2-Fußabdrucks digitaler Lösungen. In Ermangelung geeigneter Methoden und Standards können beispielsweise Cloud-Computing-Anbieter bis heute keine valide Aussage darüber treffen, mit welchen Treibhausgasemissionen oder Energieverbräuchen ihre Dienstleistungen verbunden sind.
Die OSB Alliance folgte deshalb 2022 gemeinsam mit vier starken Konsortialpartnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Industrie mit dem Konzept ECO:DIGIT dem Förderaufruf des BMWK für den „GreenTech Innovationswettbewerb – Digitale Technologien als Schlüssel für die ökologische Transformation der Wirtschaft“. Ziel aller geförderter Projekte ist „die Entwicklung, Erprobung und Anwendung von Plattformen, Werkzeugen, Methoden, Geschäftsmodellen, Nutzungsmodellen oder Standards für die wirtschaftliche Erschließung und Integration digitaler Technologien im Anwendungsfeld Nachhaltigkeit.“ Das Konzept von ECO:DIGIT konnte sich in der Kategorie „Messung der Nachhaltigkeit mit digitalen Technologien“ durchsetzen und startete offiziell am 01.06.2023.
Die OSB Alliance als Träger des Sovereign-Cloud-Stack-Projekts ist sehr am Thema Nachhaltigkeit und an den Ergebnissen des Projektes ECO:DIGIT interessiert und hält diese für sehr vielversprechend sowohl in technisch-wissenschaflicher Hinsicht als auch im Hinblick auf dadurch mögliche Erschließung von wirtschaflichen Nachhaltigkeitspotenzialen für die Wirtschaft.
Dabei stehen ECO:DIGIT und SCS in einem engen Zusammenhang: Es ist beabsichtigt, das im ECO:DIGIT-Projekt entwickelte Messverfahren und die Sensorik in SCS zu integrieren und die Ergebnisse den Nutzern über entsprechende Monitoring-Funktionen in einem Reporting zur Verfügung zu stellen. Die Erwartung ist, dass dieses Monitoring eine genauere und differenziertere Bilanzierung bieten kann als bei den proprietären Hyperscalern. ECO:DIGIT liefert somit auch eine wichtige Erweiterung des SCS-Projekts um den Aspekt des nachhaltigen Betriebs softwarebasierter digitaler Infrastrukturen.
Motivation und Ziele des Konsortiums
Für den Sovereign Cloud Stack ist es von strategischer Bedeutung, beim Thema Sustainability und Green IT in der Lage zu sein, für die Nutzer aussagekräftige Daten liefern zu können. Dazu arbeitet die OSB Alliance eng mit den beiden Partnern scaleUp Technologies GmbH & Co. KG sowie plusserver GmbH im Bereich des Datentransfers zwischen Rechenzentrum und Softwareebene zusammen.
Aus Perspektive der adesso SE verspricht das Projekt ein hohes Potenzial zur Verwertung der Ergebnisse in der nachhaltigen Gestaltung von zukünftigen Softwareprojekten und Software-Produkten. Aktuell werden derartige Lösungen bei Kunden und am Markt immer stärker nachgefragt. In Ermangelung erprobter und zuverlässiger Lösungen blieben diese Potenziale bisher ungenutzt. Aus diesem Grund wurde entschieden, die Lösung im Rahmen dieses Projekts selbst zu entwickeln.
Aus Sicht der Siemens AG ist eine breite Nutzung und Verwertung der Projektergebnisse vorgesehen. Als Hersteller unterschiedlichster industrieller Softwarelösungen besteht bei Siemens großes Interesse an einer transparenten Bewertungsmethodik für Optimierungs- und Benchmarking im Bereich des Edge/Cloud Computing, insbesondere durch Hinzunahme der Netzwerkfunktionen. Zu möglichen Anwendungsgebieten gehört u.a. der Industrial Edge Marketplace.
Technologische Herausforderungen und Vision eines Nachhaltigkeitsmonitors
Technisch wird die Entwicklung der Plattform in zwei Phasen aufgeteilt. Parallel zur Entwicklung der Methodik werden zunächst die Schnittstellen zwischen Hardware und Software hergestellt, um einen umfassenden Austausch der Messwerte zu ermöglichen. Dies ist die Voraussetzung, um die tatsächlich gemessenen Werte mit den in den Softwarelösungen berichteten Angaben abzugleichen. In einer zweiten Phase wird die Messung anhand der gesammelten Daten und Erkenntnisse virtualisiert, sodass zusätzlich die Möglichkeit besteht, die Verbrauchswerte auf Basis eines digitalen Zwillings ohne tatsächliche Ausführung und Livemessung der physischen Infrastruktur zu ermitteln.
Die Lösung basiert auf vier Schichten, deren Zusammenspiel die präzise Messung der Umweltauswirkungen der zu vermessenden Systeme erlaubt. Zwischen den auszumessenden Systemen – den Use Cases – und den Services dient die Abstraktionsschicht des Prüfstandes zur Orchestrierung der Mess- und Testverfahren. Auf dieser Ebene können Systeme zur Prüfung bereitgestellt werden. Auf Ebene der Use Cases werden unterschiedlich komplexe verteilte und monolithische Systeme als Anwendungsbeispiele bereitgestellt. Über Schnittstellen tauschen die Schichten Daten aus und ermöglichen so den Abgleich und die Simulation von Messwerten.
Einzigartig ist das Vorhaben auch durch die Anpassbarkeit, durch die die jeweiligen Top-Entscheiderinnen und -entscheider ihre bevorzugten Indizes, Branchen, Fokus-Themen oder auch einzelne Vergleichs-Systeme für ihr persönliches Scoring vorgeben können.
Vertiefende Details zum Projekt sowie aktuelle Entwicklungen und Ergebnisse werden auf der Projektseite der OSB Alliance und auf der Homepage des Projektes ECO:DIGIT auf www.ecodigit.de veröffentlicht.


