Wie bleiben Verwaltung und Mittelstand digital handlungsfähig, wenn geopolitische Spannungen, technologische Abhängigkeiten und der rasante Fortschritt bei KI und Cloud den Druck erhöhen?
Diese Frage steht im Mittelpunkt einer bundesweiten Veranstaltungsreihe im Rahmen einer Initiative der Softwareallianz Deutschland GmbH (SWAD) in Kooperation mit dem Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi) und der Open Source Business Alliance – Bundesverband für digitale Souveränität e.V. (OSBA). Das „Forum für Digitale Souveränität“ ist offen für alle Interessierten und setzt bewusst auf Dialog: Es bringt Menschen aus Verwaltung, Politik, Softwareunternehmen, IT-Dienstleistung und Forschung an einen Tisch.
Austausch auf Augenhöhe zu einem Thema, das alle angeht
Digitale Souveränität ist für öffentliche Verwaltung und Wirtschaft eine zentrale Voraussetzung, um bei Software, Infrastruktur und Künstlicher Intelligenz unabhängig und zukunftsfähig zu bleiben.
Doch viele Fragen sind offen: Wie lässt sich Infrastruktur unabhängig betreiben? Wie werden Daten und geistiges Eigentum nachhaltig geschützt? Und wie entstehen souveräne Cloud-Dienste, die leistungsfähig und nutzerfreundlich sind? Welche Risiken entstehen aus beschränkten Wahlmöglichkeiten und wie kann man diesen begegnen?
Genau hier setzt das Forum an. Digitale Souveränität bedeutet für die Initiatoren, dass digitale Technologien bewusst, sicher und selbstbestimmt eingesetzt werden können.
„Digitale Souveränität ist mehr als Datenschutz, europäische Clouds oder die Frage, wo ein Server steht. Sie bedeutet, digitale Grundlagen zu verstehen, mitzugestalten und im Ernstfall selbst kontrollieren zu können“, sagt Peer Heinlein, Vorstandsmitglied der Open Source Business Alliance (OSBA).
Dazu gehört der konsequente Einsatz von Open Source: Wer den Code kontrollieren kann, behält Handlungsfreiheit. Open Source Software kann unabhängig geprüft, angepasst, betrieben und weiterentwickelt werden. Organisationen sind dadurch weniger von einzelnen Herstellern und deren Geschäftsentscheidungen abhängig.
Der IT-Mittelstand versteht sich dabei als Enabler, der Behörden und Verwaltung konkret zu mehr Resilienz, Innovationsfähigkeit und Sicherheit begleitet. Das Format folgt fünf Leitgedanken:
• Neutralität: keine Produkt- oder Anbieterwerbung, sondern Austausch auf Augenhöhe
• Praxis im Fokus: konkrete Herausforderungen und Lösungsansätze
• Perspektivenvielfalt: Behörden, Unternehmen und Dienstleister gemeinsam
• Relevanz: digitale Souveränität als Standort-, Sicherheits- und Zukunftsthema
• Regionalität: dezentrale Veranstaltungen mit bundesweiter Relevanz
Die ersten Stationen: Hamburg, Frankfurt, Berlin
Jede Station verbindet eine Keynote aus Verwaltung oder Wissenschaft mit einer Paneldiskussion und bietet ausdrücklich Raum für Fragen und Gespräche mit dem Publikum.

Hamburg (Nord)
6. Oktober 2026, 16:45 bis 20:00 Uhr
Top Technologies Consulting, Halstenbek
Bei der Auftaktveranstaltung ist Sven Thomsen, CIO des Landes Schleswig-Holstein zu Gast. Er teilt seine Erfahrungen aus der umfangreichen Umstellung der Landesverwaltung auf Open Source. Gleichzeitig geht es um die positiven Aspekte, die eine Öffnung der Wertschöpfungsketten für regionale Partner mit sich bringt. Im anschließenden Panel „Souverän und resilient: Wie der Mittelstand handlungsfähig bleibt“ diskutiert er mit Hato Nordeck (Nordeck IT) und Dr. Ralph Huesmann (SWAD), moderiert von Christian Schmidt (simplexion GmbH), über die nächsten Schritte und darüber, wie KMU und regionale Unternehmen sich positionieren können.
Frankfurt (Wiesbaden)
9. Oktober 2026, 10:00 bis 13:00 Uhr
IHK Wiesbaden
Prof. Dr. Dirk Loomans, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Mainz und früher CISO bei Infineon sowie Partner bei KPMG, fragt in seiner Keynote: „Frei im Code. Aber auch souverän? Warum digitale Souveränität mehr ist als Open Source.“ Sein Fazit: Souverän ist, wer entscheiden kann. Im Panel „Souverän genug für den nächsten Markt?“ diskutieren Loomans, Stephan Simmang (Börse Stuttgart), Denis Gutenberger (DG Nexolution) und Andreas Mertens (avameo GmbH), moderiert von Alexander Häussermann (Zukunft aus Identität).
Berlin
12. Oktober 2026, 17:00 bis 20:00 Uhr
The EMB Berlin
Dirk Meyer-Claassen, Abteilungsleiter „Strategie, Steuerung, Recht und Prozesse (CDO-Aufgaben)“ in der Senatskanzlei Berlin, spricht über „Digitale Souveränität als Grundlage für einen modernen Staat“. Er zeigt anhand von Kennzahlen die Abhängigkeiten der öffentlichen IT auf und stellt die Berliner Open-Source- und Multi-Cloud-Strategie vor. Im Panel „Auf dem Weg zu sicherer und wirksamer digitaler Souveränität“ diskutieren Meyer-Claassen, Simon Pentzien (Rechtsanwalt), Peer Heinlein (Open Source Business Alliance) und BITMi-Vizepräsident Christian Gericke, moderiert von Kai Bowenkamp (evolving Systems).
Nach Hamburg, Frankfurt und Berlin ist das Forum an insgesamt rund zehn Standorten in Deutschland geplant. Details zu den weiteren Terminen in Nürnberg (26.10.), Leipzig (12.11.), Hannover, München, Stuttgart und Köln werden laufend auf der Website der Softwareallianz bekannt gegeben.
Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich unter softwareallianz.de. Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Softwareunternehmen, IT-Dienstleistung, Open-Source-Ökosystem, Cloud- und Plattformbetrieb sowie KI und Verwaltungsmodernisierung sind eingeladen, sich mit eigenen Impulsen einzubringen.

