Die Open-Source-Transformation in Dänemark hat 2025 enorm Fahrt aufgenommen. Die öffentliche Verwaltung will auf Open Source Software umsteigen, um die digitale Souveränität des Staates zu schützen. Im Zuge dessen hat sich auch ein dänischer Open-Source-Unternehmensverband gegründet, denn die Verwaltung ist auf die Open-Source-Industrie angewiesen, wenn sie ihre ambitionierten Open-Source-Ziele umsetzen will.

Digitale Souveränität ist essenziell für Dänemark

Dänemark spürt die expansionistischen Ansprüche des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump deutlicher als manch anderes europäisches Land: Trump hat immer wieder angekündigt, dass er Grönland annektieren will – die Insel ist ein autonomer Teil des dänischen Staatsterritoriums. Vor dem Hintergrund der diplomatischen Spannungen steigen in der dänischen Politik die Befürchtungen, dass im Rahmen von Sanktionen der Zugriff auf digitale Infrastrukturen US-amerikanischer Anbieter gesperrt werden könnte. Fünf vor zwölf also um Alternativen zu den proprietären Softwarelösungen aufzubauen, die der dänische Staat selbst kontrollieren und gestalten kann.

Den ersten Schritt machten die beiden größten dänischen Kommunen Kopenhagen und Aarhus, die ankündigten, sich von Microsoft-Produkten ablösen zu wollen. Dem folgte die dänische Digitalministerin, die im Juni 2025 ebenfalls ankündigte, Microsoft-Produkte Schritt für Schritt durch Open-Source-Lösungen ersetzen zu wollen. Im ersten Schritt sollen im Ministerium die Hälfte aller Arbeitsplätze auf LibreOffice umgestellt werden. Das Vorgehen ähnelt der Open-Source-Transformation in Schleswig-Holstein.

Dänemark gilt als eines der europäischen Länder, dessen Verwaltungsdigitalisierung sich bereits auf hohem Niveau befindet. Das ist sicher eine gute Voraussetzung, um die Open-Source-Transformation mit großen Schritten voranzutreiben.

Der dänische Open-Source-Unternehmensverband gründet sich

Im Frühsommer 2025 gründete sich der dänische Open-Source-Unternehmensverband „Danske Open Source Leverandører“ (DOSL). In dem Verband haben sich dänische Open-Source-Hersteller zusammen geschlossen. Ihr Ziel ist eine IT-Branche, die digitale Souveränität priorisiert. Hierfür sollen Hersteller-Unabhängigkeit, offene Standards und modulare Systeme promotet werden.

Anfang Juni 2025 trat der neue dänische Open-Source-Verband in den europäischen Open-Source-Dachverband APELL ein. DOSL-Vorstandsmitglied Morten Kjærsgaard erklärte die Absicht der dänischen Open-Source-Unternehmen, sich gemeinsam mit anderen europäischen Open-Source-Verbänden auch auf EU-Ebene in der Politik für digitale Souveränität und Open Source Software stark machen zu wollen. Gemeinsam können die europäischen Open-Source-Unternehmen leistungsfähige und skalierbare Angebote auf den Markt bringen und die Interessen der europäischen Open-Source-Industrie in Brüssel repräsentieren.

Den Schwung der dänischen Open-Source-Transformation nutzen

Der schnelle und konsequente Umstieg der dänischen Verwaltung auf Open Source Software zieht in Europa viele Augen auf sich. Auch für die deutsche Verwaltung kann Dänemark ein inspirierendes Vorbild sein, das zeigt, wie schnell der Aufbau von Open-Source-Alternativen angegangen werden kann, wenn nur der ernste politische Wille wirklich da ist.

Am 23. Oktober 2025 findet in Kopenhagen eine spannende Veranstaltung statt, an der sowohl dänische Regierungs- und Behördenvertreter:innen sowie Mitglieder der dänischen Open-Source-Industrie teilnehmen werden: „Open Source and the European Union | Denmark | OFE Capital Series„. Die eintägige Konferenz wird sicher sowohl inhaltlich sehr anregend als auch ein besonders interessantes Netzwerkevent.

Auch OSBA-Mitglieder werden aus Deutschland zu der Veranstaltung anreisen. Ein Austausch zwischen den dänischen und den deutschen Open-Source-Unternehmen kann zu neuen Partnerschaften und Business Opportunities führen und einen Wissensaustausch ermöglichen. Wer Interesse an einem Austausch mit den dänischen Open-Source-Unternehmen hat, kann sich gerne bei OSBA-Mitglied Benjamin Kolbe melden, unserem OSBA-Ansprechpartner in Schleswig-Holstein: kolbe@osb-alliance.com