Die sächsische Staatsverwaltung hat Ende Juni 2023 ihre Open-Source-Strategie veröffentlicht. Darin legt sie konkrete Kennzahlen und und Zielgrößen fest, um den Einsatz von Open Source Software in der öffentlichen Verwaltung zu auszuweiten. Dadurch sollen Abhängigkeiten von proprietären Anbietern reduziert werden.

Nachdem der sächsische Landtag im November 2022 beschlossen hatte, dass die Landesregierung mit der Erarbeitung einer Open-Source-Strategie beauftragt werden soll, ist diese nun veröffentlicht worden. Die Open Source Business Alliance hatte in der Entstehungsphase die Gelegenheit, eine Stellungnahme zu einem frühen Entwurf der Strategie abzugeben.

Schwerpunkte der Strategie

Daniel Gerber, Abgeordneter im sächsischen Landtag für Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied der OSB Alliance, hat bereits auf seiner Webseite die Schwerpunkte und Ziele der Open-Source-Strategie zusammengefasst:

  1. Unerwünschte Abhängigkeiten werden ermittelt und reduziert.
  2. Ein verbindlicher Umsetzungspfad wird anhand von überprüfbaren Kriterien erarbeitet.
  3. Verantwortliche werden in Entscheidungsprozessen gegenüber den Vorteilen von Open Source-Lösungen sensibilisiert.
  4. Durch transparente Kommunikation und Schulungen wird die Akzeptanz der Verwaltungsmitarbeitenden gegenüber Open Source-Software gefördert.
  5. Innerhalb der Verwaltung wird zu Vernetzung und Austausch angeregt, gleiches gilt für die Kommunikation mit verschiedenen Stakeholdern außerhalb der Verwaltung.
  6. Zeitgleich werden Prüfung und Anpassung von gesetzlichen Rahmenbedingungen festgeschrieben, um den vermehrten Einsatz von Open Source-Software in Sachsen zu ermöglichen und zu verbessern.

Ein bisschen Luft nach oben

Die Open Source Business Alliance begrüßt die veröffentlichte sächsische Open-Source-Strategie ausdrücklich.

An einigen Stellen bleibt die Strategie leider etwas zu unverbindlich. So soll beispielsweise zwar ermittelt werden, wie groß der Anteil der bereits in der Verwaltung eingesetzten Open Source Software ist, aber es wird keine Zielmarke benannt, wie hoch der eigentlich erwünschte Anteil von Open Source sein sollte.

Zudem bleiben einige Ziele und Kennzahlen auf einer recht abstrakten Ebene. Beim Ziel 2 „Umsetzungspfad“ geht es um die Anpassung bestehender Prozesse und um den Umstieg auf Open-Source-Lösungen. Hier wird aber die Gelegenheit verpasst, konkrete Ansatzpunkte zu nennen, wie diese Anpassung bzw. der Umstieg vonstatten gehen soll, was dem Umsetzungspfad von Anfang an mehr Schlagkraft geben würde.

Die Strategie lässt auch die Benennung konkreter Projekte vermissen, die den Menschen in der Verwaltung Lust auf Open Source machen können, und die ihnen die Gelegenheit geben, Neues auszuprobieren und zu entdecken, wie Open Source den Verwaltungsalltag verbessern kann. Denn die Umsetzung von Pilotprojekten ermöglicht es, Erfahrungen zu sammeln, Verwaltungsmitarbeitende mit Open Source Software in Berührung zu bringen oder Schulungen am konkreten Beispiel durchzuführen. Dadurch könnte die Verwaltung herausfinden, was für sie gut funktioniert oder wo es noch andere, bisher unbekannte Bedarfe gibt.

Vorlage für andere Bundesländer

Sachsen geht mit seiner jetzt beschlossenen Open-Source-Strategie dennoch grundsätzlich in die richtige Richtung und zeigt, dass es der Landesregierung ernst ist mit dem verstärkten Einsatz von Open Source in der öffentlichen Verwaltung. Die Open Source Business Alliance begleitet und unterstützt die weiteren Aktivitäten und Initiativen in Sachsen natürlich gerne.

Die sächsische Open-Source-Strategie könnte so auch ein Vorbild oder eine Inspiration für andere Bundesländer sein, die sich ebenfalls aktuell intensiver mit dem Einsatz und den Vorzügen von Open Source in der Verwaltung befassen. So ist beispielsweise aktuell auch in Berlin eine eigene Open-Source-Strategie in Arbeit.

Die vollständige Open-Source-Strategie der sächsischen Staatsverwaltung ist hier zu finden.