Nach drei Jahren Forschungs- und Entwicklungsarbeit hat das Projekt „Enabling green COmputing and DIGItal Transformation“ (ECO:DIGIT) zum 31. Mai 2026 seinen Abschluss gefunden. Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Projekt hat in diesem zentrale Grundlagen für eine objektive Bewertung des ökologischen Fußabdrucks von Softwarelösungen erarbeitet. Gemeinsam mit adesso SE, dem Öko-Institut, Siemens, der Gesellschaft für Informatik sowie den OSBA‑Mitgliedern ScaleUp Technologies und plusserver war die Open Source Business Alliance (OSBA) seit Herbst 2023 Teil dieses Verbunds.

Der Informations- und Kommunikationssektor (IKT) verursacht jährlich über 2 % der globalen CO₂-Emissionen, etwa so viel wie der weltweite Flugverkehr. Gleichzeitig fehlen am Markt bis heute belastbare Werkzeuge, mit denen Anbietende und Anwender:innen den ökologischen Fußabdruck verteilter Softwaresysteme ganzheitlich erheben und vergleichen können. Cloud-Anbieter sind in der Regel nicht in der Lage, fundierte Aussagen über die mit ihren Diensten verbundenen Treibhausgasemissionen zu treffen. Genau diese Lücke adressiert ECO:DIGIT. Ziel war es, Transparenz, Objektivität und Standardisierung in die Bewertung digitaler Infrastrukturen zu bringen, als Grundlage für regulatorische Anforderungen, fundierte Beschaffungsentscheidungen und eine glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation.

Gemeinsam mit den OBSA-Mitgliedern ScaleUp Technologies und plusserver hat die OSBA das Arbeitspaket „Messverfahren Cloud“ verantwortet. Im Mittelpunkt unserer Arbeit standen zwei Fragen: Wie lassen sich Cloud-Umgebungen in einem zentralen Prüfstand für die Ökobilanzierung abbilden, und wie kann ein Nachhaltigkeitsmonitoring direkt auf einer SCS-konformen Cloud-Umgebung in Echtzeit umgesetzt werden? Der Sovereign Cloud Stack (SCS) bildet dafür die zentrale technische Grundlage.

Im Projektverlauf sind mehrere konzeptionelle und technische Artefakte entstanden, die allesamt quelloffen unter Open-Source-Lizenzen veröffentlicht wurden. Mit Leaf (Lifecycle based Environmental Assessment of Footprints) liegt eine Referenzimplementierung für ein Nachhaltigkeitsmonitoring auf SCS-konformen Cloud-Plattformen vor. Leaf führt eingebettete Emissionen aus der Herstellung mit operativen Emissionen aus dem Cloud-Betrieb zusammen und bilanziert vier Umweltwirkungskategorien: Treibhauspotenzial, abiotischer Ressourcenverbrauch, kumulierter Energieaufwand und Wasserverbrauch – aggregiert auf Geräte-, Provider-, Projekt- und VM-Ebene. Ergänzt wird Leaf durch den Energyprofiler zur Erstellung von Energieprofilen auf Bare-Metal-Servern und durch die Werkzeuge Lumos und Rosserts zur reproduzierbaren Lastenerzeugung in OpenStack-Umgebungen. Übergreifend wurde ein SCS Standard als Entwurf der Community bereitgestellt. Dieser ist bewusst nicht an einen konkreten Software-Stack gebunden und kann damit auch alternativen Implementierungen als Vorlage dienen.

Zu den Projektergebnissen wurden über die gesamte Laufzeit hinweg verschiedene Veröffentlichungen in die Community getragen, u. a. auf der FOSDEM 2025 und der Open Source Monitoring Conference (OSMC) im Herbst 2025 mit dem Titel „Measure what you manage: Sustainability monitoring in digitally sovereign clouds“.

Vor dem Hintergrund wachsender regulatorischer Anforderungen und der zunehmenden Bedeutung digitaler Souveränitätbilden die im Projekt entstandenen Ergebnisse eine wertvolle Grundlage für die nachhaltige Weiterentwicklung souveräner Cloud-Infrastrukturen.