Hallo und herzlich willkommen in der OSB Alliance! Kannst Du Dich und Dein Unternehmen kurz vorstellen?

Mein Name ist Martin Loschwitz, ich bin seit Ende der 90er-Jahre im Open-Source-Umfeld unterwegs, zunächst als Hobby, seit vielen Jahren nun aber auch beruflich. Der ein oder andere hat möglicherweise schonmal einen Text von mir auf Heise, in der iX oder im Linux-Magazin gelesen, denn der Journalismus ist meine erste und bis heute liebste Leidenschaft. Ganz oft geht es in meinen Artikeln aber im Open-Source-Software und die Frage, wie diese sich sinnvoll im RZ der Gegenwart nutzen lässt.

Die True West erbringt Dienstleistungen in allen Bereichen skalierbarer Infrastruktur. Hier geht es also ganz konkret um große In-House-Plattformen, skalierbaren Speicher, skalierbare Netze sowie Produkte wie OpenStack, Ceph, Kubernetes oder darauf aufbauende Anwendungen. Wir befassen uns aber auch mit klassischen Brot-und-Butter-Themen des IT-Alltags, etwa der Virtualisierung, bei der wir stets versuchen, Open-Source-Software so gut wie möglich beim Kunden zu platzieren und zum Einsatz zu bringen.

Was bedeutet für Dich digitale Souveränität?

Digitale Souveränität bedeutet für mich, bei der Wahl seiner Technologien und bei der Wahl seiner Dienstleister echte Entscheidungsfreiheit zu haben. Das ist nur möglich, wenn mehrere Bedingungen erfüllt sind. Denn einerseits muss ich in der Lage sein, mein Setup schnell von einem Anbieter zum anderen umzuziehen, wenn das wirtschaftlich oder technisch sinnvoll ist. Das geht aber nur, wenn offene Schnittstellen zum Einsatz kommen, die mithin eine zentrale Rolle im Themenkomplex der digitalen Souveränität spielen. Und andererseits muss es eben auch tatsächlich verschiedene Anbieter am Markt geben, zwischen denen eine echte Auswahlmöglichkeit gegeben ist, idealerweise auf verschiedene Standorte verteilt.

Vor diesem Hintergrund sehe ich „souveräne“ Clouds, wie sie aus PR-Gründen gerade massenhaft entstehen, in den meisten Fällen sehr kritisch. Denn hier stellen die Anbieter vor allem auf die Frage ab, wo die Daten denn liegen. Zum Teil hat die Politik das provoziert: Indem man eigene politische Interessen an digitale Dienste geknüpft hat, hat man bei vielen das Bild im Kopf etabliert, digitale Souveränität sei schon dann gegeben, wenn die Daten auf Servern irgendwo in Europa liegen. Das greift aber deutlich zu kurz. Zugegeben, es gibt ungeklärte Themen in Sachen Datenschutz, was die Nutzung von Diensten aus Drittländern durch Kunden innerhalb der EU betrifft, gerade auch im Kontext der DSGVO. Digitale Souveränität lässt sich aber gerade nicht dadurch erreichen, dass man die jeweiligen Server einfach in ein europäisches RZ stellt und gut. Wer sein gesamtes Setup auf AWS oder Azure hin optimiert, hängt auch dann noch am Fliegenfänger des Anbieters, wenn dessen Infrastruktur in Frankfurt, Oslo oder Wien steht. Offene Standards und offene Schnittstellen, seit jeher Kernanliegen der Open-Source-Gemeinde, spielen daher im Hinblick auf digitale Souveränität eine zentrale Rolle.