Das war die OSBA Connect 2024

Die Jahrestagung der Open Source Business Alliance heißt seit diesem Jahr OSBA Connect. Am Format und der Location der beliebten Veranstaltung hat sich jedoch nichts geändert. Vormittags versammelten sich die Mitglieder der OSBA für die Treffen der Working Groups und die Mitgliederversammlung des Verbands, bei der auch der neue Vorstand gewählt wurde. Das Konferenz-Programm am Nachmittag stand in diesem Jahr unter dem Motto „Durchstarten mit Open Source!“

Jetzt wird‘s souverän: Das Zentrum für digitale Souveränität nimmt Fahrt auf

Bereits im März 2020 hatte der IT-Planungsrat beschlossen, dass die Stärkung der Digitalen Souveränität der öffentlichen Verwaltung von Bund und Ländern gemeinsam und kontinuierlich vorangetrieben werden muss. Daraus entstand im Jahr darauf das Organisationskonzept für das „Zentrum für Digitale Souveränität“ (ZenDiS). Im Januar 2024 konnte das ZenDiS in Bochum dann endlich operativ starten. Zahlreiche Mitarbeitende konnten seitdem eingestellt werden und das hochmotivierte Team treibt verschiedene spannende Open-Source-Projekte voran. Der Impulsvortrag von Pamela Krosta-Hartl wurde deswegen vom Publikum mit Spannung erwartet. Als Leiterin des Bereichs „Unternehmensstrategie & Kommunikation“ im ZenDiS berichtete sie über den aktuellen Stand der Dinge.

Pamela Krosta-Hartl, Leitung Corporate Strategy & Communication ZenDiS

Pamela Krosta-Hartl, Leitung Corporate Strategy & Communication ZenDiS

Um die bestehenden Abhängigkeiten der Behörden von Software-Anbietern zu verringern, sind digital souveräne Alternativen notwendig. Das ZenDiS stellt die Schnittstelle zwischen Open-Source-Anbietern und Behörden und ermöglicht es der Verwaltung, auf digital souveräne Software umzusteigen, ohne diese beispielsweise selbst ausschreiben zu müssen.

Unter der Verantwortung vom ZenDiS steht auch die Code-Plattform OpenCode, mit der Verwaltungen Open-Source-Code untereinander austauschen können. Dieses Open-Source-Repository für die Verwaltung erfreut sich zunehmender Beliebtheit und erscheint bald in einem neue Release. Seit Oktober 2024 steht Behörden zudem auch die Open Source Office- und Collaboration-Suite OpenDesk zur Verfügung. Schon jetzt nutzen mehrere tausend Mitarbeitende in öffentlichen Projekten OpenDesk und viele Behörden haben Interesse an der Nutzung.

Die Aufgaben und Ziele des ZenDiS sind vielfältig und vielversprechend, von der Unterstützung der Bundesagentur profitieren Behörden und Open-Source-Anbieter gleichermaßen. Das Publikum in Berlin zollte der besonderen Bedeutung und der herausragenden Arbeit des ZenDiS seinen Respekt: Pamela Krosta-Hartl wurde mit minutenlangem Applaus verabschiedet.

Werkstattbericht “Streaming OS” – das Open-Source-Projekt von ARD und ZDF

Die Mediatheken von ARD und ZDF sollen zusammenwachsen. Nicht inhaltlich, aber in der gemeinsamen Entwicklung der technologischen Basis für die Streaming-Dienste der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Die Entscheidung, dass die neue Mediathek-Technologie als Open Source entwickelt werden soll, ist nicht nur der Ressourcen-Bündelung und der kollaborativen Entwicklung geschuldet. Auch die Verpflichtung zu „Public Money – Public Code“ spielte für die öffentlich finanzierten Sender eine wichtige Rolle erklärte Holger Meier, der mit der digitalen Produktentwicklung der ZDF Mediathek betraut ist: „Gebührenfinanzierte Arbeit soll an den Markt zurück gegeben werden, Open Source ist ein öffentlich-rechtliches Thema“.

Holger Meier, Digitale Produktentwicklung ZDFmediathek

Seit Februar arbeiten die Teams von ARD und ZDF zusammen und sind zuversichtlich, dass sie mit der Kooperation langfristig bessere Produkte entwickeln können. Der politische Auftrag: Kooperation bei ausgewählten Komponenten, wo es sinnvoll ist, wie etwa bei Login und Nutzerprofil und der Player-Technologie. Auch die Partnersuche sei in der Open-Source-Community deutlich einfacher als bei öffentlichen Ausschreibungen, betonte Holger Meier. Als Vorbild für das Open-Source-Engagement von ARD und ZDF dient auch der britische Sender BBC, der schon lange auf Open Source setzt. Gleichzeitig machte Holger Meier deutlich: Das Open-Source-Projekt von ARD und ZDF steht noch ganz am Anfang seiner spannenden Reise.

Podiumsdiskussion mit Industrievertretern: Open Source in der Wirtschaft – Pain or Gain?

OSBA-Vorstandsmitglied Lothar Becker hat 2024 im Verband die Task Force „Open Source in Wirtschaft und Industrie (WuI)“ gegründet, um eine bessere Vernetzung von Akteuren aus der Industrie mit der Open-Source-Branche zu fördern. Um dem Stellenwert von Open Source in der Wirtschaft auf den Puls zu fühlen, bat er drei Industrievertreter für eine Podiumsdiskussion auf die Bühne. Karol Sarosiek, Senior Public Affairs Strategist der CARIAD SE berichtete über die Bedeutung von Open Source bei der Software-Tochter des Volkswagen-Konzerns. Werner Hehenwarter beschrieb als Vorstandsmitglied der Kieselstein ERP eG die Verwandlung seines proprietären Software-Unternehmens hin zu einer Open-Source-Software-Genossenschaft. Cornelius Schumacher erklärte in seiner Funktion als Open Source Steward der DB Systel GmbH die Open Source Strategie der Digital-Tochter der Deutschen Bahn.

v.l.n.r. Karol Sarosiek, Werner Hehenwarter, Cornelius Schumacher, Lothar Becker

v.l.n.r. Karol Sarosiek, Werner Hehenwarter, Cornelius Schumacher, Lothar Becker

Lothar Becker fragte die Podiums-Gäste nach den Gains und Pains bei der unternehmensinternen Transformation zu Open Source. Bei der VW-Tochter CARIAD SE konzentriert sich die Open-Source-Zusammenarbeit vor allem auf das Entertainment-System, bei dem es durch den geteilten Aufwand der Gesamt-Entwicklung viel einfacher ist, sich auf die einzelnen Komponenten zu fokussieren, berichtete Karol Sarosiek. Doch auch in anderen Software-Bereichen eines modernen Fahrzeugs kommt Open Source zum Einsatz. Sicherheitsanforderungen, nicht nur in Bezug auf selbstfahrende Systeme und die Wahrung von Firmengeheimnissen, stellen jedoch eine Herausforderung dar. Deswegen müssen Open-Source-Entwickler für die Projekte klare Regeln und Prozesse einhalten und dürfen nicht ohne weiteres ihre Codes als Open Source freigeben.

Für Werner Hehenwarter hat der Entschluss, seine ERP-Software als Open Source Software freizugeben, zu einer kompletten Umwandlung seines Software-Unternehmens geführt. Als er im Jahr 2010 plante, es zu verkaufen, begegnete er einem Vertreter der Open Source Business Alliance, dem es gelang, Werner Hehenwarter von den unternehmerischen Vorteilen des Umstiegs auf Open Source überzeugen. Dieser sprach deswegen mit seinen Kunden, von denen viele ein starkes Interesse am Erhalt und der Weiterentwicklung Ihrer ERP-Software hatten und gründete gemeinsam mit ihnen die Kieselstein ERP eG. Die Genossenschaft hat den Code von Kieselstein ERP im Jahr 2020 als Open Source veröffentlicht und entwickelt ihn seitdem kontinuierlich weiter. Jedes der 33 Genossenschafts-Mitglieder betreibt als Anwender sein eigenes ERP-System. Werner Hehenwarter bereut seine Entscheidung nicht: Mit der Genossenschaft hat er eine eigene, sehr stabile und motivierte Community aufgebaut, seine früheren Kunden sind heute Mitgestaltende. Das ändert so manches, aber es lohnt sich, erklärt Werner Hehenwarter: „Wir treffen alle Entscheidungen gemeinsam. Das kann manchmal sehr lange dauern, aber dann sind sie gut.“

Auch für die Deutsche Bahn hat die Reise mit Open Source schon vor langem begonnen und im letzten Jahr hat das Unternehmen sein sehr lesenswertes Open Source Manifest veröffentlicht. Open Source ist bei der DB Systel GmbH, der Software-Tochter der Deutschen Bahn, ein fester Bestandteil der Unternehmenskultur: „Wir streben danach, ein „Good Open Source Citizen“ zu sein und Verantwortung als Teil des Ökosystems zu übernehmen“ erklärt das Manifest. Der Open-Source-Beitrag in Form von Open-Source-Projekten ist beachtlich, die Zusammenarbeit und der Austausch geschieht oft auch europaweit über die Mitgliedschaft in der Open Rail Association. Für den Open Source Steward der DB Systel, Cornelius Schumacher, besteht kein Zweifel daran, dass die Zukunft der Digitalisierung Open Source ist: „In zehn Jahren wird man nur noch über Software sprechen, dann ist Open Source eine selbstverständliche Eigenschaft der IT.“

Connect

Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung bot die OSBA Connect wie jedes Jahr (und wie es sich für ein gelungenes Open-Source-Event gehört) natürlich auch reichlich Zeit und Möglichkeiten für den Austausch mit alten und neuen Bekannten. Einige Vertreter:innen von Mitgliedsunternehmen waren zum ersten Mal dabei, um die OSBA endlich „live“ zu erleben. Gerade für Neumitglieder boten sich viele Gelegenheiten, Mitglieder der Working Groups, das Team und den Vorstand der OSBA und viele andere spannende Gäste persönlich kennenzulernen.

Wir freuen uns jetzt schon auf das Wiedersehen im nächsten Jahr!