Dortmund lotet Open-Source-Möglichkeiten aus

Die Ruhrpott-Metropole erweitert ihre Charta Digitales Dortmund über Open Data hinaus. Jetzt soll ein Projekt auch untersuchen, wo sich künftig Open-Source-Software verwenden lässt. Von Ludger Schmitz*

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Der Verwaltungsvorstand der Stadt Dortmund hat Anfang April beschlossen, den Masterplan Digitale Stadtverwaltung um ein Projekt „Freie Software und Offene Standards“ zu erweitern (Pressemitteilung der Stadt). Eine gleichnamige Arbeitsgruppe soll in den nächsten zwei Jahren die Potenziale von Open Source für die Verwaltungs-IT analysieren und Ende 2019 einen Ergebnisbericht vorlegen. Noch etwas ist dabei hervorzuheben: Beteiligt in der Arbeitsgruppe ist auch die Bürgerinitiative Do-FOSS.

Quelle: Stadt Dortmund, modifiziert durch Ludger Schmitz

Um es klarzustellen: Dies ist kein Beschluss für mehr Open Source in der IT der Stadt Dortmund, sondern lediglich für eine Untersuchung. Aber das ist nicht zu unterschätzen. Denn vor drei Jahren hatte die Initiative Do-FOSS sich noch heftig beschwert, weil der städtische IT-Dienstleister seine IT-Planung mit Assistenz von Microsoft erstellte. Es ist also ein gutes Beispiel dafür, dass Open Source langen Atem braucht und sich kontinuierliches Engagement letztlich auszahlt.

Der Stadtrat hatte schon 2016 und 1017 die Verwaltung beauftragt, einen Masterplan Digitales Dortmund beziehungsweise Digitale Stadtverwaltung zu erarbeiten.

Der Stadtrat hatte schon 2016 und 1017 die Verwaltung beauftragt, einen Masterplan Digitales Dortmund beziehungsweise Digitale Stadtverwaltung zu erarbeiten. Das Zwischenergebnis war die „Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030“. Sie sah vor allem Open Data vor sowie die Anpassung an das E-Government-Gesetz von Nordrhein-Westfalen, das offene und standardisierte Dateiformate für die IT-Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgern vorschreibt.

Bild: AG Freie Software

Nach Darstellung in einem Blog-Beitrag der Do-FOSS-Initiative verbindet die Stadtverwaltung mit Freier Software und Offenen Standards durchaus bereits weitere Ziele: Reduzierung der Herstellerabhängigkeit, Verbesserung der Flexibilität und der Interoperabilität, Sicherstellung des Datenschutzes und der IT-Sicherheit, steuerbare Kostenstrukturen durch mehr Flexibilität bei der Anbieterwahl, Stärkung der Verhandlungsposition, Erhöhung der Archivierbarkeit digitaler Dokumente, mehr Synergien und Abbau von lizenzrechtlichen Hemmnissen in der interkommunalen Zusammenarbeit, Optimierung der Technikneutralität und der funktionalen Transparenz.

In der Arbeitsgruppe wird Do-FOSS neben verschiedenen Organisationseinheiten des städtischen Dortmunder Systemhauses (dosys) und dem Personalrat der Stadt vertreten sein. Das Projekt hat sich auf drei auf einander folgende Phasen verständigt. Zuerst geht es darum, Begriffe zu formalisieren und Anforderungen festzulegen sowie eine Bestandsaufnahme der bestehenden Infrastruktur vorzunehmen. In der zweiten Phase will die AG Potenziale von Open Source genauer analysieren, unter anderem indem sie Erfahrungen anderer Behörden einholt und kritische Erfolgsfaktoren identifiziert. Abschließend will sie Empfehlungen für konkrete Schritte der Stadt formulieren.

Do-FOSS beurteilt den Masterplan als eine „Möglichkeit, Freie Software und Offene Standards durch eine systematische Betrachtung ihrer Vorteile dauerhaft in der Stadtverwaltung zu verankern“. Das Ziel der Initiative ist es, „Konzepte zu entwickeln, wie die Stadt Dortmund mit Hilfe Freier und Quelloffener Software bzw. Offener Standards die digitale Anschlussfähigkeit ihrer Bürgerinnen und Bürger fördern kann“. Besonderes Augenmerk will Do-FOSS auf den „Erhalt der kommunalen Selbstverwaltungshoheit“, legen.

*Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.