Es läuft die zehnte jährliche Befragung zum „Future of Open Source Survey“. Bis zum 4. April sind Anwender und Entwickler von Open Source aufgerufen sich zu beteiligen. Träger der Umfrage sind Black Duck Software, ein auf Open Source spezialisiertes US-amerikanisches Beratungs- und Service-Unternehmen, und der Venture-Kapitalinvestor North Bridge. Hinter der Umfrage stehen als Sponsoren dutzende Softwarefirmen und Organisationen mit Open Source-Interessen, darunter einige Größen der IT-Branche. Zu diesen zählen erstmals auch die Open Source Business Alliance und als erste deutsche Firma Univention.

Im Kern dreht sich die Umfrage darum, wie Unternehmen mit Open-Source-Software umgehen.

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Die Themen umfassen dabei unter anderem die Beachtung der Lizenzformen, Update-Verhalten, eigene Beiträge zur Weiterentwicklung von Programmen, Selektionsprozesse und Entscheidungsebenen zum Einsatz von Open Source, Reviews und Umgang mit Bugs, Verfahren zur IT-Sicherheit etc. Es fällt auf, dass sich keine Frage der Verbreitung von Open-Source-Software gilt. Das Thema hat sich erledigt, Open Source ist überall.

Das war nicht immer so. In den vergangenen Jahren, vor allem an seinem Anfang, konnte der Open Source Survey mit Überraschungen aufwarten. Hier ergab sich nämlich, dass Open Source weiter verbreitet und vor allem zentraler positioniert wurde, als es die Befunde anderer Marktforscher vermuten ließen. Das hat möglicherweise die Gartners dieser Welt bewogen, die bis weit in die 2000er Jahre sehr kritische Beobachtung von Open Source aufzugeben und diese Art von Software mehr und nüchterner zu analysieren..

So kam bei Black Duck-Surveys heraus, dass Open Source nicht etwa einfach Trends wie Cloud, Big Data oder Mobile folgt, sonder sie in den Augen der Anwender innovativ anführt.

Die Qualität von Open Source-Programmen und erstklassige begleitende Services entpuppten sich als zentrales Motiv in der Beschaffungspolitik. Das führte dazu, dass Open Source zunächst ins Zentrum der Beschaffungspläne geriet, bis 2015 überraschend festgestellt wurde, dass 64 Prozent der Anwender der Maxime „Open Source First“ folgten. (Ergebnisse 2015)

2015-future-of-open-source-survey-results-600x320Nicht weniger überraschend war, dass Anwendern der Sourcecode keineswegs total Schnuppe ist. In fast zwei Dritteln der Unternehmen, die sich an der 2015er Umfrage beteiligten, gab es Mitarbeiter, die sich mit Verbesserungen an der Entwicklung von Open Source-Software beteiligten. Außerdem hatte die Mehrheit der Anwender erkannt, dass IT-Sicherheit nicht einfach davon abhängt, wie ernst man mit Security-Verfahren in der Praxis umgeht. Eine knappe Mehrheit war nämlich inzwischen der Ansicht, Software sei grundsätzlich sicherer, wenn sie Open Source ist.

So zweifelhaft Umfragen aller Art grundsätzlich sein mögen: Die Umfrage zum „Future of Open Source Survey“ richtet sich heutzutage explizit an Open Source-Anwender.

Sie vermittelt dadurch ein einigermaßen gutes Bild, wie diese mit Open Source umgehen und planen. Es lässt sich erkennen, wo sie Schwächen und Stärken sehen, wo der Schuh drückt und wo „es passt“. Die Ergebnisse der Umfrage bieten also umgekehrt für Open Source-Anbieter Hinweise, in welche Richtungen sie und ihre Partner ihr Angebot steuern sollten.

Sachpreise gibt es für die Beteiligung an der Umfrage nicht – aber die Aussicht auf ein besseres Angebot. Deshalb der Aufruf, sich noch in dieser Woche an der Umfrage zu beteiligen. Die Ergebnisse werden am 27. April vorgelegt.

*Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.