Die 68er sind im Ruhestand; den „Marsch durch die Institutionen“ haben anscheinend viele Fußkranke schon frühzeitig abgebrochen. Computer waren damals eh nicht allgemein verbreitet und als Herrschaftsinstrumente multinationaler Konzerne in Misskredit („Big Blue“). Die Uni-Fachrichtung Informatik war damals noch ganz jung und alles andere als ein Rekrutierungsfeld des SDS und der ihm folgenden Organisationen. Daher ist unsere Gesellschaft seit 68 demokratischer geworden, bei allem, was mit IT zu tun hat, ist sie weit weniger offen. Die IT ist tatsächlich erst richtig zum Herrschaftsinstrument geworden, gegen das sich fortschrittliche Ansätze schwer tun. Anstrengungen in Richtung von mehr Offenheit kommen nur schrittweise voran.

Die Bundesrepublik Deutschland ist – mit Ausnahme ihres alles andere als umfassenden Schutzes privater Daten – der Entwicklung in Europa weit hinterher. Wenn die EU nicht wäre, dürfte „in diesem unseren Lande“ (H. Kohl) unter dessen Nachfolgerin der völlige Stillstand eingetreten sein. Während die meisten europäischen Länder der BRD weit voraus sind, wartet man in Berlin vorzugsweise darauf, dass man in Brüssel den Taktstock drohend erhebt. Das ist nicht nur bei Open Source-Software so, sondern auch auf dem wesentlich leichteren Gebiet von Open Access.

Anfang dieses Jahres hat die Europäische Kommission beschlossen, künftig ihre Dokumente und Publikationen in allen Übersetzungen und zwei Creative-Commmons-Lizenzen zu stellen. Das sind vor allem die Lizenz CC BY 4.0 sowie für Meta- und Rohdaten CC Public Domain (CC 0). Einen ähnlichen EU-Beschluss gab es schon 2011, aber da war noch nicht von Creative Commons die Rede, so dass die Frage der Lizenzform hinderlich war.

Eigentlich hätte man bei Open Access in Deutschland dem voraus sein können. Schließlich gibt es die „Berliner Erklärung“ zu Open Access von 2003. Dann ist aber lange nichts passiert. Bundesländer waren die Vorreiter: Zuerst Baden-Württemberg im Mai und Schleswig-Holstein im November 2014. Es folgten Berlin im Juli 2015, Hamburg im September 2017 und Thüringen im Januar 2018. Für den Bund bekannte sich das Ministerium für Bildung und Forschung im September 2016 zu Open Access. Mit der Umsetzung aber haperte es, so dass diese Strategie sich als Ziel im Koalitionsvertrag vom Februar 2018 wieder fand.

Jetzt hat sich Brandenburg auf eine Open Access-Strategie festgelegt. Das Bundesland versteht Open Access als Teil seiner Digitalisierungstrategie und als Ergänzung seiner Transferstrategie. Bemerkenswert ist an diesem Beschluss, dass die Initiative konkret ausformuliert, recht weitgehende Maßnahmen benennt. So wird das Land eine Vernetzungs- und Kompetenzstelle zu Open Access sowie einen Förderfond für wissenschaftliche Monografien und Sammelbände einrichten. Es sollen Open Access-Botschafter(innen) benannt und jährliche Preise für Best Practice-Beispiele ausgelobt werden. Lehr- und Lernmaterialien sollen unter der freien Lizenz bereitgestellt werden.

An diesem Beschluss fällt auf, dass er im Konkreten vor allem auf Bildungseinrichtungen zielt. Bei den Regierungsinstitutionen soll das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur Beispiel gebend vorangehen. Das ist dann doch etwas enttäuschend. Aber dass es Erfolge, wenn überhaupt, nur in kleinen Schritten gibt, kennt man ja hierzulande.

*Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.