Zugegeben, es gibt Dinge, bei denen man schließlich zu Fatalismus neigen könnte, weil sich einfach nichts tut. Doch wer sich dem hingibt, wird auch nie eine Änderung erleben. Also wird hier wieder einmal Open Source in der deutschen öffentlichen Verwaltung zum Thema – schon um zu dokumentieren, dass es Leute gibt, die sich nicht damit abfinden, dass sich diesbezüglich hierzulande nichts tut.

Angela Merkels „Wir schaffen das!“ war ja nur ein Versuch, Obamas „Yes we can!“ zu übersetzen, quasi sprachliche Globalisierung, Ausdruck dafür, dass deutsche Politik gerne international zur Spitzengruppe gezählt werden möchte. Die Realität ist dann doch sehr viel trister.

In diesem Blog gab es vor drei Monaten eine zweiteiligen Beitrag über Open-Source-Politik in Europa und den USA (Teil 1, Teil 2). Kurz darauf war hier schon wieder neues zum Thema aus den USA zu berichten: Die US-Regierung verordnet ihren Behörden Open Source. Vor wenigen Tagen hat die US-Regierung nachgelegt und beschlossen, ihre sämtlichen Open-Source-Projekte zu veröffentlichen.

Auch in Europa tut sich etwas. So hat in den Niederlanden das Parlament für die nächste Initiative gesorgt. Sein Beschluss zwingt die Regierung in den Haag, die Behörden auf offene Standards bei Hard- und Software zu verpflichten und sie über den Einsatz von Open-Source-Software zu informieren. Interessant war am Rande das Abstimmungsverhalten im Parlament: Alle Parteien stimmten zu, mit Ausnahme der Partij voor de Vrijheid (PVV) des rechtspopulistischen Ultras Geert Wilders und der erzkonservativen calvinistischen Staatkundig Gereformeerde Partij (SGP).

Die Erkenntnis, dass Open Source nur Vorteile bringt, kommt also voran. Hierzulande allerdings scheint sie behindert zu sein von politischem Positionskämpfen. Vielleicht bringt ja der „Open Source Day 1016“  der Open Source Business Alliance etwas Bewegung nach Berlin. Die Veranstaltung am 23. November findet – wohl mit Bedacht – in der Bundeshauptstadt statt. Und sie hat einen ausgeprägten Schwerpunkt auf Open Source im Public Sector.

*Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.