Foto: Cloud-Netz, Ludger Schmitz, CC-BY-NC 3.0

Großunternehmen sind sich der Gefahr eines Vendor-Lock-in sehr bewusst, aber von den Vorteilen von Cloud Computing überzeugt. Also ziehen sie erstens die Private Cloud der öffentlichen vor. Und zweitens setzen sie auf Open Source, weshalb bei ihnen OpenStack hoch im Kurs steht. Das sind die vordergründig wichtigsten Befunde einer Umfrage, die Dynamic Markets im Auftrag von Suse bei Großunternehmen durchgeführt hat. Beteiligt haben sich 813 IT-Leiter aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Skandinavien und den USA, wobei mindestens jeweils 110 Interviewte aus diesen Ländern beziehungsweise Regionen kamen.

Von einer Private Cloud versprechen sich zwei Drittel der Befragten geringere IT-Kosten. Noch mehr, nämlich 77 Prozent, wollen die Agilität ihrer IT verbessern. Und neun von zehn Großunternehmen haben schon mindestens eine Private Cloud implementiert. Hemmungen, sie auch für Business-kritische Anwendungen zu verwenden, hat praktisch niemand. 92 Prozent haben Bedenken, auch in der Private Cloud in die Falle eines Hersteller-Lock-in zu laufen.

Die erste Wahl auf dem Weg zur Private Cloud scheint OpenStack zu sein. Vier von fünf Großunternehmen haben schon mit OpenStack entsprechende Projekte angefangen oder wollen es. Doch weniger überzeugend klingen die Erfahrungen. Die Hälfte der OpenStack-Projekte sei gescheitert, berichten die Befragten. Zwei Drittel finden die Implementierung schwierig, trotzdem wollen es 44 Prozent auf eigene Faust schaffen.

Die hohe Quote gescheiterter Projekte muss man nicht so dramatisch nehmen wie sonst bei IT-Projekten. In der Cloud gilt das Scheitern von Projekten als normale Erfahrung; wichtiger ist, Business-Ideen schnell auszuprobieren. Aber das Scheitern könnte auch einen anderen Grund haben, der direkt damit zusammenhängt, dass ja 65 Prozent die OpenStack-Implementierung schwierig fanden. Und tatsächlich beklagen 86 Prozent der IT-Leiter einen Mangel an Open-Stack-Kennern. Vier von fünf Unternehmen, die sich noch nicht an die Private Cloud gemacht haben, geben Fachkräftemangel als Grund an.

Fast alle dieser Befunde passen bestens in das Argumentationsschema von IT-Firmen, die Unternehmen ihre OpenStack-Implementierungen anpreisen. Das sei eben einfach und hebe über die Einstiegshürden hinweg. Allerdings deutet die hohe Zahl der Lock-in-Befürchtungen in der Umfrage auch darauf hin, dass den Anwendern wohl bewusst ist, dass sie sich mit solchen Angeboten mehr einfangen könnten, als sie wollen. Letztlich werden wohl viele Anwender entscheiden müssen, wie viel Abhängigkeit sie in Kauf nehmen wollen.

OepnStack aber ist gar nicht damit geholfen, wenn ihm Lock-in-Gefahr anhängt. Die OpenStack Foundation hat erkannt, dass sie daher das Schulungsproblem anpacken muss. Hatte sie 2013 noch 17 Schulungen in acht Städten, so waren es im letzten Jahr schon 119 Kurse in 99 Städten.

*Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelhiem.