Handreichungen zur Nutzung der EVB-IT beim Einsatz von Open Source Software

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Handreichungen zur Nutzung der EVB-IT beim Einsatz von Open Source Software

Handreichungen Zur Nutzung der evb-it beim Einsatz von Open Source Software
– Beschaffung von Open Source Software für Behörden und öffentliche Einrichtungen –

Herausgeber: Working Group Public Affairs der Osb Alliance
Autor: Dr. Till Jaeger, JBB Rechtsanwälte, www.jbb.de

Die in der Handreichungen enthaltenen Formulierungsvorschläge können ohne Beschränkungen für Verträge und Ausschreibungsunterlagen verwendet werden.

Die Handreichungen können im Übrigen unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Lizenz
„Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-SA 3.0 DE)“
genutzt werden:

© 2013 Open Source Business Alliance e.V.
Autor: Dr. Till Jaeger
Titel: Handreichungen zur Nutzung der EVB-IT beim Einsatz von Open Source Software
Lizenz: CC-BY-SA 3.0 DE (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/)

Vorwort zu den Handreichungen evb-it:

Die Nutzung von Open Source Software in immer mehr Bereichen der Informationstechnologie ist ein kontinuierlicher, seit vielen Jahren anhaltender Trend, und es gibt keinerlei Anzeichen für ein Ende. Zunächst war es das Betriebssystem Linux, das sich als gleichermaßen flxible, zuverlässige und kostengünstige Alternative zu proprietären Angeboten in Spezialbereichen durchsetzte und dann gerade bei Serveranwendungen aber auch auf Mobiltelefonen in seiner Spielart Android zum wichtigen Industriestandard wurde. Später kamen so genannte „Middleware“-Systeme wie Datenbanken, Serverdienste oder Entwicklungssysteme hinzu. Und inzwischen sehen wir wie beispielsweise mit OpenStack sogar komplexe Systeme für den Betrieb von „Cloud-Infrastrukturen“, aber auch immer mehr Anwendungen, die als Open Source Software den Markt erobern. Jeder kennt den Webbrowser Firefox oder Open- bzw. Libreoffie, aber auch im Bereich von professionellen Fachanwendungen für spezialisiertere Einsatzfelder steigt die Anzahl verfügbarer und erprobter offener Software schnell.

Im Kern bedeutet „Open Source“ bei Software, dass sie unter einer bestimmten Lizenz überlassen wird, durch die dem Lizenznehmer umfassende Rechte eingeräumt werden, die er bei proprietärer Software nicht erhält. Diese Rechte umfassen vor allem das Recht, den von den Programmierern der Software erstellten und für Änderungen benötigten Quellcode (den Source-Code) einzusehen und die Software frei zu verändern. Darüber hinaus darf sie in ursprünglicher oder veränderter Form in beliebiger Weise eingesetzt werden, und es ist erlaubt, sie an Dritte weiterzugeben, denen dann die selben Rechte eingeräumt werden können (und in bestimmten Fällen sogar müssen). Diese mit Open Source Software verbundenen Rechte haben es ermöglicht, dass sich große, weltweite Communities bilden konnten. Wichtige Open Source Software wird gemeinsam gepflgt und bildet mittlerweile die Basis für große Teile der IT-Industrie, die selbst in diesen Communities meist sehr aktiv vertreten ist.

Regierungen und Unternehmen auf der ganzen Welt machen Open Source Software heute zur strategischen Basis für ihre IT-Umgebungen. Das liegt zum einen natürlich an den oft erheblichen Vorteilen in Hinblick auf wirtschaftlichkeit und Flexibilität. Der Einsatz von Open Source Software ermöglicht aber auch zuvor nicht dagewesene Möglichkeiten, die in der eigenen Organisation eingesetzte IT zu verstehen und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Die damit verbundene Wertschöpfung muss dann nicht mehr zwangsläufi durch den ursprünglichen Hersteller erfolgen, sondern ist in viel mehr Fällen auch vor Ort möglich. Schließlich ist Open Source die Voraussetzung für eine unabhängige Kontrolle auf mögliche Sicherheitslücken oder Hintertüren, ein Aspekt der gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Spionage-Diskussion enorm an Bedeutung gewonnen hat. Unter dem Strich ermöglicht Open Source Software also die in jüngster Zeit häufi geforderte „informationstechnische Souveränität“ und ist die Voraussetzung für eine agile und wachsende IT-Industrie.

Die öffentliche Hand tut also gut daran, bei jeder Beschaffung von IT auch Open Source in Erwägung zu ziehen und ihr eine faire Chance einzuräumen, die alle relevanten Aspekte berücksichtigt. Bei ansonsten gleichen Eigenschaften sollte Open Source Software aufgrund der ihr eigenen Vorteile darüber hinaus bevorzugt werden. Genau dies hat in der Vergangenheit aber manchen Beschaffer vor neue Herausforderungen gestellt. Schließlich muss es auch beim professionellen Einsatz von Open Source Software Leistungen wie vertraglich zugesicherte Pflge und Weiterentwicklung der Software geben und verlässliche Unterstützungsleistungen und Support sind ebenso erforderlich. Andererseits aber stehen die gewohnten und erprobten Lizenzmechanismen nicht zur Verfügung, so dass unter Umständen ungewohnte Wege beschritten werden müssen.

Die gute Nachricht ist, dass die Beschaffung von Open Source Software auch unter Anwendung der EVB-IT-Musterverträge ohne Weiteres möglich ist. Dieses Dokument soll vor allem Praktikern aus der Beschaffung als Werkzeug dienen, dabei effektiv und rechtssicher vorzugehen. Gleichzeitig soll es notwendige Hintergründe und Detailwissen vermitteln.

Wir freuen uns sehr, dass wir den „Open Source Papst unter den Juristen“, Rechtsanwalt Till Jaeger für diese umfassende Arbeit gewinnen konnten und danken ihm sehr für das nun vorliegende Ergebnis. Unser Dank gilt darüber hinaus den vielen Praktikern, die Herrn Jaeger Einblick in erprobte Beschaffungsverfahren gegeben und damit einen wertvollen Beitrag für die Relevanz dieses Dokumentes geleistet haben.

Vor allem aber hoffen wir, dass diese Handreichung für Sie, liebe Beschafferinnen und Beschaffer, hilfreich ist und würden uns sehr über Rückmeldungen freuen. Dies ist die erste Version unserer Handreichung und wir sind sehr interessiert daran, zu erfahren, wo sie sich weitergehende Hinweise erwarten oder wo aus Ihrer Sicht weiteres Verbesserungspotenzial besteht.

Peter H. Ganten
Vorsitzender des Vorstands Open Source Business Alliance

Holger Dyroff
Sprecher der Working Group Public Affairs und stellvertretender Vorsitzender