Neuer Open Source Innovationspreis OSBAR geht an OpenSlides

OSB Alliance kürt mit VoLTE und WebODF zwei weitere Preisträger.

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Der Innovationspreis OSBAR (Open Source Business Award) der OSB Alliance ist am Mittwoch in Hamburg an OpenSlides verliehen worden, ein freies Präsentations- und Versammlungssystem, das zur Darstellung und Steuerung von Tagesordnung, Anträgen und Wahlen einer Veranstaltung dient. „Uns hat besonders fasziniert, wie Freie Software genutzt wird, um Kernelemente einer lebendigen Demokratie mit modernen technischen Mitteln zu vereinfachen und transparenter zu gestalten“, begründet Henriette Baumann, Vorstandsmitglied der OSB Alliance, die Entscheidung der Jury. Ebenfalls mit Preisen bedacht worden sind Voice over LTE als Zweit- und WebODF als Drittplatzierter.

„Wir sind sehr angetan gewesen von der Zahl und Qualität der Bewerber für den ersten OSBAR“, erzählt die Jury-Vorsitzende Baumann. Sie fährt fort: „Wir wollen als Open Source Verband Projekte, Startups und brillante Ideen aus dem Open Source Umfeld prämieren, die Wirtschaft und Gesellschaft voranbringen. Die drei ausgewählten Gewinner zeigen repräsentativ für die Bewerber, wie innovativ, professionell und nah an den Bedürfnissen der Menschen und der Märkte Open Source Projekte arbeiten.“

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Die Gewinner

Platz 1. OpenSlides ist ein freies, webbasiertes Präsentations- und Versammlungssystem, das zur Darstellung und Steuerung von Tagesordnung, Anträgen und Wahlen einer Veranstaltung dient. „Ein Höchstmaß an Transparenz für Versammlungen ist die Kernidee von OpenSlides“, berichtet Emanuel Schütze von Intevation, der 2005 einen ersten Prototyp für den Bundesverband der Evangelischen StudentInnengemeinde entwickelte. 2011 veröffentlichte er gemeinsam mit Oskar Hahn und Norman Jäckel eine komplette Neuentwicklung unter dem Namen „OpenSlides“ als Freies Software Produkt. Zu den Nutzern zählen insbesondere Vereine, Parteien und Verbände. Alles, was während einer Versammlung am Projektor erscheint, können Delegierte in OpenSlides nachlesen, auch per WebApp auf dem Smartphone. Somit ist eine papierlose Versammlung möglich, selbst Abstimmungen lassen sich mit einer OpenSlides-Erweiterungen elektronisch durchführen.

Platz 2. Zweiter Preisträger ist das Projekt “Voice over LTE“. Mit VoLTE soll die nächste Generation Mobilfunk implementiert und realisiert werden, basierend auf gängigen Open-Source Projekten wie Linux, Kamailio, Java/JBoss oder Freeswitch. „Wir haben dafür alle relevanten Standards und Schnittstellen in die Projekte integriert“, berichtet Carsten Bock, Geschäftsführer von ng-voice. „VoLTE ist ‚Win-Win‘ für alle: Der Netzbetreiber spart die Infrastruktur und die Frequenzen für 2G/3G Netze, der Endkunde bekommt einen besseren Dienst.“ Die Open-Source VoLTE Lösung geht dieses Jahr in Bulgarien und Südafrika in den Wirkbetrieb.

Platz 3 hat WebODF erobert. Office-Funktionen im Web abbilden ist ein wichtiges Element für die immer wichtiger werdende ortsunabhängige Arbeit und Zusammenarbeit – genau darauf zielt das WebODF-Projekt ab. Es handelt sich um eine JavaScript-Bibliothek, die das gleichzeitige Anzeigen und Bearbeiten von standardisierten und herstellerneutralen Dokumenten im offenen OpenDocument-Format in jeder Webseite, Webanwendung oder nativen Programmen ermöglicht. WebODF arbeitet komplett im Browser. Es gibt keine Konvertierungsverluste beim Laden und Speichern. Abstraktionsebenen erlauben die Anbindung an beliebige Backends. Die Editierrechte in Dokumenten sind per Nutzer einstellbar. So gibt WebODF Anwendern die Kontrolle über die eigenen Dokumente zurück. „Besonders reizvoll sind Szenarien mit automatisch oder interaktiv erzeugten Dokumenten“, sagt Friedrich Kossebau von der KO GmbH und blickt nach vorne: „Für die Zukunft sehen wir die Unterstützung weiterer XML-basierter Formate, wie sie von Unternehmen und Regierungen verwendet werden.“

Verfahren und Jury

Open Source Projekte konnten sich selbst bei der OSB Alliance für den OSBAR bewerben oder von Drittpersonen nominiert werden. Zwei Bedingungen mussten erfüllt sein: Die Software ist Open Source und sie muss mindestens eine Innovation für Unternehmen oder Institutionen der öffentlichen Hand enthalten. Es kann sich um ein neues Projekt in der Planungsphase im produktiven Einsatz handeln, das zu einer innovativen, erheblichen Verbesserung der IT, der Sicherheit, der Arbeitsprozesse, der Kommunikation oder des Datenschutzes geführt hat. Der Auswahl-Jury gehörten neben Henriette Baumann das Vorstandsmitglied Elmar Geese sowie Stefan Röcker (Sprecher Working Group Marketing und Andreas Rösler (WG Marketing) an.

Die Preisverleihung fand heute bei IBM Deutschland im Rahmen des Open Source Day in Hamburg statt.

„Die hohe Qualität der Bewerber hat uns alle so sehr begeistert, dass wir uns fest vorgenommen haben, den OSBAR auch im kommenden Jahr wieder zu verleihen“, kündigt Peter Ganten, Vorsitzender der OSB Alliance an.