Internet der Dinge: Der vernetzte Mittelstand

Um seinen industriellen Mittelstand braucht sich Baden-Württemberg keine Sorgen zu machen. Meint man. Doch die Realität scheint im Kontext der digitalen Revolution an diesen mittelständischen Unternehmen vorbeizuziehen

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IoT steht für Internet of Things oder Internet der Dinge. (Bild: Pixabay)

Nach einer aktuellen Umfrage des Verbandes der Elektroindustrie ZVEI ist für fast die Hälfte der Unternehmen die Digitalisierung gar kein Thema. Ist unsere Position in den Bestenlisten der weltweiten Wirtschaft bedroht, weil wir das Internet der Dinge verschlafen? Und worin liegen die Ursachen der Zurückhaltung?

Grund zur Kritik gibt es sicherlich, mag man nur auf das Tempo schauen, mit dem sich Deutschland mit dem Thema auseinandersetzt. Doch betrachtet man die Lage genauer, ist der deutsche Mittelstand nicht so weit abgeschlagen. Er denkt und arbeitet nur anders als die amerikanischen und asiatischen Wettbewerber. Denn Maschinen, Produktionsanlagen, Logistik und Leitstände, also die technische Einrichtung, die den Menschen bei der Leitung eines Prozesses unterstützt, sind auch heute schon an vielen Stellen vernetzt. Sensoren überwachen und melden kleinste Abweichungen an die Zentrale.

Vorteile von Open Source Software gegenüber proprietären Lösungen

Die Kommunikation der Produktionslinien erfolgt heutzutage vielmals über proprietäre Datennetze. Trotz der übergeordneten Sicht im Produktionsleitstand ist aufgrund klassischer Technologie und dieser proprietären Kommunikationssysteme häufig noch keine direkte Information vor- und nachgeschalteter Prozesse möglich. Die bisherigen Ansätze haben meist herstellerspezifische Grenzen. Produktions-, Logistik- und Serviceketten und das Internet der Dinge sind hingegen weit umfassender.

Open-Source-Produkte zeigen in diesem Kontext ihre Vorteile gegenüber proprietären Lösungen. Open Source nutzt grundsätzlich nur offene Standards; Schnittstellen zu proprietären Umgebungen sind geboten oder lassen sich in den meisten Fällen schaffen. Offener Quellcode lässt sich leichter an unternehmensspezifische Anforderungen anpassen. Vor allem aber hält es die Tür für Erweiterungen auf, ohne in Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller zu geraten.

Vernetzung industrieller Prozesse durch Industrie 4.0

Industrie 4.0 ist ein Teil beziehungsweise eine Vorstufe des Internet of Things. Sie sieht vor, industrielle Prozesse durch Vernetzung zu optimieren. Auf den Firmenarealen sind die Grundlagen dafür in Form einheitlicher physischer Kommunikationsnetze weitgehend schon vorhanden. Für die Einbindung externer Anlagen gibt es das Internet. Doch „sprechen“ können die Geräte häufig trotzdem nicht miteinander. Dafür sind Sensoren und Maschinen mit offenen Schnittstellen und offenen Standards wie dem Internet-Protokoll (IP) nötig, um das Ganze zu einem System zu verbinden. Auch Intel hat festgestellt, dass es beim Internet der Dinge darauf ankommt, die proprietären Technologien älterer Maschinen in für die IP-Welt verwertbare Datenströme umzuwandeln. Dann nämlich lassen sich alte Geschäftsmodelle in Frage stellen und neue Modelle basierend auf gesamtheitlichen Datenpools, Auswertungen und Smart Services erfinden.

In überschaubarem Rahmen beginnen und kleine Erfolgsgeschichten schreiben

Industrie 4.0 und das Internet der Dinge sind sehr allumfassende Begriffe. Wichtig ist deshalb, zunächst in einem überschaubaren Rahmen anzufangen. Bosch, einer der deutschen Vorreiter der Internet of Things-Thematik und Entwickler einer eigenen, offenen Internet of Things-Plattform, hat in diesem Zusammenhang die „Strategie des professionellen Anfängers“ geprägt. Langsam an die industrielle Vernetzung herantasten und sukzessive kleine Erfolgsgeschichten schreiben, ist eine gute Lösung. Leuchttürme solcher Transformationen sind auch in Deutschland die großen Unternehmen wie Bosch, Siemens, Thyssen-Krupp oder die Telekom. Doch hier gilt es die Überführung auch in den Mittelstand zu schaffen und diesen nicht zu überfordern.

Genau diesem Umdenken, dem Prozess der Wandlung hin zu offenen Standards und offenen Schnittstellen widmet sich die OPEN! 2015 – Konferenz für digitale Innovation am 2. Dezember 2015 in Stuttgart. Dort zeigen namhafte Unternehmen wie die Deutsche Bahn, wie der Einsatz von Open Source Software intern eine kleine Revolution und ein Umdenken ausgelöst hat. Gleichermaßen beteiligt sich die Deutsche Bahn zusammen mit anderen europäischen Eisenbahnen am gemeinsamen Projekt OpenETCS. Mit diesem Projekt wurde ein European Train Control System (ETCS) basierend auf offenen und gemeinsam abgestimmten Schnittstellen und Open Source Software entwickelt. Länderspezifische Technologiegrenzen werden damit überwunden.

Wie kann das Internet der Dinge mithilfe von offener Software umgesetzt werden?

Weitere Vorträge widmen sich praktischen Einsatzfeldern von Open Source Software für Anwendungen der Industrie 4.0 und dem Internet of Things. Standardisierungsprojekte auf europäischer Ebene werden vorgestellt. Denn analog zur oben genannten Logistik-Branche funktioniert die Etablierung neuer, smarter Services in der Industrie nur durch die Überwindung proprietärer Technologiegrenzen. Doch das Internet der Dinge ist mehr als die publikumswirksamen Produkte einiger Technik-Hersteller. Projekte wie die Smarter City tragen dazu bei, dass öffentliche Einrichtungen und Verwaltungen mit der digitalen Revolution näher beim Bürger sind.

Doch eines eint branchenunabhängig alle: Das Streben nach offener und standardisierter Kommunikation, um alle Mitspieler in allen Phasen der neuen Wertschöpfung Anteil haben zu lassen. Denn nur, wenn sich die Spezialisten auf ihrem Gebiet zusammenfinden und jeder seinen Teil bestmöglich macht, wird das Internet of Things zukünftig Realität. Deshalb widmet sich eine abschließende Podiumsdiskussion den Fragestellungen, die sich daraus konkret ergeben. Was kommt auf uns zu, wie werden sich die Unternehmen verändern müssen, welche Auswirkungen hat das auf den Einzelnen und was bedeutet das auch für die Sicherheit der Kommunikation zwischen Maschinen, Haushaltsgeräten und unseren Smartphones.