Geheimdienste und Kriminelle greifen mit künstlicher Intelligenz an – Wie kann sich die Wirtschaft schützen?

Am 8. Mai, ab 13.30 Uhr beschäftigt sich eine Veranstaltung der Hochschule der Medien (HdM) mit der Frage, wie die Möglichkeiten der Informationstechnik „von Spionen und ihren Opfern“ genutzt werden.

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Dazu hält der Journalist Joachim Jakobs einen Vortrag – Titel: „Was macht das Internet der (infizierten) Dinge mit den Profilen von Personen und Objekten“. Er ist der Meinung: „Die Teilnehmer der Informationsgesellschaft glauben bis heute, sie hätten nichts zu verbergen, Kriminelle dagegen nutzen künstliche Intelligenz, um Beute zu machen.“ Unter „Teilnehmern“ versteht Jakobs die „Entscheider in Politik und Wirtschaft sowie diejenigen, die auf Basis der getroffenen Entscheidungen anschließend Software entwickeln, implementieren, administrieren oder nutzen, um vernetzte Geräte zu steuern oder personenbezogene Daten zu verarbeiten.“

Der Sicherheitsberater Patrick Ungeheuer bestätigt: „Nicht nur viele Menschen, auch viele Firmen nehmen das Thema Informationssicherheit immer noch nicht ernst und glauben, Andere hätten sich darum zu kümmern. Erst im März jedoch wurde das Angebot einer mittelständischen Bertelsmann-Tochter aus Baden-Baden vom Internet getrennt, weil sensible Daten von Millionen Mietern in Gefahr gewesen sein sollen.“ Zu den Angreifern zählen die Veranstalter nicht nur die weltweiten Geheimdienste, sondern auch die organisierte Kriminalität, Wirtschaftsspione und Terroristen. Deren Fähigkeiten verhalten sich nach Ungeheuers Erfahrung „umgekehrt zu denen ihrer Opfer“: „Die Geheimdienste behaupten von sich selbst, dass sie ‚jede von Menschen generierte Information‘ verarbeiten können. Sie wollen damit sogar in der Lage sein, ‚Gedanken zu lesen‚. Es wird Zeit, dass wir uns darüber Gedanken machen, wie wir dieser Bedrohung begegnen.“

Professor Dr. Dirk Heuzeroth von der Hochschule der Medien (HdM) sieht hier eine „Aufgabe für die gesamte Gesellschaft, der sich insbesondere das Bildungswesen stellen muss“. Seine Kollegen und er selbst führten bereits diverse Veranstaltungen durch, um das Bewusstsein für Sicherheitsaspekte wie Schwachstellen und deren Behebung zu vermitteln. Dennoch „mangelt es“ nach Meinung von Professor Dr. Heuzeroth „unserer Gesellschaft insgesamt an Sicherheitsbewusstsein. Nur so ist es zu erklären, dass pädagogische Hochschulen in Baden-Württemberg für ‚Skype-Sprechstunden‚ werben und damit mutmaßlich gegen ein entsprechendes Verbot des Landes verstoßen. Womöglich hängt das aber auch mit der offensichtlichen Begeisterung des Bundesbildungsministeriums für Skype im ‚Digitalen Miteinander‘ zusammen! – Das Bundesbildungsministerium verhält sich dadurch wie ein unbedarfter Nutzer, der sich durch komfortable Funktionalität begeistern lässt, dabei aber die datenschutzrechtlichen Aspekte vergisst und so auch die Autorität datenschutzrechtlicher Vorgaben in den Ländern untergräbt.“ Da müsse man sich anschließend nicht wundern, wenn die Pädagogen in Schulen und Kindergärten nicht in der Lage seien, den Nachwuchs für ein Minimum an Datenhygiene zu begeistern:


„Die Offenbarungen von Herrn Snowden haben bisher nicht zu den notwendigen Konsequenzen geführt und die öffentliche Diskussion noch nicht auf ein angemessenes Niveau gehoben.“



Nach seinem Vortrag moderiert Joachim Jakobs im zweiten Teil der Veranstaltung eine Podiumsdiskussion zur Frage, was getan werden muss, um Wirtschaft und Gesellschaft zu schützen.

An der Debatte nehmen teil:
*Professor Dr. Dirk Heuzeroth,
Hochschule der Medien Hans-Joachim Oettinger, Präsident des Landesverbandes der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe Baden-Württemberg e. V.
*Cornelius Kölbel,
von der Open Source Business Alliance

Das mangelnde Sicherheitsbewusstsein und die Überforderung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zeigt sich nach Ansicht der Veranstalter auch an der übersichtlichen Besetzung des Podiums.
Bei der Vorbereitung wollen die Organisatoren zwei Dutzend Absagen von Stuttgarter Institutionen aller Art erhalten haben – darunter dem Innenministerium, drei Polizeibehörden, Ärzteorganisationen, Krankenhäusern, Arbeitgeberverbänden, Organisationen der Wirtschaftsförderung sowie der Kommunen und der IHK. SAP hätte sich nicht einmal die Mühe gemacht, zu antworten. Dabei wäre die Wissenschaft nach Überzeugung von Professor Heuzeroth „gern bereit, die Wirtschaft auf ihrem Weg in eine sicherere Zukunft zu begleiten: Sprechen Sie uns an!“

Im dritten Teil der Veranstaltung geht’s um die Frage, welche Möglichkeiten die Unternehmer haben, die Sicherheit ihrer Kunden und Mitarbeiter zu erhöhen.

Dabei stehen Jakobs zur Seite:
*Patrick Ungeheuer,
Ungeheuer-IT
*Dr. Thomas Degen,
Jordan & Wagner Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

In diesem dritten Abschnitt kommen die Rechtsfolgen von Datenverlusten zur Sprache und es wird erklärt, wie Sicherheits- und Notfallkonzepte entwickelt werden können. Schließlich werden die Möglichkeiten zur sicheren Identifikation von Berechtigten erläutert.

Nach Heuzeroths Ansicht ist ein weiteres Wachsen des ‚digitalen Grabens‘ zwischen Angegriffenen und Angreifern zu befürchten, da die technischen Fähigkeiten der Angreifer weiter zunehmen: „Wenn wir nicht stärker in Bildung und Sicherheit investieren, sägen wir an dem Ast, an dem der Wohlstand nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland hängt!“


Die Eckdaten der Veranstaltung
Wann: 8. Mai 2015, 13.30 – 16.30 Uhr
Wo: Hochschule d. Medien, Hörsaal 011,
Nobelstraße 10, 70569 Stuttgart