Die Linux Foundation steigt in das Zertifizierungsgeschäft ein

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Der Nachweis von Linux-Qualifikation war jahrelang fast synonym mit „LPI“. Jetzt könnte die Linux Foundation die gewohnten Verhältnisse durcheinander bringen.

Von Ludger SchmitzImmer wieder ist zu vernehmen, dass Linux bei deutschen Informatikstudenten nicht mehr gerade angesagt ist. Verständlich, denn etwas völlig Neues ist Open Source nicht mehr. Gleichwohl sind die Berufschancen für Linux-Kenner ausgezeichnet. Ein Blick auf die Stellenmarkt-Anzeigen reicht. Das macht Zertifikate über entsprechende Zusatzkenntnisse für IT-Profis interessant.

Diesen Markt zur Zertifizierung von Linux-Kennern dominiert seit den Anfängen vor jetzt rund 15 Jahren das Linux Professional Institute (LPI). Diese Einrichtung und ihre Zeugnisse sind derart gewichtig und anerkannt, dass sie Wettbewerber bedeutungslos gemacht haben. So hat der Industrieverband Computer Technology Industry Association (CompTIA) Ende 2010 seine einzige Qualifizierung in dieser Richtung aufgegeben. Inzwischen heißt das vor allen in Nordamerika verbreitete Zertifikat „CompTIA Linux+ powered by LPI“.

Auch Suse hat die eigene Basis-Zertifizierung „Certified Linux Administrator“ an das verbreitete LPI-Zeugnis „LPIC-1 Junior Level Linux Professional“ angeglichen und erkennt es als CLA-entsprechend an. Das Zeugnis „Red Hat Certified Technician“ gibt es nicht mehr. Das Unternehmen hat den „Red Hat Certified System Administrator“ (RHCSA) eingeführt und dabei die Latte etwas höher gelegt.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum eine Open-Source-Institution wie das LPI keine umfangreichen Zahlen veröffentlicht, sondern nur zwei: Insgesamt hat das LPI bis heute – so eine aktuelle Auskunft von Klaus Behrla, Leiter LPI Central Europe – rund 425.000 Prüfungen abgenommen und anschließend 150.000 Zertifikate ausgestellt. Das sagt nichts über die Durchfallquote, sondern ist zu einem wesentlichen Teil der empfohlenen Rezertifizierung nach fünf Jahren geschuldet.

Ein Wikipedia-Eintrag zum LPI schreibt von 245.00 Prüfungen sowie 80.000 Absolventen und verweist dabei auf eine undatierte Quelle, die dem Kontext nach zu urteilen nicht älter als aus dem Jahr 2012 sein dürfte. Wenn es seither einen LPI-Boom gegeben haben sollte, könnte die Ursache vor allem im neuen Zertifikat „Linux Essentials“ zu suchen sein. Das bietet sich vor allem für Schüler, Nebenfach-Informatikstudenten und Auszubildende an.

Genau dieses Einstiegslevel hat die Linux Foundation vor rund einem Jahr mit der Kursreihe „Introduction to Linux“ adressiert. Dieser Online-Kurs war ein beachtlicher Erfolg; gut 300.000 Menschen haben an ihm teilgenommen – ob auch komplett ist allerdings nicht bekannt.

Der Zuspruch hat die Linux Foundation dazu bewogen, zwei eigene Zertifikate zu schaffen: die Zeugnisse „Linux Foundation Certified Systems Administrator“ (LFCS) als Einstiegslevel und  „Linux Foundation Certified Engineer“ (LFCE) auf höherem Niveau. Mangels verlässlicher Informationen soll hier keine vergleichende Bewertung erfolgen. Aber die Linux-Stiftung scheint auf die LPI-Stufen C-1 und C-2 zu zielen.

Außerdem will die Linux Foundation einen neuen Online-Kurs „Essentials of System Administration“ starten. Der hat alle Aussichten wieder ein Hit zu werden. Schon beim ersten Kurs kamen 30 Prozent der Teilnehmer aus den USA. Das lässt sich durchaus als Hinweis auf den dortigen Linux-Boom interpretieren. Und es zeigt, dass spezielle Linux-Qualifikation auch in entwickelten Märkten für Arbeitnehmer wichtig ist.

*Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.