OpenStack geht in die zweite Generation

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Zum Frühjahrs-Summit der OpenStack Foundation werden immer die Ergebnisse einer jährlichen Befragung der Anwender veröffentlicht. In diesem Jahr lassen sich bemerkenswerte Veränderungen feststellen. Von Ludger Schmitz*

Nach Ansicht von Jonathan Bryce, Executive Director der OpenStack Foundation, erleben wir gerade einen Umbruch von der ersten in die zweite Generation von Private Clouds. Die erste bedeutete im Wesentlichen Virtualisierung und war von VMware geprägt. In Sachen Cloud war sie aber technisch noch nicht ausgereift, weshalb bisher viel Eigenentwicklung und beträchtliches Know-how nötig waren. Beides stand eigentlich nur Firmen aus der IT-Branche, Telekoms und einigen Großunternehmen zur Verfügung. Außerhalb des ITK-Spektrums und vor allem kleineren Unternehmen war die Schwelle zu hoch.

Die zweite Generation von Private Cloud Computing zeichnet sich laut Bryce seit etwas mehr als einem Jahr ab. OpenStack hat Anwendungsreife erreicht, virtualisierte Netzwerke und Speicher sowie Container sind weithin bekannt. Tools machen es wesentlich leichter, Private Clouds einzurichten und zu managen, mit dem Aufwand sinken die Kosten. Im Ergebnis können nun auch mehr kleinere Unternehmen Kostenvorteile aus Private Clouds ziehen.

Tatsächlich scheinen dies auf den ersten Blick durchaus widersprüchlich anmutende Befunde der neuesten Anwenderbefragung zu bestätigen. Während in den Anfangsjahren von OpenStack vor allem IT-Anbieter mit Private Clouds experimentierten und arbeiteten, zeichnet sich sei gut zwei Jahren ein starkes Wachstum der anfangs sehr zurückhaltenden Telekoms ab. Sie sind bei der jüngsten Befragung mit 16 Prozent bereits die zweitstärkste Gruppe. Die IT-Industrie stellt aber noch mehr als die Hälfte der OpenStack-Anwender.

Große Unternehmen scheinen ausgesprochen stark auf OpenStack zu setzen

Die Hälfte der Fortune-100-Companies arbeiten mit OpenStack. Firmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern stellen 32 Prozent der OpenStack-Anwender. Zunehmend aber ist vor allem der Anteil kleinerer Unternehmen; die Gruppe von 100 bis 999 Beschäftigen kommt auf 41 Prozent. Firmen mit bis zu 99 Beschäftigten bringen es inzwischen auf 25 Prozent. Der Trend geht langsam in den KMU-Bereich.

Das sollte nun aber nicht zu der Interpretation verleiten, OpenStack habe bereits in kleinen und mittelständischen Unternehmen Fuß gefasst. Je kleiner nämlich die Firmen der OpenStack-Anwender werden, desto wahrscheinlicher handelt es sich um IT-Unternehmen. Es sind vor allem IT-Unternehmen, die OpenStack zur Grundlage ihres Service-Angebots machen, in erster Linie kleine und mittelgroße RZ-Betreiber.

Großveranstaltungen wie der letzte OpenStack Summit in Boston können leicht einen falschen Eindruck hinterlassen. Denn in den Keynote-Reden geht es immer um große Projekte und Installationen bei großen Unternehmen. Das liegt aber lediglich daran, dass diese sich durch ihre finanzielle Förderung der Foundation Rederechte erkaufen. In den dutzenden Veranstaltungen mit Seminarcharakter während der Summits sieht es ganz anders auch. Hier prägen vor allem Herangehensweisen, Probleme und Lösungen kleinerer Private-Cloud-Betreiber die Themen.

Das zweite Bild widerspiegelt eher die aktuelle Orientierung der OpenStack Foundation. Sie zielt jetzt ganz deutlich darauf ab, KMUs auch jenseits der ITK-Branche den Zugang zu erleichtern. Ihr geht es vor allem um Tools zur einfacheren Implementierung von Private Clouds und zu deren einfacheren Administration. Dem entspricht der stark zunehmende Einsatz von Komponenten wie „Ansible“ (Implementierung) und „Heat“ (Orchestrierung).

Die Entwicklung in kleinere Umgebungen versucht die Foundation auch dadurch zu unterstützen, dass sie zwecks einfacherer Orientierung der Interessenten einen Marktplatz „Private Cloud-as-a-Service“ (PcaaS) eingerichtet hat. Hier stellen Anbieter nicht einfach ihre Lösungen vor. Vielmehr sollen sich die Angebote nach Kriterien wie Interoperabilitätstest, API-Versionen, regionale Verfügbarkeit und Hardware-Anforderungen vergleichen lassen.

Diese Plattform könnte für eine recht junge Anbietergruppe im OpenStack-Umfeld interessant sein: Rechenzentrumsbetreiber, die Managed Hosting für Off-Premise Private Clouds anbieten. Solche Angebote sind besonders für mittelständische Unternehmen jenseits der ITK-Branche interessant, die nicht die Zeit und das Know-how haben, aber eine Private Cloud für ein agileres Auftreten am Markt nutzen möchten.

Für die weitere Entwicklung von Open Stack sind drei Faktoren ebenso wichtig wie für dessen weitere Verbreitung: Als „three C‘s“, bezeichnet sie OpenStack-Director Bryce, „Capabilities, Compliance and Cost“.

*Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.