Eins der Open-Source-Projekte mit weiter Verbreitung ist LibreOffice. Trotz ziemlich hoher personeller Beteiligung und vielen Ergebnissen, arbeitet das Projekt am Limit.
Von Ludger Schmitz*

Kürzlich war hier im Blog davon die Rede, welche Arbeit in Linux steckt. Das Betriebssystem hat natürlich in besonderem Maß das Engagement von Entwicklern und seit einigen Jahren vor allem von Linux-interessierten Unternehmen auf sich gezogen. Auf der anderen Seite der Skala gibt es sehr kleine Projekte, deren Produkte ebenfalls sehr verbreitet sind, die aber nur mit Mühe die Ressourcen aufbringen können, die unbedingt notwendig sind. Der schwere Heartbleed-Fehler im OpenSSL-Projekt hat im Frühjahr 2014 darauf hingewiesen, dass Arbeit am Limit Sicherheitsprobleme schafft.

Trotzdem zeigen Analysen – beispielsweise der Coverity Scan Report – immer wieder, dass Open-Source-Software im Schnitt noch mindestens „einen Tick“ sicherer ist als proprietäre Programme. Und das liegt an zwei Faktoren:

  • Erstens verwenden Open-Source-Projekte längst auch Tools, die Code systematisch nach logischen Fehlern durchsuchen.
  • Noch wichtiger ist zweitens Open Source: Mehr Augen können mehr sehen, während geschlossener Sourcecode eine Black Box ist.
Quelle: The Document Foundation
Quelle: The Document Foundation

Was das bedeutet, ist kürzlich am Beispiel des Bürosoftwarepakets LibreOffice bekannt geworden. Das Projekt hat seit seinem Bestehen 40.000 Fehler geschlossen, davon hatten 37.000 Korrekturen zur Folge. Zur Erinnerung: LibreOffice erschien erstmals nach seiner Abspaltung von OpenOffice im Januar 2011 als Version 3.3. Der aktuelle Stand für Normalanwender ist die Hauptversion 5.4.

Der LibreOffice-Repräsentant Italo Vignoli schrieb in einem Blogbeitrag, das Projekt habe allein in den letzten zwölf Monaten mehr als 7.100 Fehler geschlossen. Derzeit schließe das Projekt pro Woche 133 Fehler, trotz Ferienzeit. Das sieht nach einer hohen Zahl aus und verleitet zu dem Schluss, dass in dem Projekt jede Menge Leute mitarbeiten. Tatsächlich gibt es Fotos von größeren europäischen LO-Treffen, auf denen drei oder vier Dutzend Leute zu sehen sind. Man könnte also zu dem Schluss kommen, dass in dem Projekt wirklich genug Leute engagiert sind.

Dem ist aber offenbar nicht so. Das Projekt LibreOffice steht vor einem Berg von 12.000 unbearbeiteten Fehlermeldungen, fast alle als „neu“ markiert. Entwicklern zugewiesen sind demgegenüber nicht einmal 200 Fehler. Vignoli schreibt daher, das Projekt brauche dringend weitere Mitarbeiter um Fehler zu bestätigen und zu katalogisieren. Vignoli bittet um Mitarbeit; schon eine halbe Stunde pro Woche sei eine wertvolle Hilfe.

*Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.