Ein Jahr Open Cloud Alliance

Ausgerechnet am 11.11. des Jahres 2014 hat sich die Open Cloud Alliance gegründet. Dass es keine lustige Angelegenheit würde, war den Beteiligten klar. Nach einem Jahr haben sie ein hartes Stück Arbeit hinter sich. Die Grundlagen und ersten Angebote für eine Lock-in-freie Cloud sind fertig. Von Ludger Schmitz*

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Als sich die Initiatoren der Open Cloud Alliance (OCA) vor gut einem Jahr der Presse vorstellten, hatten sie eigentlich noch nicht viel Handfestes vorzuweisen: Auf der Basis des Infrastruktur-Systems Univention Corporate Server (UCS) sollten Service Provider ein Cloud-Angebot aus Applikationen ihren Kunden anbieten können. Klarer umrissen waren hingegen in einer Charta die Voraussetzungen. Die besagen im Kern, dass weder die Provider noch die Hersteller von Applikationen Cloud-Anwender binden und einen Wechsel zu anderen Angeboten behindern dürfen.

Die praktischen Grundlagen galt es damals erst noch zu schaffen. Das erste überhaupt Cloud-fähige UCS, die Version 4.0, erschien kurz nach der Pressekonferenz. Zwei Monate später zeigte der Provider Teutonet auf einer Univention-Veranstaltung das erste CRM-Angebot im Rahmen der OCA. Im Spätsommer dieses Jahres präsentierte Stylite ein Groupware-Angebot. Die Absicht in die Praxis umzusetzen war also anscheinend nicht ganz einfach.

Peter Ganten, Initiator der Open Cloud Alliance. Foto: Univention
Peter Ganten, Initiator der Open Cloud Alliance. Foto: Univention

Man sei „am Anfang etwas naiv“ gewesen, bestätigt Peter Ganten, Chef von Univention und Initiator der Open Cloud Alliance in einem Interview für die Online-Publikation „DataCenter-Insider“ (DCI). Die automatische Provisionierung von Anwendungen, laufende Anpassung von Ressourcen an die Nutzung, Gestaltung der Verträge, Haftungsfragen. Das wahre Ausmaß mancher Anforderungen habe man vorher nicht so erwartet. Das für die Provider unverzichtbare Metering und Billing zur Messung der Cloud-Nutzung und zu ihrer Abrechnung ist heute noch nicht perfekt. Doch jetzt habe sich in der OCA die gemeinsame Entwicklungsarbeit mit Softwarehäusern und Providern langsam eingespielt, so Ganten.

Die bei Projektstart betonte Anlehnung an OpenStack und die damalige Erwähnung von Multi-Tenant-Fähigkeit hat zu Missverständnissen geführt. Anders als bei OpenStack steht bei der OCA nicht die Private Cloud im Vordergrund, sondern die öffentliche, die Virtual Privat Cloud. In der ist es für Anwendungen nicht notwendig, dass sie verschiedene Kunden (multi tenant) von einander trennen können. Das OCA-Modell separiert die Kunden auf der Ebene von virtuellen Maschinen unter denen wiederum die Anwendungen in Containern laufen. Dies ist möglich, seit das soeben freigegebene UCS 4.1 dafür Container unterstützt. Diese Version ermöglicht auch die für Cloud-Nutzung empfehlenswerte 2-Faktor-Authentisierung.

Für die beteiligten Softwarehäuser sind also die Hürden nicht besonders hoch. Ihre Anwendungen müssen nur Web-fähig und für UCS geeignet sein. Entsprechend hat die Zahl der Applikationen im App Center von Univention allein in den letzten zwölf Monaten um 26 zugenommen. Und es sind vor allem Lösungen für Unternehmensanforderungen hinzugekommen.

Schwieriger scheint es auf Seiten der potenziellen Cloud Service Provider, die OCA-Website führt momentan zehn auf, zu sein. Auf dieser Seite peilte die OCA vor einem Jahr vor allem regional tätige Unternehmen an. Doch bei denen tun sich manchmal vor neuen Cloud-Offerten andere Hemmnisse auf, so Ganten im DCI-Interview. Die kleineren von ihnen haben für den Aufbau eines Cloud-Angebots nur begrenzte Ressourcen frei, so dass höhere Anforderungen von Bestandskunden die Vorhaben verzögern können. Es scheint sich aber abzuzeichnen, dass solche Unternehmen nicht selbst die technische Umgebung für ein Cloud-Angebot betreiben, sondern die Dienste von anderen, größeren Providern beziehen könnten.

Gleichwohl müssen OCA-Cloud-Provider für ein nachhaltig erfolgreiches Angebot ihren Kunden Service und Support in hoher Qualität bieten können. Daher rät Ganten den Providern davon ab, sogleich eine breite Auswahl aus dem großen Kasten App Center anzubieten. Tatsächlich sind die bisherigen Angebote der Provider noch sehr begrenzt, auf bestimmte Märkte zielend. Ganten: „Mit der Zeit werden sie ihr Angebot erweitern können.“ Stylite hat das gerade gemacht, indem die Mainzer neben Groupware und E-Mail nun auch ownCloud offerieren.

Die Open Cloud Alliance durchlebt also einen bedächtigen Aufbau. „Wir haben in den letzten Jahren eine Menge Basisarbeit geleistet“, zeigt sich Ganten damit keineswegs unzufrieden. Aspekte wie das Metering und Billing würden in Kürze verbessert. „Die Plattform beginnt zu skalieren. So wie das Angebot jetzt aufgestellt ist, werden wir schneller voran kommen.“ Inzwischen seien auch „einige der großen Anbieter aus Deutschland und den USA“ auf die OCA aufmerksam geworden, Gespräche mit ihnen hätten begonnen. Ganten: „Die Plattform gewinnt an Fahrt, und ich glaube, dass wir diese Geschwindigkeit noch erheblich steigern können.“

*Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.