Die Zukunft des Open Source und das Business

Der „Future of Open Source Survey“ von Blackduck und Northbridge

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Die Open Source Business Alliance war an einer Umfrage zur Zukunft von Open Source beteiligt.

Die Ergebnisse geben einige Hinweise, die für das Geschäft mit Open Source interessant sein könnten. (Von Ludger Schmitz*)

 

Gründe für Open-Source-Software

Der „Future of Open Source Survey“ von Blackduck und Northbridge haben nicht den Anspruch, repräsentativ zu sein. Trotzdem lässt sich aus ihnen noch einiges herauslesen. Vor allem ist festzustellen, dass generell die Marktchancen für Open Source zunehmen. Zwei Drittel der Befragten haben angegeben, dass in ihren Organisationen die Nutzung von Open Source weiter zunimmt. Ein Jahr zuvor waren es 60 Prozent. Also hat Open-Source-Software wohl noch nicht den Punkt der Marktsättigung erreicht.

Für Open Source sprechen nach Ansicht der Befragten drei Gründe:

  1. die Qualität der Lösungen
  2. wettbewerbsfähige Features und technische Möglichkeiten
  3. die Fähigkeit, die Lösungen anzupassen und Schwierigkeiten selbst zu beheben

Daraus ergeben für ein Business mit Open Source mehrere Folgerungen

  • Erstens ist der Qualitätsanspruch hoch, und wer als Anbieter erfolgreich bleiben will, muss hohe Qualität liefern.
  • Zweitens braucht man den Wettbewerb mit proprietären Anbietern nicht zu scheuen. Open Source bietet darüber hinaus, vermutlich in der Offenheit des Quellcodes und der Befolgung von unabhängigen Standards begründet, technische Eigenschaften, die dem proprietären Angebot überlegen sind – und die Anwender sind sich darüber im Klaren.
  • Drittens sehen Anbieter in Open Source bessere Möglichkeiten, die Software an ihre Bedürfnisse anzupassen. Dieses Moment der Flexibilität ist ein strategisches Argument: Anwender möchten Software nutzen, um Wettbewerbsvorteile gegenüber ihrer Konkurrenz zu erringen. Dafür spricht auch, dass mehr Anwender (65 Prozent) Open Source für die Anwendungsentwicklung nutzen als für deren grundlegende Infrastruktur (55 Prozent).

Open-Source-Verbreitung

Open Source hat – wohl historisch bedingt – bei Betriebssystemen, Datenbanken und Entwicklungs-Tools (in dieser Reihenfolge) seine weiteste Verbreitung. Dieser Befund ist eigentlich eher wichtig für Anbieter proprietärer Software: An Linux, den Open-Source-Datenbanken und -Programmiersprachen geht kein Weg mehr vorbei. Sie müssen die entsprechenden Konnektoren bieten.

Das Bild der Open-Source-Verbreitung könnte sich aber relativ schnell verändern. Denn befragt nach ihren Verwendungszielen für Open Source führten die Anwender an erster Stelle Cloud Computing, zweitens Datenbanken und drittens Big Data an. Und dabei ist ein weiterer Befund wichtig: Mit Open Source versprechen sich die Anwender mehr denn je eine Vermeidung von Vendor Lock-in.

Das heißt für Open-Source-Anbieter, dass ihre Software tunlichst Cloud-fähig sein sollte. Cloud ist zumindest eine Option, die sich Anwender offen halten. Wer Cloud-Fähigkeit anbietet, hat ein Verkaufsargument mehr. Es scheint so als hätte ein altes Open-Source-Argument, die Herstellerunabhängigkeit, durch die Debatte und Erfahrungen mit Cloud Computing wieder mehr Bedeutung erlangt. Es zeichnet sich dabei ab, dass dies auch ein Thema für Big Data wird.

Zusammensetzung und die Sicherheit von Open-Source-Software

Kritische Aspekte der Untersuchung betreffen die Zusammensetzung und die Sicherheit der eingesetzten quelloffenen Programme. 50 Prozent der Anwender haben keine Richtlinien für die Auswahl von Open-Source-Software. Und vom Rest beachtet wiederum die Hälfte die eigenen Richtlinien nicht. Das kann zu Problemen mit Lizenzen führen, denn die sind nicht unbedingt miteinander kompatibel, auch wenn sie vom OSI abgesegnet sind. Dies könnte ein Feld für Berater sein. Aber auch Anbieter sollten diesbezüglich bei den Anwendern für mehr Klarheit sorgen.

Fast die Hälfte der Anwender hat keine formalen Prozesse eingerichtet, um den eingesetzten Code zu überprüfen, heißt: Sie achten nicht konsequent auf Updates und Patches. Wenn Schwachstellen bekannt werden, folgt bei 40 Prozent manuelle Arbeit. Auch für diesen Aspekt gibt es keine Policies und bei der Hälfte der Anwender keine festgelegten Verantwortlichkeiten. Auf diese sicherheitsrelevante Problematik sollten Softwareanbieter dringend hinweisen. Sie ist ein zentrales Argument für Supportverträge.

Open-Source-Geschäftsmodell

Allerdings scheinen sich Anwender zunehmend mit der Open-Source-Software zu begnügen, die man ohne Supportverträge herunterladen kann. Bei der gleichen Befragung vor zwei Jahren hielt noch die Hälfte der Anwender Supportverträge für das künftige Geschäftsmodell im Open-Source-Geschäft. Jetzt sind es nur noch 41 Prozent.

Software-as-a-Service, 2014 noch von 60 Prozent der Befragten als Zukunftsmodell genannt, gilt jetzt nur noch 45 Prozent als Business mit Perspektive. Leicht im Aufwind, nämlich gestiegen von 39 auf 42 Prozent, ist kundenspezifische Softwareentwicklung. Das deutet noch einmal auf die Intention hin, die technischen Eigenschaften von Open Source zu nutzen, um sich vom Wettbewerb abzuheben. Dies bietet eine gute Aussicht für vor allem junge Open-Source-Anbieter, die sich noch nicht auf ein festes Angebotsportfolio festgelegt haben.

*Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.