Die Arbeitskraft hinter Linux

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Linux wird niemals fertig sein, und in das Betriebssystem fließt unverändert eine gewaltige Menge Arbeit. Dazu wurden mit dem neuen Kernel 4.12 einige Daten veröffentlicht, die den Aufwand für jede neue Version erfassen lassen. Von Ludger Schmitz*

Ohne den Trend, den Linux angestoßen hat, gäbe es die heutige Menge an Open-Source-Produkten nicht. Die Dynamik dieses Umfelds lässt leicht übersehen, dass Linux selbst keineswegs „fertig“ ist, wie es Außenstehenden erscheinen mag. Wer allerdings als Administrator häufig, in etlichen Fällen auch täglich, neue Betriebssystem-Images erstellen und bereitstellen muss, weiß, dass sich im Linux-Projekt eine Menge tut. Auch wenn zwischen den Versionen mit zwei Stellen nach dem Punkt meistens 70 Tage vergehen.

Seit Anfang Juli sind wir bei der Version 4.12 des Linux-Kernels. Greg Kroah-Hartman, einer der leitenden Kernel-Entwickler, hat einige Zahlen zu dieser und den fünf vorhergehenden Versionen in den letzten zwölf Monaten veröffentlicht. Demnach hat der aktuelle Kernel 59.806 Dateien mit insgesamt 24.170.860 Codezeilen. Zum Vergleich waren es bei der am 24. Juli letzten Jahres veröffentlichten Version 4.7 insgesamt 21.720.955 Lines of Code in 54.376 Files. Ergo sind es innerhalb eines Jahres rund zehn Prozent mehr Dateien und 11 Prozent mehr Codezeilen geworden.

Angesichts der hohen Ausgangszahl ist das schon eine Menge Arbeit. Und das Projektteam hat die Schlagzahl erhöht: Während im Allgemeinen von Version zu Version das Wachstum bei den Dateien zwischen zwischen 1,3 und 2,0 Prozent liegt waren es diesmal 3,2 Prozent. Und bei den Lines of Code waren es 4,5 Prozent, doppelt so viel wie der höchste Wert in den davorliegenden zwölf Monaten. Diese Steigerungen sind noch erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass der aktuellen Version 63 Tage Entwicklungszeit vorausgingen, sonst ist es fast eine Woche mehr, nämlich 70 Tage.

Gewonnen hat der neue Kernel natürlich nicht nur zusätzlichen Code. Wirklich hinzugekommen sind diesmal rund 1,2 Millionen Programmierzeilen. Auch das ist ein neuer Spitzenwert für die letzten zwölf Monate, normalerweise sind es so etwa eine halbe Millionen Codezeilen. Ein Teil der Neuerungen ersetzen alte Codezeilen; denn von denen wurden fast 160.000 entfernt. Außerdem gab es Änderungen an fast 142.000 Zeilen.

Vor dem Hintergrund diverser neuer Wachstumsrekorde überrascht ein für das Projekt sehr wichtiger Aspekt weniger: An der neuen Version waren 1821 Entwickler beteiligt. Auch das ist ein neuer Spitzenwert. An der Version 4.7 vor etwa einem Jahr waren noch 1582 Entwickler beteiligt gewesen. Ein großer Teil der Entwickler ist in Unternehmen fest angestellt, laut „Pro-Linux.de“ sind es „mindestens 80 Prozent“, hingegen „sinkt seit Jahren ständig“ die Zahl der eigenständig Engagierten. Es sind seit einem Jahr konstant rund 220 Unternehmen, die angestellten Entwicklern in der Arbeitszeit die Mitarbeit am Linux-Projekt ermöglichen.

Diese Zahlen bedeuten nicht nur, dass Linux unverändert eine hohe Entwicklungsgeschwindigkeit aufweist, wobei ein großer Teil der Arbeiten Neuerungen gilt. Vielmehr zeigen die Angaben auch, dass Linux eine sehr breite personelle Entwicklungsbasis hat, hinter der langfristige Business-Interessen stehen.

*Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.